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Die 7 wichtigsten Technologie-Prognosen für das Jahr 2015

Gemeinsam haben die Forschungs- und Entwicklungsingenieure von Kroll Ontrack weltweit zusammen mit den Datenrettungsexperten in die Kristallkugel geschaut und ein paar neue Trends im Technologiebereich ausgemacht, die über kurz oder lang auch in Deutschland Einfluss auf die Datenrettung und Wiederherstellung haben werden. Hier seine Sicht auf kommende Entwicklungen und Trends im gerade angefangenen Jahr 2015:

  1. Datenverlust bei mobilen Geräten

In 2014 arbeitete ich mit unserem Team an vielen Datenrettungen von Mobiltelefonen, Handhelds und Tablets. Dabei stellen besonders Apple iPhone oder iPad Geräte eine besondere Herausforderung an die Datenwiederherstellung – durch die Hardware-Verschlüsselung der in den Speicherchips von dem Gerät gespeicherten Daten – dar. Unsere eigenen Software-Ingenieure arbeiten deshalb mit Hochdruck an der weiteren Qualitätssteigerung unserer internen Tools, um den Hardware-geschützten Apple-Geräten auch von gesperrten Sektoren Daten „zu entlocken“. Dabei ist unsere Quote bereits sehr hoch und wir denken diese im nächsten Jahr noch zu steigern.

  1. Firmware-Updates – ein notwendiges Übel

Regelmäßige Firmware-Updates sind ein zweischneidiges Schwert: Einerseits sind sie notwendig, um die Sicherheit des Geräts vor neuen Bedrohungen zu verbessern und neue Funktionen hinzuzufügen, andererseits ist der Firmware-Update-Prozess selbst ein Risiko. Der permanente Speicher, der die alte Firmware-Version enthält, muss gelöscht werden während das Firmware-Update im Zwischenspeicher ausgeführt wird und bis die neue Firmware in den permanenten Speicher übertragen wurde. Wenn während des Vorgangs die Stromversorgung unterbricht oder der Update-Vorgang nach der Hälfte abbricht, kommt es zu einem Brick – also einer Fehlkonfiguration – und macht die auf dem Gerät gespeicherten Daten unzugänglich. Unsere Software-Ingenieure haben zu diesem Zweck Wiederherstellungs-Tools entwickelt, die auf „gebrickte“ Geräte, von externen verschlüsselten Festplatten hin zu mobilen Alleskönnern, wieder zugreifen können. Da sich Anwender immer mehr des Themas der Datensicherheit bewusst werden und ihre Geräte per Firmware aktiv auf dem neusten Stand halten wollen, erhöht sich paradoxerweise gerade dadurch die Gefahr eines Datenverlusts.

  1. Das Internet-der-Dinge / Internet of Things (IoT)

Seit einiger Zeit werden die vielen Vorteile, die die ständige Verbindung von Haushaltsgeräten und –technik mit sich bringt, von der Öffentlichkeit allgemein akzeptiert. Im Jahr 2014 sahen wir die Einführung von Smart-Home-Heizungsreglern, die über das Internet von einem Mobiltelefon gesteuert werden können. Gleichzeitig sahen wir aber auch auf einer russischen Website eine gebündelte Darstellung von Tausenden mit dem Internet verbundenen Überwachungskameras aus der ganzen Welt als Live-Videostream. Obwohl viele diese IoT- Anwendungen oder –Geräte nicht selbst Daten speichern, die z.B. für Hacker von Interesse sein können, kann ein unsicheres IoT-Gerät ein „Gateway“ für andere unzureichend geschützte Geräte auf demselben Netzwerk darstellen und so ein erhöhtes Risiko von Diebstahl von Daten und Datenverlust mit sich bringen.

  1. Verschlüsselung

Viele Geräte verschlüsseln heutzutage Daten nativ und ohne Wissen des Benutzers. Diese Verschlüsselung stellt eine zusätzliche Herausforderung für die Wiederherstellung von Daten von diesen Geräten dar, wenn etwas schief geht. Das Team von Kroll Ontrack hat intensiv an der Entwicklung von Entschlüsselung-on-the-fly-Werkzeugen gearbeitet, die den Zeitaufwand für die Wiederherstellung von Benutzerdaten bei fehlgeschlagenen Verschlüsselungen erheblich reduziert und sehen diese Fähigkeit als eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Datenrettungen in 2015.

  1. Solid State Drives (SSDs)

Der Einsatz von Solid Stae Drives (SSDs) wird weiter zunehmen, da diese Speicher sowohl günstiger als auch zuverlässiger werden. Trotzdem werden sie die traditionelle Festplatte zumindest in den kommenden Jahren nicht vollständig ablösen. Die eingesetzte Flash-Technologie befindet sich dabei in ständigem Wandel. Die weitere Entwicklung von passenden Daten-Wiederherstellungslösungen für neue SSD-Designs wird benötigt, um stets den neuen Herausforderungen gewachsen zu sein.

  1. Wärme-unterstützte-magnetische Aufnahme / Heat Assisted Magnetic Recording (HAMR)

Die Nutzung der Wärme eines Lasers in Verbindung mit einem Magnetfeld, um Daten auf ein magnetisches Medium zu schreiben, ist das Grund-Prinzip hinter HAMR. Durch diese neue Technologie kann die Anzahl der magnetischen Daten-„Bits“, die auf der Oberfläche einer Festplattenscheibe zusammengedrückt werden, deutlich erhöht werden. An dieser Technologie wird bereits seit längerem gearbeitet, aber die beteiligten Forscher haben so große Fortschritte gemacht, sodass bereits 2015 erste HAMR-Laufwerke im Handel erhältlich sein könnten.

  1.  Shingled Magnetic Recording (SMR)

Auf einer Festplatte werden die „magnetischen“ Daten in Spuren geschrieben und zwar in konzentrischen Kreisen. Dabei wird die Platte vom inneren zum äußeren Durchmesser der Oberfläche mit Daten gefüllt. Die Verringerung der Breite des verwendeten Schreibelements hilft dabei mehr Spuren auf die Platte zu bringen, aber trotzdem sind die Spuren breiter als später zum Auslesen eigentlich nötig ist.

SMR überlappt Spuren auf der Plattenoberfläche, trimmt Spuren, die bereits an anderer Stelle geschrieben wurden und „quetscht“ so mehr Daten auf die Disk. Der Nachteil dieses Ansatzes ist, dass benachbarte Spuren immer zusammen in einer Gruppe verwaltet werden müssen. Wenn eine Änderung an den Daten einer getrimmten Spur benötigt wird, müssen alle anderen Spuren in der dazugehörigen Gruppe ebenfalls neu geschrieben werden; das einfache Neu-Schreiben einer Spur würde zu Datenverlust bei den anderen Spuren führen.

Erste SMR-Laufwerke sind bereits verfügbar und die Akzeptanz im Markt wird sicher in 2015 noch deutlich zunehmen, wenn auch Anwendungen für mittel- und langfristige Archivierungen sowie Desktop Computer Storage Geräte die neue Technologie unterstützen.

Bildmaterial: Rike/pixelio.de