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Digitaler Enkel-Trick

Chef-Trick

Zehn Jahre lang wurde gefahndet, bis im Mai 2014 der Erfinder des Enkel-Tricks gefasst wurde. Bei diesem Betrug wird am Telefon der Anschein erweckt, ein Enkel oder sonstiger naher Verwandter des Angerufenen zu sein. Man sei in einer Notlage und benötige Geld – worauf immer wieder vor allem ältere Menschen ihr Sparbuch leeren.

Dieser Trick funktioniert auch digital: Die Masche ähnelt dem sogenannten Spearfishing, bei dem versucht wird, per E-Mail einen nicht autorisierten Zugriff auf vertrauliche Daten zu bekommen – die notwendigen Informationen über die Unternehmensstruktur finden die Gauner im Internet. Auf der Website des Unternehmens, bei Facebook oder ähnlichen Plattformen ist eine Menge an Informationen vorhanden. Allerdings geht es beim sogenannten „Chef-Trick“ nicht um Datenklau, sondern um Geld.

Seit 2013 wurden laut Bundeskriminalamt (BKA) 250 solcher Betrugsversuche aktenkundig, ein Viertel davon war erfolgreich, die Beute betrug 150 Millionen Euro. Der bekannteste Fall betraf erst kürzlich den Nürnberger Kabelspezialisten Leoni. Dort ergaunerten die Kriminellen 40 Millionen Euro.

Wie funktioniert dieser Trick?

Der vorgebliche Chef oder Finanzchef des Unternehmens meldet sich beim zuständigen Buchhalter. Für wichtige Transaktionen müsse dringend Geld überwiesen werden – die Zeit dränge, Mitbewerber hätten Wind von der Angelegenheit bekommen, strikte Geheimhaltung sei ungeheuer wichtig. Vorher werden Konten in China, Hongkong oder Osteuropa – natürlich unter falschem Namen – eingerichtet. Sobald das Geld eingetroffen ist, wird es weitergeleitet und landet nach mehreren Zwischenstationen auf irgendwelchen karibischen Inseln oder sonst wo. Die verwendeten E-Mail-Adressen sind natürlich gefälscht, Prepaid-Handynummern führen ins Leere.

Die Zahl der Fälle sei seit Ende 2015 stark angestiegen sagt die Polizei. Sie vermutet hinter dieser Art der Abzocke ein organisiertes weltweites Netzwerk. Das FBI spricht von einer Schadenssumme von mehr als 3 Milliarden Dollar.

Bildquelle: kacsaanyo / pixabay