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Smarte Späher

Smarte Späher

Die Industrie findet immer neue Möglichkeiten, persönliche Daten abzugreifen, um daraus Persönlichkeitsprofile zu erstellen. Dass neue Fernseher, sogenannte Smart-TV, mit Handys kommunizieren können, haben wir berichtet. Auch über die Möglichkeit, mit Hilfe des eingebauten Mikrofons Gespräche zu belauschen, konnte man sich schon aufregen.

Nun wurde bekannt, dass Fernseher, die mit dem Internet verbunden sind, die Sehgewohnheiten der Benutzer ausspähen können. HbbTV ist der Dienst, der das ermöglicht. Er soll zum laufenden Programm Extras und Zusatzinformationen aus dem Internet liefern. Allerdings können im Gegenzug die TV-Sender erfahren, welche Online-Angebote sich die Zuschauer ansehen. Und nicht nur das: Beim Senderwechsel wird vom HbbTV-Browser automatisch eine Startapplikation abgerufen, eine normale Internetseite, die aber durchsichtig und so nicht zu erkennen ist. Und wie jede Internetseite schickt diese „Startapplikation“ eine große Menge an Informationen an den Server der Sendeanstalt – zum Beispiel die Kennung des TV-Geräts und seine IP-Adresse. Aus den Daten kann der ungefähre Standort des Gerätes errechnet werden, wodurch zielgerichtet regionale Werbeeinblendungen geschaltet werden können.

Auch Google ist mit im Boot: Der Statistik-Dienst Analytics wertet die Nutzung von HbbTV aus. Wer ein Google-Konto besitzt oder bei YouTube ein Nutzerkonto angelegt hat (und die Daten im TV gespeichert hat) wird noch ein bisschen gläserner.

Aber nicht nur der Fernseher ist ein elektronischer Späher, auch der digitale Stromzähler, den der Bund ab 2017 zur Pflicht machen will, gehört dazu. Diese „Smart Meter“ messen den Energieverbrauch und geben die Daten an die Stromlieferanten weiter. Aber wie jedes an ein digitales Netz angeschlossene Gerät könnten auch die Zähler von Hackern angegriffen werden, die dann erkennen können, ob jemand zu Hause ist, vor dem PC oder TV sitzt oder sich im Bad die Haare föhnt. An dieser Stelle sei der Kriminalroman “Blackout – Morgen ist es zu spät” von Marc Elsberg empfohlen (durch gehackte Smart Meter, die großflächig den Strom ab- und wieder anschalten, brechen die Stromnetze in ganz Europa zusammen – ein Horrorszenario).

Eigentlich soll das Gerät den Energieverbrauch senken, indem sie den Verbrauchern die Möglichkeit geben, Hochlasten in Zeiten zu verschieben, in denen günstigere Stromtarife (Nachtstrom) zur Verfügung stehen. Allerdings gibt es diese günstigen Tarife längst nicht bei allen Stromanbietern, und selbst wenn, läge die Stromersparnis bei einer „normalen“ Familie übers Jahr gerechnet gerade mal bei 50 €, sofern sich jemand die Mühe macht, aus den Daten die Stromfresser herauszufiltern und diese dann nur zu Zeiten billigen Stroms anzuschalten. Automatisch können es die Geräte noch nicht, dazu bedarf es weiterer elektronischer Unterstützung durch die stromverbrauchenden Geräte.

Kostenlos gibt es den Spaß nicht, einmalige Anschlussgebühren und monatliche Grundgebühren lassen die Sparmöglichkeiten für Verbraucher weiter schrumpfen. Die Stromanbieter würden die Einführung des neuen Zählers begrüßen.

Bildquelle: Kārlis Dambrāns / flickr