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Aufstieg und Fall des Desktop-PC

Im dritten Quartal 2013 wurden laut Untersuchungen des Marktforschers Gartner in Deutschland 14 Prozent  weniger stationäre und mobile Computer (ohne Tablet-PCs) verkauft, als im dritten Quartal 2012. Endverbraucher legen sich immer häufiger einen Tablet-PC zu, die zusammen mit den Smartphones dem klassischen PC das Wasser abgraben.

Seit dem 21. August 1981, als IBM den ersten PC (Personal Computer) vorstellte, hat sich eine Menge getan. Der erste PC kostete nach heutiger Kaufkraft umgerechnet 8600 €, hatte keine Festplatte (nur ein oder zwei Diskettenlaufwerke) und einen Prozessor mit 4,77 MHz. Das Betriebssystem DOS stammte von Bill Gates, dem Gründer von Microsoft.

1983 wagt Compaq den ersten Schritt auf den Markt mit dem ersten tragbaren IBM-kompatiblen System – dem Vorläufer aller mobilen PCs. IBM stellt mit dem PC XT den Urtyp der Desktops PCs der Öffentlichkeit vor. Erstmals war eine Festplatte im Gerät installiert.

1984 wurde PCs Limited in einem Zimmer eines Studentenwohnheims gegründet. Der Name des Studenten: Michael Dell. Sein Unternehmen entwickelte sich zu einer der größten Firmen in der Branche.

1985 veröffentlicht Microsoft einen eher plumpen grafischen Dateimanager, dem kaum jemand größere Beachtung schenkte: Windows 1.0. Dennoch wird sich die Fenster-Software zum größten und am weitesten verbreiteten Betriebssystem der Welt entwickeln.

1986 bringt Intel mit dem 386er den ersten 32-bit-Prozessor in die PCs. Der 386er ist Grundlage für eine völlig neue Generation von Software.

1987 kommt Video Graphics Array (VGA) auf den Markt und wird  Standard für Grafikkarten und Monitor. Auch heute noch besitzen die meisten Monitore einen VGA-Anschluss.

1989 entwickelt Tim Berners-Lee am europäischen Kernforschungszentrum CERN  die Programmiersprache HyperText Markup Language – kurz HTML, um den Datenaustausch der unterschiedlichen Netzwerk-Infrastrukturen zu vereinfachen. Ein Jahr später benutzt er HTML um den Kern dessen zu bilden, das später das World Wide Web wird.

1990 hat sich mit Windows 3.0 der einfache grafische Dateimanager weiterentwickelt. Auch weniger beschlagene Menschen können nun mit dem PC arbeiten. Windows 3.0 kann sagenhafte 16 MB Arbeitsspeicher verwalten und verkauft sich fast von selbst.

1991 wird mit dem PCI-Anschluss (Peripheral Component Interconnect) von Intel, PC-Herstellern und -Nutzern das Leben beträchtlich erleichert. Der Datenübertragungsstandard PCI  erlaubt die automatische Konfiguration von Interfacekarten, verbessert die Geschwindigkeit und erweitert die Kompatibilität durch den standardisierten Steckplatz.

1993 wurde der am National Center for Supercomputing Applications entwickelte Mosaic Webbrowser vorgestellt. Er ist zwar nicht der erste Browser, der Bilder und Grafiken anzeigen kann, wird aber schnell zum beliebtesten. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern gibt es Versionen für Unix, Apple, Windows und Amiga. Mosaics leitender Programmierer, Marc Andreessen, gründet später Netscape.

1994 hat sich Windows, der ehemals chancenlose DOS-Konkurrent, mit der Version 95 zu einem vollständigen Betriebssystem gemausert. MS-DOS wird offiziell für tot erklärt. Windows 95 beherrscht sowohl 16- als auch 32-bit-Anwendungen. Neu ist das Startmenü, was die Nutzer anfangs allerdings eher verwirrt. Mit dem kostenlosen Web-Browser Netscape Navigator beginnt die Erfolgsgeschichte des Internet.

