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Warum es für die Archivierung, das Backup, der Disaster Recovery und der Business Continuity wichtig ist den Inhalt seiner Magnetbänder zu kennen…

Archivierung und Backup

Auch wenn dem Magnetband der Tod schon vor Jahren prognostiziert wurde, ist es immer noch am Leben und wird häufig in Unternehmen verwendet. Als kostengünstiges Speichermedium und mit einer Lebensdauer von mehr als 30 Jahren wird es sowohl bei der Archivierung als auch für System-Backups verwendet. Eine aktuelle weltweite Studie von Kroll Ontrack über die Verwendung von Tapes in Unternehmen offenbart die Schwierigkeiten, die IT-Administratoren mit dem Medium nach wie vor haben: Viele der Befragten aus der in sieben Ländern durchgeführten Studie finden es schwierig, sowohl die erforderliche Software als auch die Hardware am Leben zu halten. Für die meisten von ihnen ist es viel zu zeitaufwändig und kostspielig herauszufinden, auf welchem spezifischen Band die gewünschten Daten tatsächlich abgespeichert sind.

Aber auch wenn die meisten Administratoren die Aufgabe hassen einen Zugang zu alten Tape-Daten aus dem Archiv oder etwas jüngeren von Backup-Tapes zu gewährleisten, müssen sie eigentlich dazu in der Lage sein. Denn in vielen Fällen werden alte archivierte Daten von Magnetbändern dringend benötigt, wenn eine interne oder externe Untersuchung im Unternehmen stattfindet. Egal ob es sich um eine E-Mail eines hochrangigen Managers oder Daten in Bezug auf ein längst abgeschlossenes Projekt handelt, stets sind die erforderlichen Informationen relevant für die Untersuchung und werden meist innerhalb eines strikten Zeitrahmens benötigt.

Im Falle von Verlust von etwas jüngeren Daten auf Backup-Bändern ist der schnelle Zugriff auf diese ebenfalls sehr wichtig. Wenn Projektdaten aus Versehen durch Mitarbeiter gelöscht wurden, kann die schnelle Wiederherstellung der Daten von einem Backup-Tape unter Umständen über Leben und Tod eines Unternehmens entscheiden.

Was genau ist der Unterschied zwischen Archivierung und Backup?

Das Erstellen eines Backups hat nur ein einziges Ziel: Mit einem funktionierenden Backup sind System-Administratoren in der Lage Computer-Probleme leichter zu lösen. Im Falle eines System- oder Speicherausfalls können Backups dazu genutzt werden das System schnell wieder zum Laufen zu bringen. Je kürzer dabei der Zeitraum zwischen den erstellten Backups ist, desto weniger Daten verschwinden im digitalen Nirwana. Da Festplatten meist leichter zugänglich und der Datentransfer und -zugriff schneller – im Vergleich zu Bandspeichern – sind, werden Backups heutzutage vorrangig auf Harddisks abgelegt. Wenn dann ein Hardware-Ausfall zu beklagen ist, kann so ein aktuelles Backup in das System schneller eingespielt werden. Aber selbst mit mehr und mehr Backup-Systemen, die Festplatten-basiert sind, ist auch das Magnetband immer noch ein ernstzunehmender Faktor in der Backup-Szene und wird in vielen Firmen auch in diesem Bereich eingesetzt.

Archive dagegen sind etwas völlig anderes: Die in einem Archiv abgelegten Daten werden sehr wahrscheinlich überhaupt nicht mehr verwendet werden. Die Daten in einem Archiv werden wahrscheinlich – wegen der Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit – auf Magnetbändern gespeichert werden. Die Bandmedien an sich werden dabei entweder im Unternehmen selbst oder bei einem speziellen Outscourcing-Dienstleister gelagert, der dabei dafür sorgt, dass diese richtig gehandhabt und verwahrt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Disaster Recovery und Business Continuity?

Disaster Recovery und Business Continuity sind ebenfalls zwei unterschiedliche Dinge: Während der Begriff Disaster Recovery in erster Linie für die Wiederherstellung von Daten von Coumputer-Systemen, Speichern und Servern, die von Naturkatastrophen getroffen wurden – wie z.B. Hochwasser, Brände, Erdbeben, Erdrutsche oder Flutwellen – wird er heutzutage fast bei allen Datenverlusten und der anschließenden Wiederherstellung verwendet, die nicht von Menschen selbst verursacht wurden. Der Begriff Datenwiederherstellung beschreibt daher etwas präziser worum es geht, nämlich dass Daten wiedergewonnen werden, unabhängig davon aus welchem Grund der Datenverlust zustande kam. Beide beschreiben die Maßnahmen die zu ergreifen sind, um den Zugang zu den Daten zu ermöglichen, sie zu reparieren, wieder zusammenzusetzen oder zu verlagern. Unabhängig von der Ursache für den Datenverlust, müssen geeignete Maßnahmen getroffen werden, dass die Arbeits- und Geschäftsfähigkeit gewährleistet bleibt, wie z.B. Server- oder Großrechner mittels eines Backups wieder zum Laufen bringen.

Business Continuity basiert dagegen auf einem etwas breiter angelegten Konzept, selbst wenn viele diesen Begriff für ein Synonym für Disaster Recovery halten: Ein Business Continuity Plan umfasst alle Prozesse und Verfahren, die sicherstellen, dass, wenn ein Unternehmen z.B. von einer Naturkatastrophe betroffen ist, alle geschäftskritischen Funktionen während und nach dem Ereignis aproblemlos weiterlaufen. Außerdem bezieht sich eine effektive BC auch auf alle anderen Ursachen für ernsthafte Schwierigkeiten und Systemausfälle, wie Malware-Infektionen, Computer-Hacking-Angriffe oder Sabotage.

