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Ruhe in Frieden Internet Explorer

Fast hätte Bill Gates (Microsoft) das Internet verschlafen – er glaubte Mitte der 1990er Jahre nicht an einen Erfolg des neuen Mediums. Im Gegensatz zu Marc Andreessen (Netscape), der 1994 den Browser Netscape Navigator kostenlos zur Verfügung stellte, wodurch er bald einen Marktanteil von 90 Prozent erreichte. Als Konter installierte Gates seinen Browser Internet Explorer direkt im Betriebssystem Windows 95, wodurch er im Browsermarkt Fuß fassen konnte. Konsequent wurde der Browser, der zeitlebens mit Stabilitätsproblemen und Sicherheitslücken zu kämpfen hatte, bei Windows 98 so fest ans System gekoppelt, dass er nur mit großem Aufwand entfernt werden konnte – der sogenannte „Browserkrieg“ war in vollem Gange. In der Folge wurde der Marktanteil des Konkurrenten Netscape im Jahr 2000 auf ein Prozent gedrückt, Microsoft erreichte 90 Prozent, Netscape wurde von AOL gekauft.

Nicht erfreut über die rigide Behandlung fremder Browser wurde Microsoft 2009 von den obersten EU-Wettbewerbshütern in Brüssel dazu verdonnert, beim Start des Betriebssystems dem Nutzer die Auswahl des Browsers: Internet Explorer oder Firefox, Google Chrome, Opera oder Apples Safari. Aufgrund eines „technischen Fehlers“ passierte das aber nicht immer, sodass Brüssel eine Rekordstrafe von 561 Millionen Euro verhängte.

Eine große Problematik bestand bei Microsofts Internet Explorer darin, dass viele Möglichkeiten, wie Seiten angezeigt wurden, nicht W3C-konform waren. Das World Wide Web Consortium (W3C) ist dazu geschaffen worden, um Protokolle und Richtlinien zu entwickeln, die das Wachstum des Web langfristig sichern sollen. Internetseiten, die unter Mithilfe des Internet Explorer erstellt wurden, wurden häufig in anderen Browsern verfälscht dargestellt – oder auch gar nicht.

So wurde der Kreis derer, die den IE, wie der Microsoft-Browser genannt wird, ablehnten, immer größer. Als die Mozilla Foundation 2004 den neuen W3C-konformen Browser Firefox bereitstellte waren die Hoffnungen groß. Dass dieser Browser innerhalb eines Jahrzehnts den König entthronen würde, glaubte aber niemand. Es zeigte sich aber schnell, dass Firefox schneller, stabiler und sicherer ist als der von Vielen ungeliebte IE. In Deutschland ist er heute der meistgenutzte Browser, weltweit liegt Google Chrome auf Platz 1.

Nun zieht Microsoft die Reißleine und schafft die Marke Internet Explorer ab – der Imageschaden durch die mannigfaltigen Probleme und die immer schlechteren Zahlen waren wohl der Grund dafür. Für die meisten Nutzer des zukünftigen Windows 10 wird sich eine neue Browserwelt auftun – momentan unter dem Codenamen „Spartan“ (ein endgültiger Name wird noch gesucht) will Microsoft verlorenen Boden gutmachen. Der IE wird aber wohl für Unternehmenskunden weiter existent bleiben – aus Gründen der Kompatibilität, wie verlautet.

Bildquelle: Fred the Oyster / wikimedia