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Vorsicht! USB-Stick!

Zur Jahrtausendwende begann er: der Siegeszug des USB-Sticks. Momentan sind allein in Deutschland geschätzte 100 Millionen Stück der kleinen Speichermedien im Umlauf. Sie sind praktisch, handlich und einfach in ihrer Bedienung. Allerdings auch nicht ungefährlich, wie der Virenalarm im Bundeskanzleramt erst jetzt wieder zeigt.

Dort hatte eine Referatsleiterin der Europapolitik-Abteilung Daten auf einem privaten USB-Stick gespeichert, um zu Hause weiter daran zu arbeiten. Danach brachte sie den Stick mit den überarbeiteten Dateien wieder mit ins Bundeskanzleramt, um sie dort ins System einzuspeisen. Dabei wurde vom Viren-Scanner das Schadprogramm „Regin“ entdeckt,  das sich vor vielen gebräuchlichen Virenscannern verstecken kann – kein Wunder, soll doch die NSA und ihr britischen Partner GCHQ an der Entwicklung beteiligt sein – und schon Telekommunikationsfirmen und Forschungsunternehmen in Russland und Saudi-Arabien, aber auch in Westeuropa ausgespäht haben soll.

Auch Privatanwendern und Geschäftsleuten kann mit einem USB-Stick Ungemach drohen. Es wurden schon präparierte und bewusst ausgelegte Sticks von neugierigen Mitarbeitern in die PCs an ihrem Arbeitsplatz gesteckt – mit katastrophalen Folgen. Auch über Internetplattformen für gebrauchte Geräte kamen ab und zu verwanzte Speicher in Umlauf.

Wirklich problematisch wird die Situation, wenn ein PC von einem korrumpierten Stick bootet. Dann kann er sofort die Herrschaft über den Rechner übernehmen und über dort abgelegte Zugangsdaten auch ein Firmennetzwerk verseuchen. Im Gegensatz zu Disketten beinhaltet ein USB-Stick einen eigenen kleinen Computer, der sich programmieren lässt, wodurch die Möglichkeit gegeben ist, sehr hohen Schaden anzurichten, weil er sich beispielsweise dem Rechner als Tastatur und somit gänzlich ungefährlich vorstellt. In Wirklichkeit können dann aber Datenströme umgeleitet, E-Mails gelesen oder Webcams ferngesteuert werden.

Allerdings ist der Aufwand, einen Stick auf diese Weise zu präparieren, sehr groß. Es hat sich in den vergangenen Monaten gezeigt, dass nur sehr wenige Menschen je mit präparierten USB-Speichermedien in Berührung kamen. Aber sicher kann man sich nie sein, wie das Geschehen im Bundeskanzleramt beweist. Wer einen USB-Stick oder andere externe (Speicher-)Geräte an einen Computer ohne aktuellen Virenscanner ansteckt, handelt extrem unbedacht.

Bildquelle: Afrank99 / Wikimedia – Lizenz: CC3