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HDD oder SSD – welche Platte ist sicherer?

Datensicherheit

Schnell soll eine Computerfestplatte sein – und viele Daten speichern können. Die Anforderungen an eine moderne Festplatte werden größer, der Platz zum Einbau in einen Computer bleibt aber gleich. Die Konsequenz: bei gleichen Außenmaßen muss innen alles kleiner werden – und dichter gepackt.

Im Februar 2016 zeigte der Festplattenhersteller Seagate eine 2,5-Zoll-Festplatte mit einer Datendichte von 1 TB pro Magnetscheibe. Die datenspeichernden Spuren und Sektoren wurden dazu noch weiter miniaturisiert, was im Falle eines Headcrashs zwangsläufig höhere Schäden anrichten wird, als bei „normalen“ Festplatten. Der Schaden, den ein auf die Magnetplatte prallender Schreib-/Lesekopf verursacht, hat bei dichter gepackten Daten rein physikalisch größere Auswirkungen, er zerstört mehr Informationen, als dies bei einer Festplatte mit geringerer Datendichte der Fall ist.

Festplatten mit hoher Speicherkapazität werden aber auch anfälliger für Datenverluste aufgrund von Materialverschleiß oder durch defekte Sektoren, die zwangsläufig im Laufe der Zeit auftauchen. Allerdings tauchen diese Fehler nach und nach auf, die Fehlerrate erhöht sich schleichend und nicht spontan, sodass normalerweise rechtzeitig eingegriffen werden kann. Ein kompletter Datenverlust durch regulären Verschleiß ist bei HDDs selten.

SSDs haben keine Probleme mit mechanischem Verschleiß; es gibt einfach keine Mechanik, die ausfallen könnte. Zwar haben die Speicherzellen eine begrenzte Lebensdauer, aber ein ausgeklügeltes Speichermanagement sorgt dafür, dass neue Daten auf bisher wenig benutzte Speicherzellen geschrieben werden, die gesamte Lebensdauer des Speichermediums wird auf diese Weise optimiert.

Die Problematik bei SSDs liegt auf anderen Gebieten, beim Controller oder der eingesetzten Firmware. Die Auswirkungen eines Fehlers können dann allerdings gravierend sein. Es kann passieren, dass man abends noch Daten gespeichert und den Computer korrekt heruntergefahren hat. Beim Anschalten am nächsten Morgen aber erscheint die Meldung “No Boot device found”.

Nun ja, mag man sich denken. So schlimm kann´s ja nicht sein, ein professioneller Datenretter wird´s schon richten. Im Prinzip könnte das auch stimmen, wäre da nicht die hardwareseitige  Datenverschlüsselung, die häufig eingesetzt wird – und von der der Benutzter möglicherweise nicht einmal weiß, dass sie existiert. Schlimmer noch, tauscht man einen defekten Controller mit einem baugleichen Typ, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der neue Controller mit demselben Schlüssel arbeitet, minimal. Bei machen Controllern wird der Schlüssel sogar nur in dieser und keiner anderen Steuereinheit benutzt. Dann kann die Verschlüsselung nicht aufgeboben werden, die Daten sind auf diesem Wege nicht wieder herstellbar.

Welche der beiden Festplattentypen der sicherere ist, lässt sich also nicht genau sagen. Die SSD ist schneller und durch den Verzicht auf mechanische Bauteile besser geschützt bei physikalischen Einflüssen, wie sie bei einem Schlag oder Sturz auftreten. Ausfälle kündigen sich bei der HDD normalerweise vorher an, die SSD ist unter Umständen einfach tot. Für Datenretter ist die HDD heutzutage ein relativ einfaches Medium, wohingegen sich die SSD möglicherweise gegen Datenrettungsversuche sperrt, wodurch der Aufwand, die Daten wieder herzustellen, extrem groß werden kann.

Daher sollte bei einer hardwareverschlüsselten SSD (aber natürlich auch bei allen anderen Medien, auf denen wichtige Daten gespeichert werden) unbedingt auf eine funktionsfähige Backup-Lösung geachtet werden, was heute mit externen Festplatten und kostengünstigen Cloud-Speichern alles andere als ein Problem darstellt. Allerdings muss immer wieder festgestellt werden, dass auch gestandene IT-Mitarbeiter keine praktikable Lösung an der Hand haben. Dabei sind Aufwand und Kosten für eine funktionierende Backup-Strategie im Vergleich zu einem vollständigen oder teilweisen Datenverlust fast zu vernachlässigen.

Bildquelle: Picography / pixabay