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Datenverlust bei heißen SSDs?

Datenverlust

Manchmal ist eben der Wurm drin – oder das Sommerloch schuld. Man liest eine Meldung und zitiert sie im eigenen Blog oder einem anderen Medium. Und da man ja nicht einfach abschreiben will, wird die Meldung bearbeitet und umgeschrieben. So ist es auch mit der Nachricht geschehen, eine Präsentation der renommierten JEDEC Solid State Technology Association zeige, dass SSDs ohne Stromzufuhr die auf ihnen gespeicherten Daten recht flott verlieren. Nur: Das sei eine Fehlinterpretation – sagt der Autor der Präsentation Alvin Cox.

Cox war Vorsitzender einer JEDEC-Arbeitsgruppe, als er die Präsentation hielt. Nicht erst neulich sondern schon vor geraumer Zeit. In den vergangenen Wochen aber sorgte sie weltweit in Medien und Blogs für große Aufmerksamkeit – die Präsentation zeigt angeblich, dass SSDs, die stromlos bei hohen Temperaturen gelagert werden, innerhalb relativ kurzer Zeit ihre Daten verlieren würden.

Aber das ist nur ein großes Missverständnis. Es ging in der Präsentation um SSDs, die eine große Zahl an Program-/Erase-Zyklen hinter sich hatten und so am Ende ihrer zu erwartenden Lebensdauer standen. Man ging vom theoretischen schlimmsten Fall aus: ein LKW mit SSDs würde auf dem Weg zum Datenarchiv mitten in der Wüste liegen bleiben. Und in diesem worst case sind SSDs sicherlich nicht die erste Wahl.

Für den Durchschnittsverbraucher ist es allerdings kaum möglich, eine SSD so nahe an ihre Nutzungsgrenze zu bringen. Und wenn doch würde eine SSD bei 30°C Lagerungstemperatur (ohne Stromversorgung) noch ein Jahr lang die Daten behalten. Übrigens findet sich auch diese Information in der Originalpräsentation.

Korrekt ist, dass SSDs als Langzeitspeicher möglichst immer mit Strom versorgt werden sollten. Fällt der Strom über einen längeren Zeitraum aus, muss mit Datenverlust gerechnet werden. Allerdings gibt es auch bei Temperaturen von 40°C erst nach drei Monaten Probleme. Und: Wer nutzt schon teure Speichermedien mit rasanten Schreib- und Lesezugriffszeiten als reines Speichermedium, wenn er das doch sehr viel preiswerter mit der guten alten Magnetfestplatte haben kann?

Und zum Schluss: Im Betrieb überstehen SSDs problemlos Temperaturen von 60°C.

Bildquelle: Katja / Pixabay