1996 etabliert sich ein neuer Anschluss: neben Serial- und Parallel-Ports betritt USB die Bühne. Das Anschließen von Tastaturen, Mäusen und Kameras am PC wird zum Kinderspiel. Ein komplett neuer Markt für Flash-Speicher entsteht: USB-Sticks kommen auf.

1997 werden CD-Laufwerke durch DVD-Player und -Disks abgelöst. Der erste WLAN (Wireless-Lan, Wi-Fi) Standard 802.11 wird verabschiedet.

1999 werden die WLAN-Standards 802.11a und 802.11b eingeführt, wodurch sich die Übertragungsraten auf bis zu 54 Mbits/s erhöhen. Parallel dazu wird die Wi-Fi-Alliance gegründet, um Produkte auf Basis dieser Standards zu zertifizieren. Wi-Fi (besser bekannt als WLAN) entwickelt sich zu einer der Netzwerk-Technologien mit der größten Verbreitung und Akzeptanz.

2000 kommt ein eigentlich etwas dröges PC-Spiel auf den Markt: „Die Sims“, in dem der Alltag virtueller Personen simuliert wird. „Die Sims“ wird das meistverkaufte Computerspiel aller Zeiten und verschlingt Unmengen an Zeit.

2001 vereint Microsoft Windows 2000 und ME in einem 32-bit-Betriebssystem: Windows XP wird zum erfolgreichsten Betriebssystem in der Geschichte des Unternehmens.

2002 tauchen die ersten passablen Tablet-PCs auf. Zwar hatte Apple schon 1993 mit dem Newton MessagePad ein PDA mit berührungsempfindlichem Bildschirm im Programm, größere Aufmerksamkeit erlangten die dünnen Dinger aber erst 2002 mit Microsofts Windows XP Tablet PC Edition. Trotzdem sind sie (noch) ein ziemlicher Flop.

2003 bringt AMD bringt die erste 64-bit-x86-CPU und kommt Intel zuvor. Microsoft startet daraufhin die Entwicklung einer Windows-Version mit 64-bit-Unterstützung.

2004 startet der Verkauf des Intel Pentium M, der speziell für Notebooks entwickelt wurde. Die CPU ist auf geringen Stromverbrauch optimiert, was auch die teilweise auftretenden Hitzeprobleme der Vorgänger löst.

2007 findet die Premiere des Apple iPhone statt. Zwar gab es Smartphones schon vorher, aber erst jetzt beginnt der fast unglaubliche Boom der Alleskönner.

2008 verkaufen sich Laptops erstmals besser als Desktop-PCs. Mobilität wird immer wichtiger, die steigende Verbreitung von Wi-Fi und die sinkenden Preise bringen immer mehr Menschen dazu, sich einen Laptop zuzulegen.

2009 soll Windows 7 nach dem Versagen von Windows Vista das Betriebssystem sein, das Microsoft wieder Erfolg bringt. Windows 7 will mit neuem Design an den Erfolg von Windows XP anknüpfen. Und mehr: Windows 7 vollführt den Wechsel von 32-bit- zu 64-bit-Computing.

2010 bringt Apple das iPad – ein weiterer Meilenstein. Im Gegensatz zu Microsofts vergeblichen Versuchen, seine Tablet-PCs unters Volk zu bringen, schafft Apple das quasi über Nacht. Das iPad ist das erste echte Tablet durch und durch und nicht nur ein PC, der aussieht wie ein Tablet. Darüber hinaus haben Nutzer nun die Möglichkeit, zahlreiche Apps für wenig bis kein Geld auszuwählen.

2012 kommt Windows 8 auf den Markt und polarisiert Nutzer wie Fachwelt. Ein Teil lobt die neue Kacheloberfläche als Schritt in die Zukunft, der andere mokiert sich über die völlig veränderte Benutzerführung – ohne berührungsempfindliches Display ist die Bedienung nicht sehr komfortabel. Drittanbieter sorgen aber schnell fürs gewohnte Look and Feel.

2013 bricht der weltweite Desktop-PC-Markt ein. Die klobigen Kästen werden schon in einer Reihe mit der Musikkassette und dem Röhrenradio genannt. Smartphones und Tablet-PCs dagegen verkaufen sich immer besser.