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Doppelmord

Unter den erstaunlichsten Fällen der Datenrettung, die Kroll Ontrack zu bewältigen hatte, befindet sich ein seltsamer Fall eines Doppelmordes, bei dem die Polizei versuchte, das Geheimnis zu lösen. Eine Frau war in ihrem Haus tot aufgefunden worden, neben einer anderen Leiche, die sie anscheinend nicht gekannt haben soll. Der Verdacht wurde zuerst gegen ihren Mann erhoben, der auch zum Zeitpunkt des Mordes im Haus war. Aber auf Grund seines Unverständnisses und seiner Ungeschicklichkeit, die echt erschienen, sowie der seltsamen Gestaltung des Tatorts, suchten die Ermittler nach anderen Erklärungen.

In der Tat versicherte der Mann in seinen Aussagen, dass er den ganzen Abend damit verbracht hatte, Online Poker zu spielen. Der Untersuchungsrichter, der für den Fall verantwortlich war, bat dann um eine Analyse der Computer-Festplatte des Mannes. Dieser Aktivität ging er regelmäßig nach und zwar meistens mit seinen Freunden. Dabei war er gezwungen seine Kopfhörer zu benutzen, um mit ihnen zu kommunizieren. Er nahm sogar an mehreren Turnieren teil, die ihn sehr intensiv beanspruchen konnten, manchmal bis spät abends, ab und zu auch in der Nacht, wenn er Erfolg beim Pokern hatte. Aus diesem Grund wurden die Kroll Ontrack Datenrettungsexperten für diesen Fall beauftragt.

Die Analyse der Daten auf der Festplatte zeigte, dass der Mann den ganzen Abend mit seinem Computer verbracht und online Poker gespielte hatte. Die kurzen Perioden, die eine Abwesenheit zeigten, in der Regel weniger als drei Minuten, hätten es ihm nicht möglich gemacht, nach unten in den Raum zu gehen, wo seine Frau war und einen doppelten Mord zu begehen. Die Rekonstruktion der Fakten hatte zuvor ergeben, dass mindestens fünfzehn Minuten für den Mord notwendig gewesen waren. Andererseits hatte der forensische Pathologe die Zeit des Todes zwischen 22 Uhr und 23 Uhr geschätzt, aber das war genau die intensivste Zeit der Computernutzung des Mannes.

So mussten die Ermittler die Umstände der beiden Todesfälle bestimmen: das Haus, in dem der Mord passierte, das von den anderen Häusern in der Nachbarschaft recht isoliert war, scheint von einem Dieb als Zielobjekt bestimmt worden zu sein, der es dann geschafft hatte, ohne Spuren zu hinterlassen ins Haus zu gelangen. Anschließend ging er in den Raum, wo sich die Frau befand und versuchte, sie „unschädlich zu machen“.  Während dieser Aktion hatte er nicht berücksichtigt, dass die Frau mit Näharbeiten beschäftigt und deshalb mit einer sehr scharfen Schere bewaffnet war. Überrascht und erschrocken von diesem Fremden, der aus dem Nichts kam, gab sie ihm in einer instinktiven Geste der Selbstverteidigung einen Schlag mit der Schere gegen den Brustkorb. Der Mann war tödlich verwundet, aber es gelang ihm trotzdem noch, sie mit einem Messer zu anzugreifen, bevor er zusammenbrach, was schließlich auch zum Tod der Frau führte.

In diesem Fall half die Computer-Expertise, die Unschuld des Ehemanns des Opfers zu beweisen, so dass die Ermittler sich anderen Erklärungsmöglichkeiten zuwenden konnten. Das Know-how von Kroll Ontrack ist in vielen Fällen sehr nützlich, aber hier handelt es sich wirklich einer der ungewöhnlichsten Fälle, bei dem die Erkenntnisse der Computerexperten zu einer Aufklärung beitragen konnten.

Bildnachweis: geralt/pixabay.com/ CC0 license