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Hacker werden unterschätzt

Die Hälfte der Deutschen ist überzeugt davon, dass sie noch nie gehackt wurden – weder in der Arbeit noch privat. Noch einmal zehn Prozent mehr meinen sogar, dass sie eine Cyber-Attacke bemerken würden. Dieses Ergebnis brachte eine Umfrage von Sourcefire, einem amerikanischen Hersteller von Hard- und Software im Bereich Netzwerksicherheit. Thema der Umfrage war „Hacker im öffentlichen Bewusstsein“.

Einen Hack oder Crack zu starten ist ganz einfach – das suggerieren jedenfalls Film und Fernsehen gerne. Mit ein paar Befehlen ist die Firewall geknackt, das Password ist nach wenigen Versuchen erraten. Anscheinend wird das Sicherheitsbewusstsein durch eine solche Darstellung stark beeinflusst.

Bei der Umfrage unter 500 Deutschen waren gut 80 Prozent der Überzeugung, dass ein erfolgreicher Hack nur eines Aufwands von ein paar Stunden bedarf. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus, Cyber-Kriminelle bereiten ihre Angriffe mit äußerster Sorgfalt vor und informieren sich umfassend über die potenziellen Opfer und deren Systeme. Dass Hacker in erfolgreiche Attacken mehr als eine Woche investieren, glauben nur etwa sechs Prozent der Befragten. Je nach dem Ziel der Attacke dauert ein ernstgemeinter Hack aber Monate oder gar Jahre. Gerade der Einbruch in Firmensystemen erfordert eine Menge an Vorbereitung. Aber auch Angriffe, die private PCs zum Ziel haben und ein Botnet aufbauen wollen dauern mehrere Wochen.

Auch die Motivation wird von vielen völlig falsch eingeschätzt. Etwa ein Drittel der Umfrageteilnehmer meint, ein Hacker sei so was wie ein „Nerd“, der seine Freizeit hauptsächlich vor dem Computer verbringt. Jeder Zehnte glaubt, es seien Jugendliche, die ihre Grenzen austesten wollen. Und für mehr als ein Drittel sind Hacker einfache Kriminelle, die eben digital Verbrechen begehen.

Diese Gruppen gibt es wohl, aber professionelles Hacking, nicht selten finanziert von kriminellen Organisationen oder Regierungen, nimmt stark und ständig zu. Erfahrene Hacker stellen heute die größte Gruppe von Cyber-Kriminellen. Allerdings gehen sie in der öffentlichen Meinung fast unter: kaum 5 Prozent glauben, dass Hacker hochbezahlte Profis sind.