Go to Top

Ein zuverlässiges Konzept zur Verwaltung und Wiederherstellung von Legacy-Tapes

Wiederherstellung von Legacy-Tapes

Datensicherung per Magnetband wird seit jeher traditionell als eine kostengünstige und zuverlässige Plattform für die Offline-Speicherung von Unternehmensdaten angesehen, die zudem auch sicher ist.

Allerdings bedeutet die große Menge an Legacy-Daten, die Unternehmen auf den Tapes speichern und die dabei jederzeit akkurat und schnell abgerufen werden müssen, aufgrund rechtlicher, regulatorischer oder Governance-Anforderungen, dass sie nach verschiedenen neuen Ansätzen zur Verwaltung und Wiederherstellungen von Tape-Backups suchen sollten.

Wenn dieses Problem mit IT-Administratoren – die letztlich für die Identifizierung und Erzeugung von Daten, die für das Geschäft verantwortlich sind und auf behördliche oder rechtlichen Anfragen schnell reagieren müssen– besprechen, sagen diese meist, dass ihre größte Herausforderung darin besteht, den spezifischen Speicherort der erforderlichen Datensätze zu identifizieren.

Um diese Herausforderungen im Detail zu verstehen haben wir zu Beginn dieses Jahres eine Studie unter 720 IT-Administratoren zu diesem Thema durchgeführt. Dabei haben wir erfahren, dass fast ein Drittel (30 %) keinen detaillierten Überblick darüber hat, welche Informationen auf ihren Bandarchiven gespeichert sind. Da die meisten Unternehmen gesetzlich verpflichtet sind, reglementierte Daten für eine gewisse Zeit vorzuhalten und einen Zugang darauf zu ermöglichen, ist das ein potenziell großes Problem.

Der Bedarf an zuverlässigen Bandwiederherstellungen

Wir haben kürzlich mit einem spanischen IT-Dienstleister zusammengearbeitet, der einen Zugang auf die Legacy-Magnetbänder eines Neukunden aus der Versicherungsbranche sicherstellen wollte. Der Anbieter benötigte eine Garantie, dass er eine zuverlässige Wiederherstellung von Legacy-Bändern, ohne die Kosten für die Migration oder der Instandhaltung alter Infrastruktur, anbieten kann.

Der Endkunde benötigte dabei einen Zugang zu seinen Daten, die auf einer großen Anzahl von 3592 und 3592/JA Tapes lagen, die über einen Zeitraum von 5 Jahren aufgrund strenger Gesetze zur Vorratsspeicherung und allgemeiner Verordnungen über „Good Governance“ vorgehalten werden sollten. Die Backup-Bänder wurden dabei mit Tivoli Storage Manager erstellt.

Verständlicherweise wollte weder der Dienstleister noch das Versicherungsunternehmen die Kosten für Aufrechterhaltung der Tivoli Storage Manager Umgebung über einen Zeitraum von 5 Jahren nur für seltene und Ad-hoc-Magnetband-Wiederherstellungs-Anfragen tragen.

Zusammen mit dem IT-Dienstleister entwickelten wir eine kostengünstige und effiziente Lösung für den Zugriff auf die Backup-Bänder des Endkunden.

Proof of Concept

Der erste Schritt war, einen Beweis über das von uns entwickelte Konzept zu erbringen. Dazu wurden unserem Datenrettungs-Team zunächst 5 Tapes geschickt. Der Zweck dabei war, mit diesen Tapes die volle Unterstützung sowohl der Kunden-Bänder als auch der Backup-Software zu bestätigen und gleichzeitig die Machbarkeit des Projekts und der vereinbarten Fristen zu überprüfen.

Nach dem Proof of Concept haben wir ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt durchgeführt, um den Tivoli Storage Manager Katalog in ein Standard-SQL-Datenbankformat umzuwandeln, damit der Dienstleister später die Position der Ordner oder bestimmter Dateien einfach abfragen und – wenn benötigt – anschließend die richtigen Bänder an unser Team für die Datenwiederherstellung schicken konnte.

Die Datenwiederherstellungen sind dabei durch eine Mehr-Jahres-Service-Vereinbarung abgedeckt, sodass für eine vordefinierte Anzahl von Wiederherstellungen pro Jahr während des 5-Jahres-Zeitraums gesorgt ist. Zudem sind inkrementelle Wiederherstellungen auf Anfrage ebenfalls möglich. Die Magnetbänder werden dabei im Einklang mit den Informationsverwaltungsrichtlinien (Information Management Policy) in den Räumlichkeiten des IT-Dienstleisters gelagert.

Eine maßgeschneiderte Lösung

Der IT-Dienstleister war so in der Lage einen maßgeschneiderten Magnetband-Verarbeitungsservice für ihren Kunden anzubieten, das die signifikanten Kosten für den Weiterbetrieb der Tivoli Storage Manager Umgebung überflüssig machte und gleichzeitig, wann immer der Bedarf dafür besteht, Daten von den Bändern zu extrahieren.

Die Vereinbarung über die Wiederherstellung der Backup-Tapes auf Anfrage bedeutete, dass die Dienstleistungen individuell auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten waren und gewährleistete so eine bessere Vorhersehbarkeit bei der Planung der Ausgaben und der Budgetierung. Die geschlossene Vermittlungsvereinbarung ermöglichte zudem die Datenrettungsanfragen schneller und effizienter zu bearbeiten und so Verzögerungen durch die Organisation zu vermeiden.

Innerhalb der getroffenen Vereinbarungen war Kroll Ontrack in der Lage, die Magnetband-Extraktions-Möglichkeiten über die gesamte Laufzeit des Vermittlungsvertrags zu garantieren und auf Basis eines SLAs (Service Level Agreement) zu arbeiten, der für eine Standard-Wiederherstellung 12 Arbeitstage vorsieht, fünf Magnetbänder sind dabei inklusive und ein Terrabyte ausgewählter Daten.

Das Projekt des spanischen IT-Dienstleisters und Kroll Ontrack führte zu einem ausgezeichneten Ergebnis für den Kunden, der in der Lage war die Kosten für die Lagerung von Bändern und der Daten-Wiederherstellung drastisch zu reduzieren – und das alles ohne die Tivoli Storage Manager Umgebung updaten zu müssen.

Dadurch gab es zudem auch Vorteile für den IT-Dienstleister selbst, der so in der Lage war, einen effektiven, zuverlässigen und sicheren Service für seinen neuen Kunden anzubieten, ohne selbst riesige zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur vernehmen zu müssen.

Anhaltender regulatorischer Wandel

Ein effektives Tape Management und passende Prozesse zu etablieren, um schnell auf Datenrettungsanfragen reagieren zu können, beruhen auf zwei wichtigen Best Practices dieses Bereichs: Die Identifizierung der Qualität eines Bandarchivs und Kenntnisse über die im Archiv gespeicherten Daten. Wir glauben deshalb, dass die Nachfrage nach einem schnellen Zugriff auf Legacy-Daten im Rahmen der sich ständig ändernden regulatorischen und gesetzlichen Standards weiter wachsen wird und diese pragmatische Lösung so nur noch populärer werden kann.

Bildquelle: iStock