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Wie riskant sind SSD-Speichermedien?

Seit einigen Jahren gibt es im PC-Bereich neben den guten alten Festpatten die schnellen SSDs (Solid-State-Drive). Diese elektronischen Speichermedien bestehen – wie USB-Sticks – aus Halbleitern und sind im eigentlichen Sinn keine „Laufwerke“, da sie keine beweglichen Teile enthalten. So liegt die Vermutung nahe, dass die SSDs sehr viel sicherer sind als klassische Magnetspeicher. Das stimmt allerdings nur zum Teil und betrifft vor allem die mechanische Belastbarkeit und Zuverlässigkeit.

Kroll Ontrack hat Statistiken aus den Erfahrungen der hauseigenen Datenrettungslabore angefertigt. Diese Statistiken belegen, dass SSD-Speicher ähnlich oft ausfallen wie traditionelle HDD-Festplatten. In manchen Fällen liegen die Fehlerraten sogar höher als bei den mechanischen Vorfahren.

Ein weiterer Risikofaktor ist die nur schwer absehbare Lebensdauer von SSD-Festplatten. Halten manche HDD-Festplatten zehn Jahre und länger, hängt bei den SSDs die Lebensdauer hauptsächlich von der Anzahl der Schreib- und Lesevorgänge ab. Je häufiger auf einen solchen Massenspeicher zugegriffen wird, desto eher wird er versagen.

Darüber sind sich die Verantwortlichen in Unternehmen aber nicht im Klaren – oder sie verharmlosen die Problematik bewusst: Bei einer Umfrage von Kroll Ontrack sah fast die Hälfte der Firmen keinerlei Risiken beim Einsatz von SSD-Massenspeichern.

Wenn aber die Platte versagt, können selbst professionelle Datenretter Schwierigkeiten bekommen. Ein Problem liegt bei den proprietären Verschlüsselungstechniken der Hersteller. Bei den Verschlüsselungs-Lösungen, wie sie für SSDs üblich sind, befindet sich der Schlüssel nicht beim Kunden selbst, sondern immer in Herstellerhand. Und die Hersteller geben diese Schlüssel auch im Falle von Datenverlust nicht heraus, was eine Rettung der Daten wesentlich erschwert oder gar unmöglich macht.

Eine weitere Schwierigkeit ist die Konfiguration der SSD-Speicher, bei der die Daten auf 8, 16 oder 32 Einzelchips verteilt sind (ähnlich einer RAID 0-Konfiguration). Diese erzeugen durch den Aufbau aus verschiedenen Memory-Chips eine unzusammenhängende Datenstruktur, die sich bei Problemen nur sehr schwer wieder zusammenpuzzeln lässt.

Da sich Kroll Ontrack allerdings bereits seit 1985 mit Festplatten und dadurch zwangsläufig auch mit RAID-Systemen beschäftigt, existiert hier ein gewaltiger Erfahrungsvorsprung vor anderen Datenrettungs-Firmen.