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Tod im Netz – das digitale Erbe

Digitaler Nachlass

Das Netz vergisst nichts. So kann es passieren, dass ein guter Freund über facebook mitteilt, dass er Geburtstag hat – obwohl er schon seit geraumer Zeit nicht mehr unter den Lebenden weilt.
Was passiert mit unseren im Netz verstreuten Daten, wenn wir sterben? Wer managt unsere Konten in den sozialen Netzwerken, wer kümmert sich um unsere Mails in den kostlosen Mailportalen?

Wer sich rechtzeitig darüber Gedanken macht tut seinen Erben einen großen Gefallen. Denn einheitliche Regelungen gibt es (noch) nicht. Bei manchen Mailanbietern werden die Benutzerkonten nach sechs Monaten Inaktivität gelöscht, bei anderen schon nach einem Monat. Manchmal werden die Accounts auch nur auf „Inaktiv“ gestellt. Sollen die Konten weiter benutzt werden können die Erben neue Passwörter anfordern. Sie benötigen dazu die Sterbeurkunde und den Erbschein.

Soziale Netzwerke löschen die Profile nicht automatisch, bei einigen Communities werden sie nach Bekanntwerden eines Todesfalls unsichtbar. Facebook bietet inzwischen eine Nachlassverwaltung an. Wenn die Erben es wünschen, kann der Account im Erinnerungsmodus eingefroren werden. Google hat den „Inactive Account Manager“ eingeführt, gültig für GMail, YouTube, Picasa, Google Plus und Google Drive. Man kann festlegen, ob nach drei, sechs oder zwölf Monaten Inaktivität von Seiten Googles gehandelt wird. Nach Ablauf der Zeit wird eine SMS an die eingetragene Handynummer verschickt. Bleibt eine Reaktion aus, wird bis zu zehn Kontakten Zugriff auf die gespeicherten Daten gewährt.

Eine Möglichkeit, den Erben Probleme zu ersparen, ist das Speichern der Passwörter auf dem eigenen Rechner (wobei der Speicherplatz wiederum passwortgeschützt sein sollte) oder in der Cloud. Allerdings erfolgt der Upload im Netz normalerweise unverschlüsselt und ist damit nicht gegen Datendiebstahl geschützt. Anders ist das beim kostenpflichtigen „My own safe“ (www.myownsafe.de): Hier wird mit 1024-Bit-Verschlüsselungstechnik gearbeitet. Der 150-stellige Schlüssel kann vom Kunden beliebig weitergegeben werden – verlieren darf er den Schlüssel allerdings nicht, die Betreiber haben keinen Zugriff auf das Konto.

Am einfachsten ist wohl ein „Passwort-Manager“. Diese Programme fungieren als Software-Safe, in dem alle Passwörter zentral auf dem eigenen Rechner abgelegt sind. Das Masterpassword kann bei einem Notar hinterlegt oder ins Testament geschrieben werden. Darüber hinaus erleichtert es einem zu Lebzeiten den Umgang mit geschützten Daten – man muss sich nicht mit unter der Tastatur abgelegten Zettelchen behelfen, sondern nur noch ein Passwort im Kopf behalten. Allerdings sind bei Datenverlust auch alle Passwörter weg, ein Backup ist also auch hier unbedingt zu empfehlen.

Für Erben, denen nichts dergleichen hinterlassen wurde, gibt es seit einiger Zeit die deutsche Firma Columba (www.columba.de). Dieser „digitale Nachlassdienst“, der nur bei Bestattern gebucht werden kann, arbeitet mit Anbietern von Online-Diensten zusammen und sucht in deren Datenbanken nach E-Mail-Accounts, löscht Profile in sozialen Netzwerken und sichert Guthaben zum Beispiel bei Paypal. Das ist nicht kostenlos, kann sich aber lohnen. Und sogar vor Problemen schützen, da im Internet geschlossene Verträge und Verbindlichkeiten über den Tod hinaus bestehen bleiben.

Ein Problem kommt auf alle Beteiligten einschließlich der Recht Sprechenden zu: das Fernmeldegeheimnis verbietet es, Mails von Verstorbenen herauszugeben. Internetprovider, die dagegen verstoßen, müssen möglicherweise mit strafrechtlichen Folgen rechnen. Vorschläge zur gesetzlichen Änderung wurden zwar schon erarbeitet, das Bundesjustizministerium ist aber der Meinung, dass es zu früh zum Handeln sei.