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Langzeitarchivierung? Fehlanzeige

Langzeitspeicherung

Dass die Datenmenge exponentiell wächst ist hinlänglich bekannt. Harriet Green, die bei IBM für das Internet der Dinge zuständig ist, sagt: „Im vergangenen Jahr haben wir mehr Daten gesammelt als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte“. Es wird nicht mehr lange dauern bis wir ein Brontobyte an Daten angesammelt haben.

Allerdings kommen damit einige Probleme auf uns zu. Denn nicht alle Daten sind wirklich sinnvoll, sie aufzubewahren kostet unnötig Geld – und Zeit. Denn es reicht nicht, die Daten einmal abzuspeichern. Man muss daran denken, dass Datenträger nicht ewig halten. Und auch die nötige Technologie ist irgendwann veraltet, was zur Folge hat, dass die Daten immer wieder konvertiert werden müssen – der Fluch der Digitalisierung.

Diese Digitalisierung bringt allerdings nicht nur einen Zuwachs an Wissen, sie kann im Gegenteil auch Wissen vernichten. Früher waren Bibliothekskataloge beispielsweise große Zettelkästen, in denen gewiefte Bibliothekare mit eigenen erlernten Suchroutinen schnell recherchieren konnten. Nach der Umwandlung in digitale Inhalte kann zwar jedermann die Suchfunktion bedienen, die Suchroutinen werden aber von den im Programm festgeschriebenen Algorithmen festgelegt. Mit dem Ergebnis, dass bei vielen Suchanfragen nicht alle erwünschten Inhalte gefunden werden – sofern sie überhaupt ins digitale Zeitalter übernommen wurden. Der Datenbestand der analogen Zettelkästen, die in Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten aufgebaut wurden, landete im Papiermüll.

Das Thema der Langzeitarchivierung wird heute ähnlich behandelt, wie die Frage nach der Entsorgung von Atommüll: Irgendwann wird das schon klappen. Aber das eine Problem ist genauso ungelöst wie das andere. Interessanterweise ähneln sich die angedachten Problemlösungen. Atommüll soll dichtest möglich verpackt und in tiefe Stollen eingelagert werden. Daten können auf Keramiktafeln gebrannt und ebenfalls in Gebirgsbunker eingelagert werden.

Auch unsere steinzeitlichen Vorfahren wussten schon um die Lagerqualität von Höhlen. Sie benutzten sie als Bestattungsplätze für ihre Toten.

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de