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Meine Daten verfolgen mich

Ohne Datenspuren zu hinterlassen, kann man sich heute kaum mehr bewegen. Handys brauchen Kontakt zum nächsten Funkmast, Navis sind ohne die entsprechenden Satelliten hilflos. Und RFID-Chips finden sich heutzutage auch in manchem Autoreifen. All diese Elektronik hinterlässt eine Vielzahl von Daten, die sich hervorragend auswerten und natürlich auch vermarkten lassen. Der Name der Datenflut: Big Data.

Wissenschaftler sagen, dass sich mit Big Data hilfreiche Forschungsergebnisse gewinnen lassen. Kritiker beklagen, dass mit der Verletzung der Datensicherheit viel Geld verdient wird.

Big-Data-Technik ermöglicht, ungeahnte Zusammenhänge sichtbar zu machen. So können Big-Data-Analysen in der Medizin Leben retten. Zum Beispiel stellen Infektionen für Frühgeborene ein großes Risiko dar. Es ist also wichtig, Infektionen noch bevor sie ausbrechen zu erkennen. Kanadische Wissenschaftler haben bei Frühgeborenen große Datenmengen gesammelt, worin Muster sichtbar wurden, die auf bevorstehende Infektionen hindeuteten. Eine Behandlung kann mit diesen Informationen 24 Stunden, bevor die Symptome der Infektion auftreten, beginnen. Auch für die Bekämpfung von Malaria und Polio werden Big-Data-Informationen benutzt.

Bisher – also in der alten »Small-Data-Welt« – war das Sammeln und Analysieren von Daten kostspielig, häufig mussten Stichproben genügen, es wurde aus wenigen Daten viel Information herausgeholt. Durch sinkende Speicherkosten hat sich aber zwischen 1987 und 2007 das Datenvolumen verhundertfacht (Google verarbeitete ein Petabyte Daten pro Tag) und wird sich weltweit bis 2020 erneut verzehnfachen. Und bei großen Mengen an Daten kann mit Unschärfe gearbeitet werden. So liefert ein dummer Algorithmus mit einer Riesenmenge Daten bessere Ergebnisse, als es ein schlauer Algorithmus mit kleinem Datenvolumen kann. Man musste sich bisher Fragestellungen ausdenken bevor angefangen wurde, Daten zu sammeln. Heute wird erst gesammelt, dann gefragt (oder überlegt, was gefragt werden kann oder soll) – ein Paradigmenwechsel.

Allerdings ergeben sich aus den vielen Möglichkeiten auch mannigfaltige Gefahren. In mehreren US-Bundesstaaten wird inzwischen Big Data zur Verbrechensbekämpfung eingesetzt, wobei eine Großdatenanalyse gemacht wird, die zeigen soll, ob jemand auf Bewährung freigelassen werden kann und wie hoch die Rückfallgefahr sei. Das ist nicht ohne, da es sich dann so verhält, dass nicht wir Big Data kontrollieren, sondern dass Big Data uns kontrolliert. Problematisch ist auch die Tatsache zu werten, dass nicht jeder aus Datensammlungen Erkenntnisse gewinnen kann, sondern lediglich große Internet-Konzerne.

Durch die Auswertung großer Datensammlungen können Unternehmen ihren Kunden ungefragt über die Schulter schauen. Das ist schön für das Unternehmen, aber Beispiele für Big-Data-Ergebnisse zum Vorteil des Kunden sind kaum zu finden. Wird zum Beispiel ein KFZ gesucht empfiehlt die Big-Data-Analyse Autos in der Farbe Orange, denn die tauchen in den Unfallstatistiken am seltensten auf. Über den technischen Zustand eines einzelnen Fahrzeugs sagt das allerdings nichts aus.

Bildquelle: Philip Kromer