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Retargeting – von Werbebannern verfolgt

Retargeting

Wer kennt das nicht: Man sucht nach einem bestimmten Produkt im Internet, klickt auf diesen Shop und jenen Shop. Und wird noch tagelang von Werbebannern überrascht, die genau das gesuchte (oder ein ähnliches) Produkt bewerben.

Wie kommt das zustande?

Es ist heutzutage nicht mehr so, dass Firmen ihre Werbebanner einfach auf Websites erscheinen lassen, in der Hoffnung, dass irgendjemand darauf klickt. Es kostet einfach zu viel Geld, wenn man an der Zielgruppe vorbei wirbt. Heute benutzt man das sogenannte „Retargeting“ (google nennt es „Remarketing“).

Retargeting funktioniert so: Betreiber von Websites, die Werbeplätze für Banner anbieten sind über ein Netzwerk mit Anbietern, die ihre Produkte bewerben möchten, verbunden. Die Websitebetreiber müssen nur auf ihren Seiten ein paar Zeilen Code einstellen, die den Browser eines Besuchers veranlassen, einen Cookie (eine kleine Textdatei) auf der Festplatte zu speichern, der anderen mit dem Netzwerk verbundenen Seiten signalisiert: Dieser Besucher interessiert sich für dieses oder jenes Produkt. Wenn man später auf weitere Seiten surft, die in diesem Werbenetzwerk eingebunden sind, kann durch die Information aus dem vorher gesetzten Cookie gezielt Werbung für das vorher gesuchte Produkt eingeblendet werden. Clever – und nervig (wenn die Werbung zu häufig auftaucht).

Aber Retargeting kann noch mehr. Über die ID des Cookie, die auf einem zentralen Server gespeichert ist, kann ein Nutzerprofil erstellt werden. Wer nach Liebesromanen und Beauty-Shops sucht ist höchstwahrscheinlich weiblich. Wird von diesem Rechner mit dem gesetzten Cookie später beispielsweise nach Gebrauchtwagen gesucht, wird der Suchende wohl über 18 Jahre alt sein und einen Führerschein besitzen. Wer sich über Ferien mit Hund interessiert hat ein Haustier, wer sich bei er Agentur für Arbeit informiert sucht einen Job, wer Kinderspielzeug sucht …

So kommt im Laufe der Zeit eine große Menge an Informationen zusammen, die es cleveren Algorithmen erlauben, erstaunlich genau zu errechnen, was für ein Mensch am Rechner sitzt, wo seine Interessen liegen, welche Hobbys er hat, wo er Essen geht, womit er sein Geld verdient – und auch, wofür er es ausgibt. So kann man gezielt Werbung einblenden, die den Nutzer ansprechen könnte.

Und wie sieht das rechtlich aus?

15 Abs. 3 Telemediengesetz erlaubt Diensteanbietern zum Zwecke der Werbung Nutzungsprofile zu erstellen, wenn der Nutzer dem nicht widerspricht. Allerdings dürfen Klarnahmen nicht mitgespeichert werden, es müssen Pseudonyme verwendet werden.

Ob aber alle an einem solchen Netzwerk beteiligten sich wirklich daran halten – das lässt sich nicht so einfach überprüfen. Die eine oder andere Stelle könnte durchaus Interesse an solchen Nutzerprofilen in Verbindung mit Daten des realen Nutzers haben.

Bildquelle: fancycravel1 / pixabay