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Trau schau wem!

Magnetische Festplatten gibt es seit 1956, IBM brachte die erste auf den Markt. Dieser neuartige Speicher konnte auf einer Magnetplatte mit 61 cm Durchmesser 5 MB Daten speichern – und wog eine Tonne. Heute werden Jahr für Jahr zwischen 500 und 600 Millionen Festplatten verkauft – eine gigantische Erfolgsgeschichte. Doch eine Frage war bisher nicht ausreichend geklärt: Wie lange lebt eine Festplatte?

Das Prinzip der rotierenden Speichermedien gilt als anfällig. Da dreht und bewegt sich etwas und der Schreib- und Lesekopf fliegt im Nanometer-Abstand über die magnetisierte Platte – und ein Nanometer ist immerhin der millionste Teil eines Millimeters. Auf Dauer kann das kaum gut gehen, so die Meinung vieler Menschen.

Aber auch Halbleiterspeicher halten nicht ewig. Die Flash-Speicher zeigen aber, dass das anfängliche Misstrauen in die junge Technik zu Unrecht bestand. Interessant ist, dass Festplattenhersteller maximal fünf Jahre Garantie auf ihre Produkte geben, manche Hersteller von Flash-Medien versprechen inzwischen sieben Jahre Gewährleistung.

Das größte Problem bei „herkömmlichen“ Festplatten besteht in der fehlenden Stoßsicherheit. Wenn eine solche Platte während des Betriebes vom Tisch fällt, kann der Schrieb/Lesekopf den minimalen Spalt zur Platte überbrücken und zerkratzt dabei einen größeren Bereich der sich schnell drehenden Platte – das ist der gefürchtete Head-Crash. Dieses Problem kennt der Flash-Speicher nicht, hier bewegt sich nichts und kann demzufolge auch nicht crashen.

Allerdings benutzen beide Speichermedien elektronische Komponenten. Und Elektronik hat die Eigenart, dass sie zu Beginn und am Ende ihrer Lebenszeit anfälliger gegen Ausfälle ist als dazwischen. Datenverlust durch Ausfall am Anfang des Lebenszyklus kann man vermeiden, indem man den Speicher einige Zeit als sekundäre Platte „mitlaufen“ lässt. Doch wie erkennt man das Endes des Zyklus, nach wie vielen Jahre kann ich meiner Festplatte nicht mehr vertrauen?

Leider lässt sich diese Frage nicht exakt beantworten (auch die Hersteller drücken sich um eine konkrete Antwort), dafür sind zu viele Faktoren beteiligt. Hochrechnungen aus Labortests erbrachten Werte von einigen zigtausend bis zu zwei Millionen Stunden, eine Harddisk müsste also zehn bis 200 Jahre ausfallfrei arbeiten – eine Illusion.

Der amerikanische Cloud-Backup-Anbieter Backblaze hat über vier Jahre lang die Ausfälle seiner 25000 Festplatten analysiert. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass das Unternehmen keine teuren Enterprise-Platten benutzt sondern günstigere Standard-Versionen, die rund um die Uhr in Betrieb waren.

Das Ergebnis: drei Viertel aller Speichermedien leben länger als vier Jahre. In den ersten 18 Einsatzmonaten fielen etwa 5 Prozent der Festplatten (meist durch Material- und Herstellungsfehler) aus, dann fiel die Fehlerrate stark ab, um nach drei weiteren Jahren im Dauerbetrieb wieder anzusteigen – nach diesem Zeitraum macht sich der Verschleiß zunehmend bemerkbar.

Nach diesen Erfahrungen kann man davon ausgehen, dass nur die Hälfte aller magnetischen Festplatten älter wird als sechs Jahre. Wer wichtige Daten auf den rotierenden Scheiben speichern braucht regelmäßige Backups – und sollte nach vier Jahren seinen Speicher erneuern.