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Verschlusssache

Gehackte Promi-Nacktfotos oder Millionen von geklauten Zugangsdaten ergeben den Stoff für einen Medien-Hype. Über abhandengekommene Laptops liest man wenig (es sei denn, es wären welche einer Bundesbehörde) obwohl in Deutschland jedes Jahr zehntausende Laptops, Notebooks und Tablet-PCs gestohlen werden oder verloren gehen.

Auf diesen Rechnern sind Unmengen von Informationen gespeichert: private und geschäftliche Korrespondenz, Zugangsdaten von Netzwerken, die Steuererklärung, Fotos, Videos… und der Dieb oder Finder kann sich alles anschauen. Auch wenn der Rechner passwortgeschützt ist, kommt man ohne großen Aufwand an die Inhalte.

Es sei denn, die Festplatte, einzelne Ordner oder ausgewählte sensible Daten sind verschlüsselt. Das ist der einzige wirksame Schutz vor unbefugtem Zugriff. Auch wenn Rechner von mehreren Benutzern verwendet werden, sollte man sich über Verschlüsselung Gedanken machen. Auf die Frage, welche Daten als sensibel einzustufen sind, bekommt man verständlicherweise unterschiedliche Antworten. Bank- oder Kontoinformationen oder wichtige geschäftliche Korrespondenz gehören sicher dazu, aber auch Urlaubsfotos oder persönliche Briefe können einem Nutzer wichtig genug sein, um sie zu verschlüsseln.

Doch wie schützt man seine Daten? Dafür gibt es eine Menge – auch kostenlose – Programme, die Dateien, Ordner oder ganze Datenträger verschlüsseln können. Auch Programme zur Datenkompression können die komprimierten Daten verschlüsseln. Die Open-Source-Anwendung  7-Zip (kostenlos) gehört dazu. Eine reine Verschlüsselungslösung ist GNU Privacy Guard for Windows (Gpg4win – ebenfalls kostenlos). Für Ängstliche (was in der Welt der Daten nicht negativ zu verstehen ist): das Programm wurde vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Auftrag gegeben.

Das Programm TrueCrypt war lange Jahre der Quasi-Standard für Datenverschlüsselung. Allerdings wurde im Mai 2014 die Weiterentwicklung eingestellt. Der Chaos Computer Club e.V. (CCC) in Hamburg rät daher inzwischen von der Benutzung von TrueCrypt ab. Auch die in Windows integrierte Bitlocker-Software erregt den Argwohn der „größten europäische Hackervereinigung“ wie sich der CCC selbst tituliert: «Wir wissen, dass Microsoft mit der NSA zusammenarbeitet.» Auch andere Spezialisten würden heutzutage keine Verschlüsselungstechnologie mehr benutzen, die in Amerika entwickelt wurde.

Wem kostenlose Programme suspekt sind, dem empfiehlt das BSI die Software TrustedDisk, die auch von Bundesbehörden benutzt wird. An einer kostenlosen Version für Privatnutzer wird bei Sirrix in Saarbrücken momentan gearbeitet.

Wer sich für solch ein Programm entscheidet, sollte auch externe Festplatten oder USB-Speichersticks verschlüsseln. Bei mobilen Endgeräten kann es aber Schwierigkeiten geben. Bei Geräten von Apple oder solche mit Android als Betriebssystem ist eine Verschlüsselung nicht ohne weiteres möglich. Einen gewissen (aber nicht umfassenden) Schutz vor fremden Zugriffen bietet hier das Sperren des Startbildschirms.

Wenn Daten mit einem guten Programm verschlüsselt sind, können nicht einmal Ermittlungsbehörden darauf zugreifen – und der Besitzer des Gerätes ist nicht verpflichtet, sein Passwort herauszugeben. Wer allerdings das Passwort vergisst, ist dumm dran. Denn er hat keine Chance mehr, seine Daten zu entschlüsseln.

Bildquelle: pixabay