Go to Top

Der Tape-Migrations-Prozess – Teil 2

Tape-Migrations-Prozess

Im ersten Teil dieses Blog-Artikels haben wir die vielen Gründe warum ein Tape-Migrations-Projekt für Unternehmen jeder Größe notwendig werden kann. Jetzt zeigen wir die verschiedenen Schritte bei so einem Projekt.

Wie sieht ein typisches Tape-Migrations-Projekt aus?

Auch wenn es eigentlich kein „typisches“ Tape-Migrations-Projekt gibt und jedes Projekt anders ist, sollte ein Projekt mindestens diese vier Hauptschritte umfassen: Beratung, Proof-of-Concept, Tape-Verarbeitung und den Projektabschluss.

  1. Beratung: Das Ziel einer Datenmigration – ob Tape-basiert oder auf einem anderem Medium – ist Ihre Archiv- und Produktsdaten jederzeit zugänglich und verfügbar zu halten. Um das zu ermöglichen, ist der erste Schritt zu einem erfolgreichen Projekt eine detaillierte Analyse zu machen und eine Beratung mit dem Projektmanager des beauftragten Tape-Migrations-Dienstleister über den aktuellen Ist-Zustand und dem gewünschten Ergebnis einer Tape-Migration zu bekommen.

Hierbei werden die Anforderungen an das Projekt und die Kriterien für den Erfolg definiert. Das Ergebnis der Beratung sollte ein Statement-of-work sein, der den genauen Umfang des Projekts beschreibt sowie Kostenschätzungen und einen Zeitplan enthält.

  1. Proof-of-Concept: Mit dem Proof-of-Concept wird das Projekt definiert. Das geht Hand-in-Hand mit der Feststellung der vorhandenen Daten-Landschaft sowie der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Bei sehr komplexen Fällen werden der erforderliche Projektumfang und der Aufwand in eine Machbarkeitsstudie ausführlich ermittelt.

Es gibt keinen Proof-of-Concept, ohne eine Prüfung (Audit) des Archivs und der zur Verfügung stehenden Medien und Daten.  Hierbei handelt es sich um eine Analyse der vorhandenen Medientypen und der zu migrierenden Datenformate. Das kann eine umfangreiche Aufgabe sein, besonders dann, wenn es sich um eine große Anzahl an zu migrierenden Tapes handelt, die zudem aus verschiedensten Formaten bestehen. Gleichzeitig muss bei einer Prüfung auch die Qualität der Tapes selber überprüft werden. Funktionieren die Tapes noch, haben die Tapes das Ende ihrer Lebensdauer erreicht oder sind sie intakt oder beschädigt? Alle diese Fragen müssen an dieser Stelle beantworten werden, bevor der nächste Schritt des Prozesses begonnen werden kann.

  1. Tape-Verarbeitung: Die Tape-Verarbeitung umfasst alle Schritte des Prozesses, die notwendig sind, um sowohl die Tapes technisch von einem Format in ein anderes zu überführen oder die Tape-Daten von einer Backup-Lösung in eine andere Backup-Lösung zu migrieren als auch die sichere Zerstörung der dann unnötigen Tapes im Anschluss.

 

Allerdings ist es in vielen Fällen eben nicht immer notwendig sich für eine komplette Tape Migration, wie im Folgenden dargestellt, zu entscheiden. Oftmals reicht es vielen Firmen, die viele Tapes in ihrem Archiv haben, aber die Hardware oder die Backup-Software nicht mehr da ist, einen Überblick über den Inhalt der Bänder zu bekommen und erst dann einen Restore-on-Demand/Wiederherstellung von Daten vorzunehmen, wenn sie wirklich benötigt werden, z.B. bei einer Untersuchung o.ä.. In diesen Fällen ist es oft sinnvoller „nur“ eine Katalogisierung und Indexierung der vorhandenen Tapes vorzunehmen und Dateien nur bei Bedarf wiederherstellen zu lassen.  (Siehe auch Ontrack® DataAdvisor™)

Die üblichen Schritte einer Tape-Verarbeitung bei einer Migration umfassen dagegen:

Indexierung und Katalogisierung: Wenn der Audit bereits ergab eine Indexierung der verfügbaren Tapes durchzuführen, müssen ihre Katalog-Dateien entweder erstellt oder – wenn vorhanden – gespeichert werden. Jeder Datei auf jedem einzelnen Tape sollte erfasst und katalogisiert werden, um Listen zu erstellen, welche Daten wo genau auf welchen Tape oder in welchen Tape-Set vorhanden sind.

Extrahieren:  Dieser Schritt ist eines der wichtigsten, da hier die Daten aus dem ursprünglichen Tapeformat und von der ursprünglichen Backup-Lösung extrahiert werden. Wenn die Tapes defekt oder alt sind ist dieser Schritt mit einer Datenrettung kombiniert, um so viele Daten wie möglich von diesen Tapes zu bekommen.

