Go to Top

Das Auto als Datensammler

Datensammler KFZ

Moderne Autos sind große Datensammler. Bis zu 70 Sensoren sind pausenlos im Einsatz, um Daten zu erheben und dem Bordcomputer zur Verfügung zu stellen – oder sie zur späteren Verwendung abzuspeichern: Beschleunigung und Spitzengeschwindigkeit, aber auch den Verschleiß von Autoteilen oder die Wartungshäufigkeit. Diese Daten konnten bisher nur von Werkstätten ausgelesen werden, aber das ändert sich momentan, da Fahrzeugdaten für Viele im höchsten Maße interessant sind.

Aus Premiummodellen werden schon heute Daten per Funk verschickt, da teure Autos inzwischen ab Werk mit eingebauter Mobilfunktechnik ausgeliefert werden. Ab Anfang 2018 müssen Neuwagen mit 112 eCall ausgerüstet sein, einer Technik, die automatisch bei einem Unfall eine SMS an die Notfall-Nummer 112 abschickt. eCall verspricht, viele Leben zu retten – aber nicht nur. Denn zusätzlich können auch andere Daten aus dem Auto gefunkt werden. So kann bei einem Defekt beispielsweise automatisch eine Werkstatt informiert werden, was ein riesiges Geschäft werden könnte, da europaweit jährlich 170 Milliarden Euro in Kfz-Werkstätten ausgegeben werden. Wer diese Infos aus unseren Fahrzeugen verwerten und die Autos zu Werkstätten dirigieren kann wird viel Geld verdienen.

Auch KFZ-Versicherer sind an Fahrzeugdaten interessiert, manche bieten testweise eine Blackbox an, die im Auto installiert wird. Damit wird der Fahrstil überwacht und (bei Gefallen) mit einer geringeren Versicherungspolice belohnt.

Bekannt durch den Meteoriteneinschlag in Tscheljabinsk wurden die in Russland damals schon weit verbreiteten Daschcams. Die eigene Autofahrt wird aufgezeichnet, um im Falle eines Problems eine Videoaufzeichnung als Beweis zu haben (in Russland ist so etwas anscheinend häufig nötig). Auch in Deutschland werden die kleinen Kameras immer beliebter. Es gibt sie auch mit eingebautem GPS-Empfänger, wodurch der Fahrer freiwillig bei der eigenen Überwachung hilft. Bei einem Unfall kann ein Richter die Daten des Autos, aus der Dashcam oder einer Blackbox als Beweismittel für einen Prozess zulassen – auch wenn Sie gegen den Fahrer sprechen.

Aber nicht nur in teuren Neuwagen ist man jederzeit im Blick von „Big Brother“. Denn kaum jemand setzt sich heute noch ohne eingeschaltetes Smart­phone (inklusive GPS-Empfänger) ans Steuer. Und so wird zumindest der Fahrweg aufgezeichnet, entweder von der Navigations-App oder einer werbefinanzierten App, die die GPS-Daten heimlich speichert.

Wer sich durchs Smartphone oder das eingebaute Navi navigieren lässt, gibt automatisch seine Bewegungsdaten preis. Das Versprechen der Hersteller dieser Geräte, dass Bewegungsdaten nur anonym erfasst werden, klingt zwar gut. Doch mit genügend unterschiedlichen Daten einem anonymen Datensatz lässt sich dieser recht einfach einer konkreten Person zuordnen. Und an personalisierten Daten sind eine große Zahl von Firmen interessiert – Big Data is Big Business.