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Die „hilfreichen“ Tipps zur Datenrettung

Datenrettung im Reinraum

Eine ausgefallene Festplatte ist häufig der Super-GAU. Meistens setzt nach einem solchen Vorfall hektische Betriebsamkeit ein, das Internet wird konsultiert und alle möglichen „hilfreichen“ Tipps ausprobiert. Allerdings ist dabei größte Vorsicht geboten. Was vor fünf Jahren einem Forennutzer geholfen hat, kann in einem anderen Fall die Festplatte weiter schädigen, sodass unter Umständen auch professionelle Datenretter keine Chance mehr haben.

Ein leichter Klapps

Eine oft zu lesende Hilfestellung empfiehlt einen leichten Schlag auf den Datenträger, auch ein wenig Schütteln soll helfen. Und tatsächlich, bis vor einem oder zwei Jahrzehnten konnten so einige mit der Magnetscheibe „verklebte“ Schreib-/Leseköpfe wieder gelöst werden. In den meisten Fällen war allerdings auch damals schon ein größerer oder kompletter Datenverlust die Folge.

Aus zwei mach´ eins

Gerne wird geraten, das Innenleben einer defekten Festplatte in eine funktionierende einzubauen. Wer solches an der heimischen Werkbank versucht, wird garantiert Schiffbruch erleiden. Zwar arbeiten auch Profis häufig mit dieser Methode, aber dort steht ein staubfreier Reinraum mit entsprechenden Werkzeugen und Geräten zur Verfügung. Es geht schließlich um Arbeiten im Bereich von µ (Mikrometer – Tausend davon ergeben einen Millimeter), da reicht ein winziges Staubkorn und alle Arbeit war unnötig – oder hat das Problem noch verschlimmert.

Auch bei SSDs ist der Umbau elektronischer Teile wie Controller oder Platine aus einem funktionierenden Schwestermodell nur bei älteren Modell (und auch hier eher selten) erfolgreich, eine Verschlimmerung der Problematik ist sehr viel wahrscheinlicher. Es kann zwar sein, dass eine solcherart umgerüstete Festplatte wieder anläuft, aber der Zugriff auf die Daten wird wahrscheinlich nicht funktionieren. Selbst bei baugleichen Festplatten sind die im ROM gespeicherten Betriebsparameter meist nicht identisch und müssen vor einer Datenrettung von der kaputten Festplatte ausgelesen und neu eingespeichert werden.

In die Gefriertruhe

Werden fehlerhafte Festplatten tiefgekühlte, sollen sie wieder funktionieren. Begründet wird dieses Wunder häufig damit, dass bei HDDs der knapp zwei Mikrometer dünne Schmierfilm verflüssigt werde und sich verklebte Leseköpfe lösen würden. Allerdings wäre in einer handelsüblichen Gefriertruhe die Temperatur nicht tief genug, es müsste schon noch etwa 100 Grad kälter sein. Und diese Kälte würde andere Probleme hervorrufen.

In den Backofen

Nicht selten wird in Internetforen die Möglichkeit des Erhitzens mit einem Föhn oder im Backofen als Hilfe bei nicht mehr funktionierenden Festplatten empfohlen. Wärme ergibt Ausdehnung, weshalb festsitzende Teile frei kämen und die Festpatte in Ordnung käme. In der Praxis ist uns kein Fall bekannt, bei dem dieses Vorgehen geholfen hätte. Eher im Gegenteil: Durch Hitze verloren gegangene Daten sind keine Seltenheit.

Rettungssoftware

Wer seine Daten „nur“ gelöscht hat, kann sie mit Hilfe einer guten Rettungssoftware wieder herstellen. Die Daten sind physikalisch ja noch da (es sei denn, sie wurden von anderen Informationen überschrieben) und müssen vom System nur wieder gefunden werden. Sind mechanische Defekte oder andere Hardwareschäden der Grund für die Probleme ist mit Software nichts mehr zu retten. Die Wahrscheinlichkeit, noch mehr Schaden anzurichten ist allerdings groß.

Fazit

Man kann es nicht häufig genug sagen: Bei Datenverlust hilft ein zeitnahes Backup am besten. Sollte eine Festplatte anfangen zu „zicken“ oder seltsame Geräusche von sich geben, sollte zuallererst der Inhalt der Platte auf ein zweites Laufwerk überspielt werden. Und wenn sich gar nichts mehr tut, weil beispielsweise die externe Festplatte vom Tisch fiel, ist die vernünftigste Möglichkeit, die Platte nicht mehr ans Stromnetz anzuschließen und einen professionellen Datenretter um Hilfe zu bitten.