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Automobile Datenproduzenten

Infotainment - © GM Company

In modernen Autos sind mehrere Dutzend Computerchips verbaut, die eine Unmenge von Daten produzieren – und teilweise auch online übermitteln. Dabei geht jeder Autobauer seinen eigenen Weg, eine standardisierte Prüfung gibt es noch nicht.

Daimler, Opel und BMW senden Daten der in ihren Wagen verbauten Steuergeräte an einen beim Hersteller aufgestellten Backend-Server. Wird vom Daimler- oder BMW-Fahrzeughalter ein Werkstattaufenthalt gebucht, werden die Daten an die Vertragswerkstatt weitergeleitet. Werden dabei bedenkliche Werte entdeckt meldet sich die Werkstatt mit Diagnosen und erteilt Reparaturvorschläge (freie Werkstätten sind für die Datenübertragung nicht vorgesehen). Beim OnStar-System von Opel werden die ausgewerteten Betriebsdaten monatlich per Mail an den Halter geschickt, der sich dann selbst eine Werkstatt aussuchen kann.

Bei VW gibt es momentan (noch) keine Online-Übertragung von Steuergerätedaten – nur Werkstätten können diese mit einem Diagnosetester auslesen.  Audi verbaut die Technik zur Online-Übertragung bisher nur im neuen A4 und Q7, wobei hier zwischen verschiedenen Datenarten unterschieden wird: Gesetzlich vorgeschriebene Daten (Abgaswerte und Daten, die für die Betriebssicherheit relevant sind) können nur von amtlich anerkannten Sachverständigen ausgelesen werden. Für Reparaturen benötigte Werte setzt die Werkstatt nach der Diagnose zurück. Allerdings können Diagnosedaten anonym an Audi geschickt werden.

Anonymisiert werden bei Audi, BMW, Daimler und Volkswagen Daten zur aktuellen Verkehrslage an Verkehrsdatenanbieter übertragen – Positionsdaten eingeschlossen. In der Regel werden dabei Daten, die das Fahrzeug eindeutig identifizieren, auf dem Backend-Server des jeweiligen Herstellers von den Positionsdaten des Fahrzeugs getrennt. Die Überprüfung dieser Anonymisierung durch eine Aufsichtsbehörde ist momentan nicht vorgesehen, allerdings kann der Fahrzeughalter die Datenweiterleitung an Verkehrsdienste untersagen.

Beim Kommunikations- und Infotainmentsystem ist die Art der Installation bei den Herstellern unterschiedlich. Bei BMW, Daimler und Opel ist das System fest im Fahrzeug verbaut, bei Audi kann der Fahrer eine eigene SIM-Karte verwenden. So ist es möglich, das Kommunikationssystem auszuschalten – es muss nur die Karte herausgenommen werden. Bei Daimler können einzelne Dienste der Kommunikationseinheit an- und abgeschaltet werden, auch können Daten im Navigationsgerät oder im Telefonbuchspeicher gelöscht werden. Für die Diktierdienste bei Audi und BMW ist überdies eine explizite Nutzereinwilligung nötig. Dabei setzt BMW auf einen amerikanischen Anbieter (Nuance), der die Spracheingaben auf einem US-amerikanischen Server speichert – unter bestimmten Umständen können US-Sicherheitsdienste Zugriff auf diese Daten verlangen.

Das optionale Notrufsystem, das Audi, BMW, Daimler und Opel anbietet, wird ab 2018 gesetzlich vorgeschrieben sein (eCall). Bei einem Unfall wird automatisch ein Notruf abgesetzt, eine Sprachverbindung zu einem Rettungszentrum wird aufgebaut und Daten über Position und Fahrtrichtung werden übermittelt. Wieviel Insassen im Wagen sind kann ganz einfach von der Zahl der angelegten Sicherheitsgurte abgeleitet werden.

Wer sein Auto vermisst wird sich über die Funktion „Wiederfinden“ freuen. BMW und Volkswagen ermöglichen eine Ortung ihrer Fahrzeuge über einen Online-Zugriff, bei Mercedes ist die Suche auf einen Radius von anderthalb Kilometer begrenzt. Bei einen Opel mit installiertem OnStar kann im Falle eines Diebstahls nach dem Start des Wagens die Zündung deaktivieren werden und bei der Suche nach dem eigen Wagen auf einem Parkplatz per App Licht und Hupe angeschaltet werden, um das Fahrzeug schneller zu finden.

Nicht jeder wird sich über die geballte Datenflut aus seinem Auto freuen. So wird der am Datenschutz Interessierte sich in Zukunft genauer über die verschickten Daten informieren müssen – und möglicherweise seine Automarke wechseln.

Bildquelle: © GM Company – Lizenz: CC3