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Hello Barbie vs Cognitoy-Dino

Das Internet der Dinge erobert die Kinderzimmer – nicht immer zur Freude der Datenschützer. Der Spielwarenkonzern Matell bringt mit „Hello Barbie“ eine Puppe auf den Markt, die Kindern zuhört und auf Fragen „passende“ Antworten gibt. Via WLan werden die Gespräche der Kinder an den Server des Start-ups Toytalk geschickt und von dort beantwortet. Dass die Aufnahmen zwei Jahre gespeichert und auch an Drittanbieter (angeblich zur Hilfe bei der Sprachentwicklung der Kinder) geschickt werden, ist allerdings mehr als unschön. Zwar können die Eltern die Aufnahmen löschen – nur weiß niemand, wer bis dahin schon von den Informationen Gebrauch gemacht hat.

Etwas anders ist die Situation beim kleinen Cognitoy-Dino von Elemental Path. Der kleine Grüne mit dem großen blauen Knopf auf dem Bauch hat eine Berühmtheit im Hintergrund: Das Spielzeug kommuniziert mit dem Computersystem Watson von IBM, das auf Fragen in natürlicher Sprache Antworten geben kann, schon 2011 in der Quizsendung „Jeopardy“ gegen zwei menschliche Gegner gewann und heute bei Finanzunternehmen eingesetzt wird oder bei der Bekämpfung von Krebs hilft.

Elemental Path legt großen Wert auf Datenschutz und hat dafür gesorgt, dass die Kommunikation zwischen Server und Dino verschlüsselt stattfindet. Nur die Eltern können die Aufzeichnung anhören und so die Entwicklung ihrer Kinder verfolgen. Um den kleinen Freund zu aktivieren muss der große Knopf am Bauch des grünen Getüms gedrückt werden.

Auch Barbie muss man drücken. Allerdings liegt der Knopf in der Gürtelschnalle, wo er unbeabsichtigt beim Halten der Puppe um die Taille, beim Hinsetzen oder beim Umkleiden betätigt werden kann (oder soll). Die Möglichkeit zum Auskundschaften von Vorlieben und der darauf erfolgenden Empfehlung von bestimmten Produkten liegt auf der Hand – allerdings wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Kinder nicht in Echtzeit „überwacht“ werden, den Eltern aber täglich ein Protokoll der mitgeschnitten Gespräche zugeschickt werden kann. Verständlich, dass die Puppe jetzt schon den „Big Brother Award“ erhalten hat.

Über den Nutzen solcher „Spielzeuge“ darf gestritten werden. Wer immer schon von Barbie begeistert war, wird sich wahrscheinlich auch die Puppenwanze ins Kinderzimmer holen. Wollen Eltern den kognitiven Fähigkeiten ihrer Kinder auf die Sprünge helfen werden sie den Dino mit Supercomputerfähigkeiten vorziehen (weitere Figuren sind angedacht). Dass dabei private Daten von unmündigen und -wissenden Kindern in die Welt von Big-Data geschickt werden wird den meisten Eltern egal sein. Was aber passiert, wenn ein Kind erkennt, dass die Geheimnisse, das sie ihrem treuen Freund oder ihrer besten Freundin anvertraut hat, bei den Eltern landen, kann sich jeder selbst ausmalen.

Bildquelle: IBM