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Datenklau – der menschliche Faktor

Datenklau – der menschliche Faktor

Es müssen nicht unbedingt hochtechnisierte Hackerbanden am Werk gewesen sein, wenn ein Firmennetzwerk geknackt wurde. Sehr häufig – manche Stimmen sprechen von 50% aller Fälle – ist der Mensch die Quelle allen Übels.

Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Anfang April wurde die Website des französischen Fernsehsenders TV5 Monde gehackt – es erschien nur noch eine Fehlermeldung – und auf der Facebookseite erschien islamistische Propaganda. Wie die Hacker möglicherweise an die entsprechenden Passwörter gelangen konnten, zeigte – unfreiwillig – der Redakteur David Delos in einem Interview des Senders „13 Heures“ zu dem Vorfall. Man sieht den Interviewten in einem Büroraum von TV5 Monde vor einer gläsernen Trennwand, an der – erkennbar wenn auch nicht entzifferbar – Zettel mit den Zugangsdaten zu Twitter-, Youtube-  und Instagram-Konten des Senders befestigt waren. Jeder Besucher der Redaktion hätte sie einfach notieren können.

Die Preisgabe von geheimen Informationen kann durch leichtsinniges Verhalten möglich werden. Vor wenigen Tagen erst marschierte Kris Kobach (Secretary of State des US-Bundesstaats Kansas) zu einem Gespräch über „Grenzsicherheit, internationalen Terrorismus und eine Reform des Beamtentums“ mit dem designierten US-Präsident Donald Trump. Unterm Arm hatte er seine Unterlagen mit Details, die nach Trumps Vorstellung geheim bleiben sollten. Da jede Menge Fotografen vor Ort waren und Kobach die erste Seite der Unterlagen nicht verborgen hatte, gelangten die auf hochauflösenden Fotos von „Kobachs Strategischem Plan für die ersten 365 Tage“ an die Öffentlichkeit.

Die US-Nachrichtenseite „Politico“ hat veröffentlicht, was auf der Seite zu entziffern war: Beobachtung von Ausländern aus hochriskanten Regionen, extreme Sicherheitsüberprüfungen und die Abschiebung von kriminellen Ausländern. Der Staatssekretär würde Trump raten, die Mauer zwischen Mexiko und den USA „sehr schnell“ zu bauen.

Man sollte sich in heutiger Zeit Gedanken machen über die Geheimhaltung von sensiblen Informationen. Das mussten auch die Spieler und Coachs bei der Fußball-WM 2014 erfahren. Nachdem bekannt wurde, dass Lippenleser etliche nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Gespräche in Umlauf brachten wurde der verbale Informationsaustausch nur noch hinter vorgehaltener Hand praktiziert.

Bildquelle: jinterwas / flickr – Lizenz: CC2