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Datenschnüffler?

Datenschnüffler

Windows 10 ist ein Renner: Schon 75 Millionen Mal wurde das neue Betriebssystem aus Redmond seit seiner Veröffentlichung im August installiert. Aber so ganz erstaunt das nicht, da Besitzer von Lizenzen für Windows 7 oder 8 die neue Version kostenlos bekommen – zumindest bis zum kommenden Jahr.

Es wurde schon viel geschrieben über die neue Software und viel gelobt – aber auch kritische Stimmen wurden laut, was die Datenschnüffelei von Microsoft betraf. Nicht im Eigentlichen, dass Microsoft so viele Daten seiner Nutzer haben will (was jedem Smartphonebesitzer von einer Vielzahl von Apps geläufig ist), sondern dass in den Voreinstellung eine ganze Bandbreite an Infos freigegeben ist: Name, Kontakt- und Anmeldedaten werden abgefragt, Informationen über das Kaufverhalten gesammelt und die eigenen Kontakte und Beziehungen aufgelistet. Standortdaten sind natürlich ebenso interessant (Stichwort Nutzerspezifische Werbung) wie Details aus dem integrierten Kalender oder den Kommunikationsmedien. Auch der Verlauf der besuchten Seiten im Edge-Browser wird an Microsoft geschickt – sofern man die Expressinstallation gewählt hat. Von Microsoft wird das folgendermaßen formuliert: „Durch Express-Einstellungen können Sie Sprache, Eingabe und Freihand personalisieren, indem Kontakt-, Kalenderdetails mit zugehörigen Eingabedaten an Microsoft gesendet werden“.

Allerdings kann man das Problem (sofern man eines mit Datenkraken hat) mehr oder weniger in den Griff bekommen. Unter
Einstellungen > Datenschutz > Allgemein > Werbungs-ID
kann die zielgerichtete Werbung ausgeschaltet werden.

Unter dem Überbegriff „Eingabeoptimierung“ sollen die Erfassung von Informationen zu Spracheingaben, Freihand- und Tastatureingaben zu verwalten sein, außerdem wird hier die Weitergabe von Informationen aus dem Kalender und den Kontakten geregelt. Laut Microsoft geht das unter
Einstellungen > Datenschutz > Sprache, Freihand und Eingabe > Eingabeoptimierung.
Nur scheint sich ein Fehler eingeschlichen zu haben, denn die Möglichkeit zur Deaktivierung scheint hier zu fehlen. Daher klappt das nur direkt bei der Erstinstallation, bei der man ganz genau lesen sollte, was jeweils passieren wird.

Den Versand von Informationen über die eigenen Schreibgewohnheiten kann man unter
Einstellungen > Datenschutz > Allgemein > Schreibverhalten
verhindern.

Windows 10 ermittelt in der Grundeinstellung den Standort des Rechners und merkt sich teilweise auch vorherige Aufenthaltsorte – Standortverlauf wird das genannt. Diese Daten können von Microsoft und von Apps anderer Entwickler benutzt werden. Wer das nicht will muss manuell aktiv werden. Die Positionserkennung kann vollständig deaktiviert werden oder nur die Abfrage des Standorts durch Apps und Dienste. In den Einstellungen für den Datenschutz kann ausgewählt werden, welche Apps auf den Standort zugreifen können. Zu finden unter:
Einstellungen > Datenschutz > Position.

Wer auf die datenhungrige Sprachassistent Cortana nicht verzichten möchte, muss sich allerdings orten lassen. Gerätestandort und Standortverlauf sowohl für das Gerät als auch für das Benutzerkonto muss freigegeben sein. Wer seinen Standort nicht preisgeben will muss vollständig auf Cortana verzichten. Dazu muss man in den Einstellungen auf „Spracherkennung, Freihand und Eingabe“ klicken und „Kennenlernen beenden“ auswählen. Oder man tippt im Suchfenster „Cortana“ ein und geht dann auf „Cortana & Sucheinstellungen“ wo man die Assistentin ebenfalls komplett deaktivieren kann. Dann sollten noch über den Link “Alles, was Cortana über mich weiß, in der Cloud verwalten“ die gespeicherten Informationen gelöscht werden – es gibt sicher eine Menge Menschen, die ihre privaten Daten nicht irgendwo in einer Cloud gespeichert wissen möchten.

Auch der neue Webbrowser Microsoft Edge dient der großzügigen Datenübermittlung. Alles, was in die Adressleiste von Microsoft Edge eingegeben wird, wird direkt an Bing (Microsofts Suchmaschine) gesendet. Auch der Browserverlauf (Liste aller besuchten Websites) wird automatisch an Microsoft geschickt. Begründet wird das mit einer Beschleunigung des Surfens, da Microsoft auf diese Webseiten vorhersagen kann, die voraussichtlich als Nächstes besucht werden. Um in Edge Änderungen vorzunehmen muss auf die drei Punkte in der rechten oberen Ecke geklickt werden. Unter
Einstellungen > Erweiterte Einstellungen
kann man mit Hilfe der blauen Schieberegler vieles verändern.

Wer allerdings möglichst wenig Daten an Microsoft schicken möchte, sollte Windows 10 ohne Microsoft-Konto verwenden. In den Einstellungen unter „Konten – Ihr Konto“ klickt man dazu auf „Stattdessen mit einem lokalen Konto anmelden“. Wer weiter mit einem Microsoft-Konto angemeldet sein will, kann unter „Einstellungen synchronisieren“ bestimmen, was zu Microsoft geschickt wird.

Übrigens: die angeblichen Schnüffel-Updates für Windows 7 und 8, die die obengenannten Möglichkeiten auch in die älteren Betriebssystem portieren sollten, sind nicht das, was viele von ihnen halten, sondern sie dienen dazu, über etliche Microsoft-Anwendungen, -Apps und -Installationsroutinen Microsoft Daten zu liefern, wie gut oder schlecht die jeweilige Anwendung läuft.

Bildquelle: Maik Meid / flickr – Lizenz: CC2