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20 Jahre Kroll Ontrack in Deutschland – Peter Böhret im Interview (Teil 1)

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Zwei Jahrzehnte Kroll Ontrack in Deutschland bedeutet zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Datenrettung. Als Kroll Ontrack Deutschland 1996 in Böblingen bei Stuttgart gegründet wurde, kamen gerade die ersten Festplatten im Gigabyte-Bereich auf den Markt und es gab noch keine Smartphones und Tablets. Seitdem ist viel passiert und das Unternehmen, das am Anfang mit knapp einem halben Dutzend Mitarbeitern gestartet war, konnte seine Mitarbeiterzahl auf über 100 vervielfachen und seinen Umsatz sowieso.

Heute ist Kroll Ontrack das führende Datenrettungsunternehmen weltweit. Allerdings mussten die Datenrettungsexperten ihre eingesetzten Technologien und ihr Knowhow ständig an die geänderten Markterfordernisse anpassen. Auch in Zukunft wird die Datenrettung weiterhin immer komplexer und herausfordernder werden. Kurzum ein Markt, der in Bewegung ist und von den Verantwortlichen und Mitarbeitern ein hohes Maß an Flexibilität und Lernbereitschaft fordert.

Peter Böhret

Aber das Unternehmen ist längst nicht mehr ausschließlich auf diesen Geschäftsbereich festgelegt. Warum das so ist und wie sich die Firma für die Zukunft positioniert, erklärt Peter Böhret, Managing Director (Geschäftsführer) der GmbH in Böblingen, Vice President Europe DST von Kroll Ontrack weltweit und gleichzeitig Mitarbeiter der ersten Stunde am deutschen Standort, im Interview.

Redaktion: Herr Böhret, Sie sind seit Anfang an bei Kroll Ontrack in Böblingen dabei. Können Sie sich eigentlich noch an den ersten Datenrettungsauftrag erinnern?

Böhret: Aber klar. Das war eine ganz witzige Geschichte. Wir hatten eigentlich noch kaum unser Büro in Betrieb genommen, da erreichte uns auch schon der erste Auftrag. Als wir am Mittwoch, den 6. November 1996 unser Büro öffneten, lag vor unserer Tür ein Päckchen mit einer Festplatte. Witzig war, dass wir zuvor keinen Anruf oder eine Ankündigung über den Auftrag bekommen hatten. Es handelte sich ganz zeitgemäß um eine Festplatte aus einem, mit einem 486er Intel-Prozessor betriebenen, Computer auf DOS-Basis. Außerdem benötigte unser erster Kunde eine Express-Datenrettung, die wir noch am gleichen Tag erfolgreich abschließen und dem Kunden seine geretteten Daten zur Verfügung stellen konnten. Das war ein schöner Start und hat uns gleich für die Zukunft motiviert.

Redaktion: Wie hat das mit der Datenrettung überhaupt in Böblingen angefangen?

Böhret: Die amerikanischen Gründer von Ontrack DataRecovery, die später von Kroll aufgekauft wurden, hatten damals beschlossen eine deutsche Niederlassung zu gründen. Zu dieser Zeit erhielt die Ontrack Niederlassung in England schon 15 % seiner Datenrettungsaufträge aus Deutschland. Aufgrund der Nähe zu Hewlett-Packard, IBM und anderen IT-Firmen in Böblingen entschied man sich hier den deutschen Standort zu etablieren. In der Anfangsphase war ich einer der beiden leitenden Manager, die das Geschäft in Deutschland aufbauen sollten. Unterstützt wurden ich und mein Kollege von zwei Datenrettungsingenieuren und zwei Inbound-Sales-Mitarbeitern, die also für die organisatorische und kaufmännische Abwicklung zuständig waren. Einer der beiden Ingenieure – Holger Engelland – ist heute noch hier und leitet jetzt unser Datenrettungslabor.

Redaktion: Und wie hat sich damals das Geschäft mit der Datenrettung dargestellt?

Böhret: Als wir 1996 hier in Deutschland angefangen hatten, wurden wir förmlich überrannt. Dazu muss man allerdings auch sagen, dass wir, bevor wir den Standort offiziell eröffnet hatten, auch ordentlich die Werbetrommel gerührt haben. So waren wir Ende Oktober 1996 auf der SYSTEMS und uns wurden förmlich die Visitenkarten aus der Hand gerissen. Damals gab es noch nicht viele professionelle Datenretter auf dem Markt und der Name Ontrack war durch seine Festplatten-Adressierungs-Software Ontrack Disk Manager, die als Lizenzprodukt vielen Harddisks beigelegt war, schon sehr bekannt. Das Produkt hat uns sehr geholfen uns auf dem deutschen Markt schnell einen bekannt zu machen und den Qualitätsnamen Ontrack von der Software auf unsere Datenrettungsdienstleistungen zu übertragen.

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Redaktion: Und wie ging es dann mit Kroll Ontrack weiter?

Böhret: In den folgenden 20 Jahren hat sich das Geschäft – quasi von Null – insgesamt prächtig entwickelt. Obwohl es schon damals Backup-Lösungen gab, kam es auch in den vergangenen Jahrzehnten immer zu Datenverlust. Allerdings war auch das Datenrettungsgeschäft nicht von den allgemeinen Entwicklungen im IT-Business gefeit. So musste auch unser Geschäft durch Phasen hindurch, in welchen es der Branche insgesamt nicht gut ging. In Zeiten, in denen es einen Ausgabe-Stop gab, wurden auch wir als Datenretter nicht davor geschont. Aber dadurch, dass wir den Kunden immer in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellten und stellen und permanent an neuen technologischen Möglichkeiten forschen, um selbst schwierigste Aufgaben erfolgreich zu bewältigen, können wir auch Herausforderungen in diesem Bereich gut überstehen.

Redaktion: Sie bearbeiten jährlich tausende Datenrettungsfälle. Können Sie sich noch an einen besonders außergewöhnlichen Fall erinnern?

Böhret: Der Manager einer mittelständischen Firma rief eines Morgens kurz vor der Jahrtausendwende bei mir an und sagte, dass er bald seinen Laden schließen kann, wenn wir sein relativ neues RAID-System und die enthaltenen wichtigen Daten nicht retten können. Das System hatte sowohl Hardware- als auch Strukturschäden aufgewiesen. Er hat wortwörtlich gesagt, wenn sie mit Ihren Mitarbeitern die Datenrettung hinbekommen, dann gehe ich in die Kirche, veranstalte eine Party für meine Mitarbeiter und schenke Ihnen eine Magnumflasche Champagner. Kurzum, unsere Experten haben es geschafft das System und die Daten zu retten. Eines Tages stand dann der Manager mit einer Magnumflasche vor der Tür und sagte, dass er bereits die ersten beiden Versprechungen wahr gemacht habe und wir uns den Champagner munden lassen sollen. Das hat uns sehr gefreut und zeigt, welche große Verantwortung wir haben und das wir tatsächlich manchmal eben nicht nur Daten, sondern auch Firmenexistenzen retten.

Im zweiten Teil unseres Interviews mit Peter Böhret befragen wir ihn über die Zukunft der Datenrettung und des Unternehmens…

Bildnachweis: Kroll Ontrack GmbH