Go to Top

60 Jahre alte Satellitenaufnahmen gerettet

Datenrettung ist generell eine knifflige Angelegenheit, häufig anstrengend, manchmal langweilig. Aber der eine oder andere Auftrag ist auch richtig spannend. Hier präsentieren wir eine der interessanteren Geschichten.

Ein Forscherteam um den Amerikaner David Gallaher hatte von riesigen Datenmengen gehört, die Wettersatelliten in den 1960er Jahren gesammelt hatten. Die Daten, die die Steuerzahler mehrere Milliarden Dollar gekostet hatten, verstaubten unsortiert im Archiv des Nationalen Klimadatenzentrums in North Carolina. Das Material war in 25 großen Boxen untergebracht, von denen jede tausende 60-Meter-Magnetfilmrollen enthielten. Allerdings waren diese Magnetfilme, auf denen Infrarot-Aufnahmen zu sehen sind, in keinem guten Zustand, der endgültige Zerfall würde nicht lange auf sich warten lassen. Aber die Aufnahmen könnten Aufschlüsse über klimatische Veränderungen geben, so der Gedanke der Forscher.

Gallahers Team konnte mit Hilfe ehemaliger  NASA-Wissenschaftlern (die die Filme ursprünglich aufgenommen hatten – sie hatten die Bilder vom Fernsehbildschirm abfotografiert) die Aufnahmen geographisch zuordnen, eine komplexe Aufgabe, da die Filme nur mit Orbitalnummern beschriftet waren. Nun kam eine Datenrettungsfirma zum Einsatz. Sie konnte 200 000 Bilder retten – etwa 99 Prozent des Gesamtmaterials – und diese auf modernen Speichermedien sichern.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Man fand Aufnahmen der Antarktis, auf denen man die damals größte und die kleinste Ausdehnung der Eisfläche erkennt. Auch der Aralsee ist auf Bildern zu sehen. Der heute fast vollständig trockengefallene See in Zentralasien war damals der viertgrößte See der Erde – er hatte etwa die Größe Bayerns. Für Klimaforscher sind solche Aufnahmen das reinste Gold. Auch das älteste aus dem All aufgenommene Bild Europas fand sich – und die Aufnahme eines Lochs im Eis des Nordpols, für das die Wissenschaftler keine Erklärung haben.

Gallaher, durch den Erfolg ermutigt, versucht nun, einige hunderttausend Dollar aufzutreiben, um weiteres „vergessenes“ Material aufzustöbern und für die Nachwelt zu archivieren.

Bildquelle: pixabay