Go to Top

Geklaute Identitäten

Das Geschäft mit persönlichen Daten boomt – und nicht nur im legalen Bereich. Cyberkriminelle bieten ihre Dienste auf einem eigenen Schwarzmarkt an, wobei der Umsatz im Untergrund weltweit höher ist als der im Drogengeschäft, so die Experten.

Marktplätze für den Handel mit gestohlenen digitalen Identitäten sehen unspektakulär aus. Aber sie sind brandheiß, denn hier gibt es neben Kreditkartennummern und E-Mail-Adressen auch Zugangsdaten zu Internetbanking, sozialen Netzwerken und Online-Shops. Allerdings werden im Netz auch Dienstleistungen angeboten, um an solche Daten zu kommen. Es gibt Hacker, die nach Sicherheitslücken in Software und Computersystemen suchen. Neu gefundene Schwachstellen werden laut dem IT-Sicherheitsunternehmen McAfee zwischen 3600 und 180 000 Euro gehandelt. Dann gibt es Kriminelle, die die Schadsoftware anbieten, die diese Lücken ausnutzt. Solche Malware kann man nicht nur kaufen, man kann Sie oder sogar mieten. Kostenpunkt: zwischen 100 und 450 Euro pro Tag. Wer solch ein Programm nutzen will kann eine einfach bedienbare grafische Oberfläche erwarten – und gegen Aufpreis auch technischen Support.

Und dann gibt es die Spammer, die Schadcodes verbreiten. Er verfügt über eine riesige Sammlung von E-Mail-Adressen und kann so eine große Zahl an Rechnern infizieren. Der Spammer benutzt zum Versenden der Mails ein Botnetz, das sind Rechner, die mit Malware infiziert wurden und ferngesteuert werden können. Auch so etwas kann man tageweise mieten – für 350 bis 750 Euro.

Eine weitere Hackergruppe verschafft sich Zugriff auf Server von Online-Shops oder anderer Dienste und laden sich von dort Kundendaten wie E-Mail-Adressen und Passwörter, Anschriften, Geburtsdaten und Zahlungsdaten herunter. Ein solcher Datensatz wird mit etwa zehn US-Dollar gehandelt. Mit diesen Daten kann man im Netz auf Shopping-Tour gehen.

Bezahlt wird im Untergrund anonym über Dienste wie Ukash oder auch mit elektronischen Währungen wie Bitcoin. Die Umwandlung in reales Geld geschieht über Finanzagenten, die (unwissentlich) ihr Konto dafür zur Verfügung stellen.

Bildquelle: © Brian Jackson – Fotolia.com