Wie weiß ich, was auf meinen Tapes gespeichert ist?

Im Allgemeinen ist die Antwort darauf ganz einfach: Sie finden heraus was auf den Bändern ist, indem Sie den Katalog oder die Liste der Magnetbänder lesen. Normalerweise wenn man einer Backup-Software oder eine Archivierungslösung verwendet, gibt es fast immer eine Funktion, mit der Sie Ihre Bänder und die darauf gespeicherten Inhalte katalogisieren können. Die im Katalog enthalten Informationen sind fast immer die verschiedenen Band – oder Bandlabel-Nummern (die Informationen, um die einzelnen Tapes voneinander zu unterscheiden), das Datum und die Uhrzeit einer Sicherung, die Art der Datensicherung und – ganz wichtig – welche Verzeichnisse oder Dateien per Backup gesichert wurden. Dieser Katalog kann dann in einer Datei und anschließend an einer anderen beliebigen Stelle oder auf ein Speichermedium abgelegt werden, wie z.B. auf der Festplatte des verantwortlichen Administrators, zur späteren Verwendung. Manchmal – wie z.B. im Fall von NetBackup – ist die Katalogdatei noch wichtiger: Ohne die Katalogdatei hat die Backup-Software keinen Zugriff auf die Sicherungssitzungen um Wiederherstellung durchzuführen. In diesem Fall muss der Anwender die Bänder komplett neu importieren und einen Katalog von Grund auf neu anlegen.

Eine andere Sache, die man beim Umgang mit Magnetbändern beachten muss, ist, dass es nicht so etwas wie einen universellen Katalog gibt! Ein Katalog ist daher immer an die verwendete Software gebunden. Das bedeutet, dass ein Katalog nicht mit einem anderen Band-Backup-System austauschbar ist. Und sehr oft ist ein Katalog auch systemspezifisch, was es fast unmöglich macht, eine Katalogdatei in ein anderes Bandspeichersystem zu importieren, selbst wenn es sich grundsätzlich um die gleiche Backup-Software handelt.

Was, wenn Sie die Magnetband-Katalog-Datei nicht (mehr) haben?

Dann haben Sie keinen Überblick mehr darüber, was auf Ihren Bändern gespeichert ist. Darüber hinaus wissen Sie auch nicht, wie die Daten innerhalb der Tape-Sets abgespeichert wurden. Da große Datenmengen in der Regel über mehrere Bänder hinweg in einer Struktur, die von der Backup-Software vorgegeben ist, abgespeichert werden, ist eine Wiederherstellung von Daten ohne die passende Katalogdatei eine zeitaufwändige und schwierige Aufgabe, die normalerweise nur Datenrettungsspezialisten durchführen können.

Tapes können (fast) ewig halten und genau das kann zu ernsthaften Problemen führen…

Selbst wenn Sie die Katalogdatei(en) der Bänder nach mehreren Jahren oder Jahrzehnten interner oder externer Aufbewahrung noch zur Hand haben, werden Sie unter Umständen trotzdem vor ernsthaften Problemen beim Zugriff auf Ihre Inhalte stehen. In vielen Fällen sind sowohl die Software als auch die Hardware nicht mehr verfügbar oder sie funktioniert nicht mehr ordnungsgemäß. Die Gründe dafür sind vielfältig: Manchmal wurde die Hardware nicht ordentlich gewartet oder die Reinigung der Laufwerke wurde überhaupt nicht durchgeführt. Oder die Software funktioniert entweder nicht mehr oder das Betriebssystem ist so veraltet, dass sie auf einem modernen gar nicht mehr läuft oder laufen kann.

Fazit: Wie zuvor ausgeführt, ist es wichtig zu wissen was und wo auf Ihren Sicherungs- oder Archiv-Magnetbändern gespeichert ist, sowohl in Hinblick auf Disaster Recovery und Business Continuity als auch für die Einhaltung von rechtlichen oder regulatorischen Bestimmung oder bei juristischen Auseinandersetzungen. Unabhängig von den Umständen, die zu einem Zugriff auf Banddateien führen, handelt sich immer um eine zeitkritische Aufgabe. Nicht genau zu wissen, auf welchem bestimmten Band oder in welchem Tape-Set sich die gewünschte Datei befindet, kann den Wiederherstellungsprozess deutlich zeitaufwändig und damit teurer machen. Aber wie bereits erwähnt, ist das Hauptproblem, dass es keine universell-verwendbare Bandkatalog-Lösung auf dem Markt gibt. Eine Lösung für dieses Problem könnte ein Produkt sein, das für jede eingesetzte Backup-Software genutzt werden kann oder zumindest alte Katalog-Datei einlesen und den Inhalt der Tapes anzeigen kann. Derzeit ist es möglich alte Katalogdateien in andere Herstellersysteme zu importieren, wenn die neue Backup-Lösung diese Möglichkeit auch unterstützt. In den meisten Fällen ist das allerdings nicht der Fall. So wäre es eine deutliche Verbesserung, wenn ein Anbieter eine einfach zu bedienende Katalog-Lösung anbieten würde, die die Bedürfnisse von Tape-Nutzern auch für die kommenden Jahrzehnte abdecken kann.

Bildquelle: Kroll Ontrack Deutschland