Datenkonvertierung: Nachdem die Original-Daten extrahiert wurde, kann der Prozess der Konvertierung in das Format der neuen Backup-Lösung durchgeführt werden. Deshalb sollte der Tape-Migrations-Dienstleister alle notwenigen Werkzeuge zur Verfügung haben, um nicht nur die gängigen Backup- oder Tape-Formate wie Backup Exec oder LTO konvertieren zu können, sondern auch Software von Herstellern wie ARCserve, NetBackup, Microsoft Backup, Backup Express, Retrospect, CommVault, Tapeware, Cpio, Tar, Data Protector, Tivoli, Dump, UltracBac, Legato und anderen und Formate wie AIT, DLT or IBM 3592. 

Tape-Duplizierung: Bei diesem Schritt werden Tapes, die z.B. archiviert werden sollen, dupliziert. In einigen Fällen sind Tape-Migrations-Dienstleister nur in der Lage die Daten auf einem einzigen Tape-Format zu kopieren. Erweiterte Software-Tools sind in der Lage die Daten auf mehrere verschiedene Tape-Formate zu duplizieren. Eine präzise Bit-für-Bit-Kopie wird erstellt und in das gewünschte Format des Zielmediums repliziert.

Sicheres Lösung von Daten und Entsorgung von Tape-Medien:  Ausrangierte Backup-Tapes speichern noch Daten, die nicht für fremde Augen bestimmt sind. Gehen Unternehmen zu sorglos mit diesen vertraulichen Informationen um, können diese in die Öffentlichkeit gelangen und missbraucht werden. In diesem Fall werden die Unternehmen durch finanzielle Verluste, gesetzliche Strafen und, einen empfindlichen Verlust an Vertrauen seitens der Kunden und Mitarbeiter bedroht. Daher ist eine sichere Datenlöschung der nicht benötigten Bänder und der anschließenden Entsorgung ebenfalls eine wichtige Aufgabe eines jedes Tape-Migrations-Prozesses.

Projektabschluss und Nachbereitung: Der vierte und letzte Schritt jedes Tape-Migrations-Prozess sind die abschließenden Aufgaben. Es handelt sich dabei…

  • Bewertung (Evaluierung) des fertigen Projekts,
  • Überprüfung der Projektziele,
  • Dokumentation des Projekts sowie die Überprüfung der sicheren Datenlöschung sowie die Entsorgung von nicht benötigten Bänder,
  • Empfehlungen für die Datenverwaltung und Archivierung.

Wie wir sehen können, sind einzelne Projektschritte nicht in jedem Fall erforderlich, aber auch ohne  einige Elemente bei bestimmten Projekten muss eine Menge getan werden, wenn es erfolgreich umgesetzt werden soll.

Tape project steps

In einigen Fällen – aber eben nicht bei allen – ist es jetzt nicht unbedingt notwendig ein komplettes Tape-Migrations-Projekt durchzuführen. Seit ein paar Monaten gibt es jetzt auch eine andere und neue Art um auf Tape-Inhalte zuzugreifen, ohne dafür gleich ein ganzen Migrations-Prozess durchlaufen zu müssen.

DataAdivsor löst Probleme vor denen viele Unternehmen stehen. Aufgrund der Langlebigkeit entstehen zusätzliche Probleme wenn die ehemals verantwortlichen Mitarbeiter das Unternehmen bereits vor langer Zeit verlassen haben oder in Rente gegangen sind. Die Nachfolger haben dann oft keine wichtigen Informationen über den Inhalt der vorhandenen Magnetbänder. Die Dokumentation der verwendeten Software oder Hardware fehlen, Kataloge und Indexe über die gespeicherten Dateien fehlen manchmal ganz oder sind unzureichend. Im Ergebnis weiß niemand wirklich, welche Inhalte auf den Archivbändern vorhanden sind die die Firma lagert.

Um auf Tapes wie diese zugreifen zu können, Informationen zu bekommen was auf den Legacy-Tapes gespeichert ist und um veraltete Tape-Hardware und Backup-Lösungen ausmustern zu können, hat Kroll Ontrack sein neues Produkt DataAdvisor™ als Teil seine Tape-Dienstleistungen auf den Markt gebracht. Kroll Ontrack´s DataAdvisor™ ermöglicht den Zugriff auf alte Daten von Legacy-Tapes ohne dafür die alte Tape-Hardware oder Backup-Software zur Verfügung zu haben.

Diese Kombination aus dem DataAdvisor™ Produkt und den Tape-Services bedeutet aber nicht, dass eine Tape-Migration jetzt nicht mehr notwendig ist. Aber es dabei zu entscheiden, welche Daten wirklich wichtig sind und bei welchen es notwendig ist, diese zu migrieren oder überhaupt aufzubewahren. Nicht benötigte Tapes und Tape-Sets können einfach identifiziert und sicher zerstört werden, während wichtige Inhalte gerettet, extrahiert und auf neue Tapes migriert werden können, bis sie das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben.

Wie DataAdvisor™ in der Praxis angewendet werden kann, zeigen wir in einer Fallstudie, die wir in zwei Wochen hier vorstellen. Bis dahin…

Bildquelle: Wilhelmine Wulff  / pixelio.de