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Exchange Server 2016: Mehr als nur einige neue Funktionen?

Exchange Server 2016

Mit dem neuen Exchange Server 2016 hat Microsoft einige Verbesserungen in sein Produkt einfließen lassen. Das Unternehmen verspricht, dass die neue Version zuverlässiger und einfacher zu bedienen ist sowie dass sie über eine bessere Leistung und Fehlertoleranz verfügt. So wurden sowohl einige Verbesserungen über und unter der „Haube“ implementiert, obwohl Microsoft feststellt, dass Exchange Server 2016 perfekt zusammen mit Exchange Server 2010 arbeiten in Organisationen bei denen beide Systeme parallel laufen. Aber für diejenigen, die noch mit Exchange Server 2003 oder 2007 arbeiten ist ein komplettes Update obligatorisch. Außerdem läuft Exchange Server 2016 nur unter Windows Server 2012 R2 oder dem neuen Windows Server 2016. Exchange Server 2016 ist in zwei Versionen erhältlich: Standard und Enterprise.

Bei Exchange Server 2016 wurden einige Funktionen für Endnutzer implementiert, um die Zusammenarbeit in der Cloud zu stärken. Zu diesem Zweck können Benutzer nun wählen, ob sie Word, Excel oder PowerPoint Dateien direkt in Outlook on the web anschauen oder bearbeiten möchten. Outlook on the web ist der der Nachfolger der alten Outlook Web App (OWA). Dabei handelt es sich im Wesentlichen um einen Anwendungsserver für Outlook, der zusammen mit Exchange Server 2016 lokal (on-premises) zu installieren ist. Zusätzlich unterstützt Outlook on the web jetzt den neuen Microsoft Internet-Browser Microsoft Edge, Internet Explorer 11 und die aktuellen Versionen von Mozilla Firefox, Google Chrome und Safari.

Zusätzlich steht dem Anwender jetzt in im Outlook eine Side-by-Side-Ansicht von Dokumenten und Konversationen zur Verfügung, um einen schnelleren und besseren Überblick zu erhalten. Dokumente können auch als SharePoint Links gesendet werden, wenn diese auf einem SharePoint Server gespeichert wurden. Eine bessere Suchmaschine und die Möglichkeit Video-Vorschauen direkt innerhalb von Outlook zu nutzen wurden ebenfalls eingeführt.

Außerdem hat der Exchange Server 2016 jetzt eine vereinfachte Architektur: Sie spiegelt die Art und Weise wider, wie Microsoft „Exchange Online“ im Rahmen von Office 365 einsetzt. Ein kombiniertes Postfach und Client Access Server Roles machen es einfacher lokale oder hybride Bereitstellungen zu planen oder zu skalieren. Die Koexistenz mit dem früheren Exchange 2013 wurde ebenso vereinfacht wie die Namespace-Planung.

Neben diesen Verbesserungen behauptet Microsoft, dass die neuen integrierten Exchange Server 2016 Datenbank-Wiederherstellungen schneller als zuvor durchgeführt werden können und dass das System Datenbank-Korruptionen mit Hilfe der eingebauten Daten-Divergenz-Erkennung (data divergence detection) selbständig erkennen und automatisch reparieren kann. Von den Stabilitäts- und Performance-Verbesserungen von Office 365 waren viele so nützlich, dass sie mittels der kumulativen Updates für Exchange Server 2013 ausgeliefert wurden und jetzt integraler Bestandteil von Exchange Server 2016 geworden sind.

Was ist mit der Datenrettung und der Wiederherstellung einzelner Objekte wie E-Mails?

In Bezug auf erweiterte Recovery-Möglichkeiten der neuen Microsoft Exchange Server Editionen für die Vor-Ort-Installation (on-premises) muss man leider sagen, dass es immer noch einen Bedarf für fortschrittliche 3rd-Party-Tools zur einfachen Wiederherstellung von Daten gibt, wie beispielsweise Kroll Ontracks PowerControls für Exchange. Der Microsoft Exchange Server benötigt immer noch eine Menge an Arbeit, Know-how und Speicherplatz zur Wiederherstellung eines einzelnen Elements, wie z.B. eine bestimmte E-Mail wiederzubeschaffen.

