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Ein Tag im Leben eines Datenwiederherstellungs-Ingenieurs aus dem Reinraum

Haben Sie sich jemals gefragt, wie es ist, einer unserer Datenwiederherstellungs-Ingenieure aus dem Reinraum zu sein? Steve Hruska, einer unserer Hardware-Entwicklungsingenieure im Reinraum bei Kroll Ontrack USA in Eden Prairie bei Minneapolis, hat für uns einen ganz normalen Tag dokumentiert. Hier sein Bericht:

08.00 Uhr – „Ankunft im Büro. Arbeite weiter an der Rohdatenerfassung aus einer SSD, die im Rahmen des Erasure Verification Services bei uns eingegangen ist. Der Kunde hat in diesem Fall eine Löschung mit einem proprietären Verfahren durchgeführt und würde gerne wissen, ob die Daten auf der SSD tatsächlich verschwunden und nicht wiederherstellbar sind. Wenn die Daten weg sind, weiß der Kunde, dass sein Verfahren erfolgreich war. Der Zugriffsprozess beinhaltet oft das Auslöten und Lesen der NAND-Flash-Speicherchips von einem SSD-Board. Das Auslesen der NAND-Chips, mit denen gestern begonnen wurde, ist bereits abgeschlossen. Die nächste Charge wird eingerichtet und das Auslesen der neuen Chips beginnt. Dieser Job wird einige Zeit in Anspruch nehmen, so dass ich zum nächsten Punkt meiner Aufgaben-Liste springen kann.“

08.30 Uhr – „Durchsicht der Aufträge, die gestern am späten Nachmittag und heute früh reingekommen sind. Der erste Job, den ich übernehme, ist die Hauptplatine eines LG Smartphones, die wiederhergestellt werden soll. Kein äußeres Gehäuse, kein Bildschirm oder Batterie; nur die reine Hauptplatine. Nach etwas Recherche, um das Telefonmodell zu bestimmen, wird entschieden, dass die Daten unabhängig von dem aktuellen Zustand erfasst werden können. Sobald die Datenerfassung beginnt, mache ich mich an den nächsten Auftrag, bis das Auslesen der Platine abgeschlossen ist.“

9.30 Uhr – „Der nächste in der Reihe ist ein iPhone 5S, das auch schon bessere Tage gesehen hat. Das Display ist gesprungen und stark verbogen. Zudem scheint es auch zu einer Beschädigung des hinteren Gehäuses bei dem Gerät gekommen zu sein. Vielleicht von einem Auto überfahren worden? Egal, wodurch verursacht, hier werden einige Reparaturen notwendig, um zu versuchen, die Daten wiederherzustellen. Das iPhone wird komplett demontiert und die Hauptplatine analysiert. Neben den Schäden an dem Gehäuse hat es auch ein paar Komponenten erwischt, aber nichts gravierendes. Nachdem die Reparaturen abgeschlossen sind, wird das Gerät wieder angeschaltet. Erfolg! Das Gerät bootet und auf die Anwenderdaten kann wieder zugegriffen werden. Die Daten werden dann kopiert und in ein nutzbares Format für den Kunden gebracht. Das Telefon wird wieder zusammengesetzt und die Daten an das Labor geschickt.“

10.30 Uhr – „Ich mache mich an einen USB-Stick, den der Kunde, während er am PC angeschlossen war, versehentlich abgerissen hatte. Der USB-Anschluss war von der Platine abgerissen worden und weitere kleinere Schäden an elektronischen Komponenten kamen durch den Umfall hinzu. Die notwenigen Reparaturen wurden durchgeführt und alle Kundendaten konnten wiederhergestellt werden.“

11.30 Uhr – „Frisch eingetroffen ist eine SD-Karte, die so aussieht als hätte ein Hund auf ihr rumgekaut. Die weitere Untersuchung ergibt dass der NAND-Flash-Speicher irreparabel beschädigt ist. Hier gibt es leider keine Chance auf „Heilung“ mehr. Ich setzte die Karte wieder zusammen und gebe sie zur Rücksendung an den Kunden.“

11.45 Uhr – „Der Zugang zum LG-Smartphone von vorhin war erfolgreich. Die gewonnenen Daten werden in ein nutzbares Format zerlegt und zur weiteren Analyse an das Labor gesendet.“

12.45 Uhr – „Mittagessen und E-Mails checken. Muss einige Support-E-Mails von unseren anderen globalen Reinräumen beantworten, um ihnen bei ihren Jobs zu helfen.“

13.30 Uhr – „Die NAND-Auslesungen von heute Morgen sind fertig. Ich packe eine neue Charge in das Lesegerät.“

14.00 Uhr – „Ein weiteres iPhone kommt rein. Diesmal ist es ein iPhone 4S mit erheblichen Schäden. Hier ist eine kundenspezifische Lösung nötig. Die gewählte Methode wurde getestet und umgesetzt, womit 100% der Nutzdaten zurückgewonnen werden konnten.“

15.30 Uhr – „Prüfung meines Posteingangs: Unter den E-Mails in meinem Posteingang sind Anfragen nach einem zusätzlichen intern entwickelten Werkzeug zur Datenrettung. In diesem Fall erleben mehrere andere Standorte eine Flut an Datenrettungsprojekten mit einem ganz bestimmten Laufwerk, für das wir bereits ein eigenes Werkzeug entwickelt haben. Daneben werden weitere Datenrettungswerkzeuge benötigt, damit der Prozessablauf zeitlich optimal angepasst werden kann. Die Werkzeuge dafür werden dafür zusammengestellt und an die Büros gesendet.“

17:00 Uhr – „Ein letzter E-Mail-Check, bevor ich nach Hause gehe.“

Wie man aus Steves Tagesablauf sehen kann, benötigt ein Reinraum-Ingenieur neben großer Beharrlichkeit und Multitasking-Fähigkeiten auch umfangreiche technische Kenntnisse und Fähigkeiten. Allein deshalb können nur ganz wenige und besonders begabte Menschen Datenrettungs-Reinraum-Ingenieure werden.

Photo: Kroll Ontrack