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Unix und Linux: Datenrettung erklärt – Teil 2

Linux / Unix

Letzte Woche haben wir die EXT2, 3 und 4 und XFS-Dateisysteme erklärt, jetzt decken wir die restlichen auf, zeigen die Vor- und Nachteile der beiden Systeme und beleuchten die Unterschiede bei der Datenrettung zwischen Linux/UNIX und gängigen Betriebssystemen wie Windows und Mac.

Unix und Linux: Die Dateisysteme (2)

JFS (Journaled File System)

1990 veröffentlichte IBM JFS zunächst mit der AIX Version 3.1. Später im Jahr 1999 portierte es IBM auf sein Betriebssystem OS/2 und veröffentlichte eine Version von JFS für die Open Source Community. Bis zum Jahr 2006 gab es schließlich eine stabile Version für Linux. Die Design-Philosophie hinter JFS ist vergleichbar mit der von XFS und sie überwinden viele der Leistungsgrenzen von FFS in ähnlicher Weise, obwohl die endgültigen Implementierungen unterschiedlich sind. Sie verwenden beide Metadaten-Journaling um eine Wiederherstellbarkeit des Dateisystems zu bieten, dynamisch zugewiesenen Inodes, Extents, um den Datenbereich zu adressieren und auch B+ Baumstrukturen um über Verzeichnisse hinweg agieren zu können.

ReiserFS und LVM (Logical Volume Management)

Logical Volume Management ist eine Methode, einige der Einschränkungen bei der Verwendung traditioneller Partitionsmethoden zu überwinden, um  Speicherplatz auf Medien zu verteilen. Üblicherweise enthaltene Fähigkeiten sind:

  • Dateisystem-Spanning und Software-RAID (Ebene 0, 1 und 5)
  • Ändern der Größe von Volume-Gruppen und logischen Volumes
  • Snapshots

Herkömmlicherweise ist der Platz auf Festplatten in Partitionen aufteilt, bei denen die Dateisysteme direkt hineingeschrieben werden. LVM arbeitet jedoch ein wenig anders: Für die Zuweisung der Disks werden auch hier Partitionen genutzt, aber diese werden vom LVM als physikalische Festplatten „gesehen“. Diese physikalischen Volumes werden dann zusammen vereinigt; entweder als RAID oder durch Spanning um eine Volume-Gruppe zu bilden. Die Volume-Gruppe kann dann zugeordnet werden, um Logical Volumes zu bilden, auf der sich die Dateisysteme tatsächlich befinden. Die untere Grafik zeigt ein relativ einfaches Beispiel dafür, wie ein LVM verwendet werden könnte.

lvm

 

Moderne Versionen von UNIX haben jeweils ihre eigenen Variationen von LVM und je nach Anbieter haben sie unterschiedliche Namen und Feature-Sets.

Linux hat ebenfalls ein LVM, der auf der originalen Hewlett Packard Version basiert. Eine bemerkenswerte Eigenschaft, die allerdings sowohl von HP und Linux LVM Variante fehlt, ist, dass sie keine Implementierung für die Paritätsfehlertoleranz haben, also keine Software-RAID-5-Unterstützung.

Die Betriebssysteme Windows 2000, 2003, XP und Vista haben ein gleichwertiges System, Logical Disk Manager genannt, das eine ähnliche Funktionalität zur Verfügung stellt.

Die Vor- und Nachteile

Obwohl UNIX und Linux nicht so populär sind wie andere Betriebssysteme, bieten sie einige große Vorteile für ganz spezielle Bedürfnisse.

Linux mag vielleicht nicht so benutzerfreundlich sein, wie andere Systeme (ja wir meinen Sie Windows und MAC-Nutzer), aber Anwender, die über gewisse Programmierkenntnisse verfügen, können dieses Open Source System nutzen, um es auf sehr spezifische Anforderungen hin anzupassen. Das System läuft sehr schnell und ist am effizientesten bei Produktions-Programmen.

Auf der anderen Seite wird UNIX  gerade dann häufig eingesetzt, wo High-End-Verarbeitung erforderlich ist. Einige Beispiel dafür sind Maschinen in der Kernenergie oder in Kraftwerken, militärische Systeme und viele mehr. Es ist zwar nicht das Anwenderfreundlichste Betriebssystem, aber äußerst effizient, wenn es darum geht eine sehr hohe Rechenleistung zu nutzen.

Ist die Datenwiederherstellung bei diesen Systemen vergleichbar mit anderen?

Egal, ob Sie mit Linux oder UNIX arbeiten, es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass diese Systeme ihre eigenen Herausforderungen an die Wiederherstellung stellen, sollten Ihre Daten einmal verloren gehen.

Glücklicherweise sind im Falle eines physischen Defekts die Wiederherstellungs-Chancen und -Erfolge genauso hoch wie bei jedem anderen Betriebssystem. Wenn es sich allerdings um logische Fehler handelt, gibt es einige Unterschiede über die man sich bewusst sein sollte.

Sollten Sie versehentlich Ihre Dateien formatiert haben, wird die Wiederherstellung schwieriger sein. Die Rohdaten können noch da sein, aber alle Strukturen und Inodes werden verschwunden sein und die Recovery schwieriger machen.

Im Falle von EXT4 beispielsweise sind die Extents nicht gelöscht, so dass es möglich ist die Datei neu zu erstellen.

Also denken Sie daran: Seien Sie äußerst vorsichtig, bevor Sie daran denken den Befehl „Entfernen“ einzusetzen. Stellen Sie sicher, dass Sie auch wirklich nur das entfernen, was Sie auch wirklich wollen und dass Sie sehr vorsichtig bei der Auswahl von Daten zur Formatierung sein müssen.

Titelbildquelle: Wolfgang Dirscherl  / pixelio.de