Wie auch bei vorherigen Exchange Server-Versionen benötigt auch Exchange Server 2016 viel Speicherplatz, um eine sogenannte Wiederherstellungsdatenbank zu erstellen. Auch wenn es möglich ist, eine Wiederherstellungsdatenbank auf der gleichen Hardware, auf der sich der derzeit aktive Exchange-Server befindet, zu erstellen, ist das dennoch keine kluge Idee, da Sie unter Umständen durch menschliche Fehler gleich das gesamte System zerstören könnten. So wird in vielen Fällen doch ein zweiter Hardware-Server benötigt, auf dem der Exchange Server nur für die Wiederherstellung läuft. Allerdings ist das ist erst der Anfang – danach beginnt der schwierige Teil! Einfach dargestellt funktioniert der Prozess der granularen Element-Wiederherstellung (Single Item Recovery) wie folgt:

Der Microsoft-Weg, um ein einzelnes Element wiederherzustellen, ist eine Wiederherstellungsdatenbank auf einem Exchange Server 2016 zu erstellen, was bedeutet, dass Sie eine Datenbank kreieren, die exakt die gleichen Eigenschaften wie das Original haben soll. Dann nutzen Sie ein vorhandenes Backup der Datenbank und extrahieren dieses in die Recovery Datenbank auf dem Exchange Server. Nachdem Sie die Backup-Datenbank in die Recovery-Datenbank extrahiert haben, müssen Sie diese durch „mounten“ verfügbar machen, um das Postfach zu identifizieren, das – hoffentlich – Ihre gesuchte E-Mail enthält. Dann müssen Sie die passenden Wiederherstellungsanfragen durchführen, um das ausgewählte – komplette – Postfach auf dem Recovery Server zu entpacken. Nachdem Sie dies getan haben, können Sie nun die gewünschte E-Mail in Outlook überprüfen. Wenn die E-Mail im aktiven Exchange Server Postfach enthalten sein soll, müssen sie diese dahin kopieren.

Das Problem, das weiterhin besteht (und auch mit dem neuen Exchange Server 2016), ist, dass Sie mehrere Versuche unternehmen müssen, um herauszufinden, welches die richtige Exchange-Datenbank und das richtige Postfach ist, wo sich die dringend benötigte E-Mail befindet. Und außerdem können Sie immer noch nur ganze Mailboxen und nicht nur die einzelnen darin gespeicherten E-Mails direkt wiederherstellen.

Fazit: Obwohl Microsoft bei seinem neuen on-premises Exchange-Release mehrere neue und gute Funktionen spendiert hat, die für Anwender und Administratoren gleichermaßen vorteilhaft sind, sind die Datenwiederherstellungsfunktionen immer noch lästig, zeitaufwendig und kostenintensiv. Deshalb ist Ontrack PowerControls für Exchange immer noch ein Must-Have-Werkzeug für ernsthafte Systemadministratoren oder DBAs. Mit diesem einfach zu bedienenden Werkzeug können Sie benötigte E-Mails direkt in den Postfächern finden und deren Inhalt nur durch das Öffnen der Backup-Datei und der E-Mail im Browserfenster überprüfen. Zusätzlich können Sie dann einfach die bestimmte E-Mail per Drag&Drop auf den aktiven Exchange-Produktionsserver hinüber kopieren. Diese Bequemlichkeit ist etwas, das Microsoft seinen eigenen Kunden immer noch nicht anbietet…

Weitere Informationen zu Exchange Server 2016 finden Sie im Exchange-Team-Blog von Microsoft.

Bildnachweis: Screenshot Produkt-Webseite Microsoft.com