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Spurensuche

Es ist hinlänglich bekannt, dass man beim Surfen im Netz digitale Spuren hinterlässt. Wer seinen E-Mail-Verkehr über einen kostenlosen Anbieter wie Google oder Yahoo abwickelt, darf sich über Werbung freuen, die zum Inhalt der Nachrichten passt – die Mails werden gescannt, analysiert und dazu passende Infos eingeblendet.

Interessant ist, was bei jedem Aufruf einer Internetseite alles von Ihrem Rechner losgeschickt wird: Welches Betriebssystem nutzen Sie, mit welchem Browser sind Sie unterwegs und welche Auflösung benutzt Ihr Bildschirm. Analyseprogramme können auf Alter und Geschlecht des Benutzers schließen – und auch, welche Interessen er hat: Sport, Autos, Bücher, Tiere …

Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter & Co. speichern alles, was auf deren Seiten passiert – und teilweise auch auf Seiten, die von dort aus angesurft werden oder die in einem zusätzlichen Tab geöffnet sind. Aus diesen gesammelten Daten lassen sich sehr genaue Nutzerprofile erstellen, wodurch die Platzierung von relevanter Werbung vereinfacht wird.

Bei Smartphones ist die Möglichkeit zum Datensammeln noch um einiges größer. Manche (kostenlosen) Apps wollen den Zugang zu den gespeicherten Adressen und schicken (unbemerkt) diese, die vom GPS erfassten Standortdaten und andere persönliche Informationen an die jeweiligen Anbieter.

Wer sich bei Google-Mail einloggt um seine Post zu lesen (und sich nicht wieder ausloggt) wird von Google getrackt, das heißt, die Position des mobilen Gerätes wird verfolgt. Damit erstellt die große Suchmaschine beispielsweise seine Verkehrshinweise auf Google-Maps – vorausgesetzt, es sind genügend Geräte in Fahrzeugen unterwegs.

Aber auch Videospiele können zum Datensammeln missbraucht werden. Sie speichern nicht nur das Verhalten der Spieler sondern bieten auch Unterhaltungsprogramme an und können so das Konsumverhalten der Benutzer kennen lernen. Die aktuelle Xbox hat sogar eine eingebaute Kamera, die ins Wohnzimmer spähen könnte.

Auch gänzlich ohne elektronische Spielzeuge hinterlassen wir Datenspuren. Beim Einkaufen mit EC- oder Kreditkarte und über Paybackkarten bekommen die Anbieter eine große Menge an Daten.

Das ist doch egal, meinen Sie? Nun ja, wie man´s sieht. Mit einer ausreichend großen Zahl an Informationen – und die Zahl „vier“ ist häufig genügend groß – lassen sich aus einer anonymisierten Datenbank exakte Zuordnungen zu den Klarnamen errechnen. Und mit geeigneten Algorithmen (und sehr viel mehr Informationen) kann man ein Persönlichkeitsprofil erstellen, das Voraussagen für die Zukunft zulässt.

Individualität war gestern.

Bildquelle: albertoamaretto / pixabay