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Was Sie über wasserbeständige Smartphones wissen müssen!

Wasserbeständig

Was Sie über wasserbeständige Smartphones wissen müssen!

Vor langer Zeit war ich stolzer Besitzer eines bescheidenen Nokia 3310. Alles lief prima, bis mir das Telefon im Urlaub an der Adria aus der Hand rutschte und ins Meer fiel. Zwar schaffte ich das Handy aus dem Wasser zu bekommen, aber Sie ahnen es schon – das „unzerstörbare 3310“ hatte das Zeitliche gesegnet. Alle meine Kontakte, Texte und „Snake Highscores“ waren verloren. Ein verheerender Verlust.

Mobiltelefone haben seit damals einen langen Weg zurückgelegt. In den vergangenen Jahren haben wir die Einführung von eingebauten Kameras, Videofonie  und mobilem Internet gesehen, Eigenschaften, die viele jetzt für ganz selbstverständlich halten. Nun gibt es aber ein weiteres neues* Feature, das bei vielen Smartphones im Markt angekommen ist. Manche sagen, dass es die Art und Weise, wie wir heute Mobiltelefone nutzen, nochmals revolutioniert.

* Mit neu, meine ich nicht völlig neu für einige Android-Handy-Nutzer, aber ich schweife ab…

Natürlich reden wir über aktuelle Smartphones, die „wasserbeständig“ sind. In diesem Beitrag erklären wir, was das bedeutet, worüber Sie sich im Klaren sein müssen und was Sie tun können, um einen Schaden oder potentiellen Datenverlust zu vermeiden.

Wasserbeständig“ versus „wasserdicht“  (Water resistant vs. Waterproof)

Das wichtigste zuerst: wasserbeständig ist nicht gleichzusetzen mit wasserdicht. Definitionsgemäß bedeutet wasserbeständig etwas, dass die Fähigkeit hat, das Eindringen von Wasser zu verhindern, aber eben nicht vollständig. Durch allgemeinen Verschleiß eines Gerätes werden Sie wahrscheinlich feststellen, dass die Wasserresistenz im Laufe der Zeit abnehmen wird. (Denken Sie nur an zerschlagene Displays, gebrochene Gehäuse etc.). Es hilft auch nicht wirklich, dass Sie irgendwelche offene Anschluss-Ports für externe SD- oder SIM-Karten haben, wo Wasser eindringen kann.

Zudem ist es so, dass während viele moderne Smartphones als wasserbeständig oder -resistent eingestuft werden, ist ein aufgetretener Wasserschaden in der Regel etwas, was der Hersteller nicht unter seiner Garantie abdeckt. Wenn Sie zum Beispiel ein Apple-Kunde sind, brauchen Sie sich nur anzuschauen, was die Firma im Kleingedruckten am Ende ihrer Web-Vorstellung des iPhone 7 und 7 Plus selbst dazu erklärt:

„Das iPhone 7 und das iPhone 7 Plus sind vor Spritzwasser und Staub geschützt und wurden unter kontrollierten Laborbedingungen getestet. Sie sind nach IEC Norm 60529 unter IP67 klassifiziert. Der Schutz vor Spritzwasser und Staub ist nicht dauerhaft und kann mit der Zeit als Resultat von normaler Abnutzung geringer werden. Ein nasses iPhone darf nicht geladen werden. Im Benutzerhandbuch befindet sich eine Anleitung zum Reinigen und Trocknen. Die Garantie deckt keine Schäden durch Flüssigkeiten ab.“

Dieser Auszug aus dem Kleingedrucktem zum neuen Smartphone-Flaggschiff von Apple erwähnt ein ‚IP67-Rating‘ – aber was bedeutet das genau und warum ist es wichtig?

Testen, Testen, 1-2-3

Die meisten modernen Smartphones haben ein „IP“ -Rating (International Protection Marking, oder auch als Ingress Protection Marking bezeichnet), das im Wesentlichen ein Maß dafür ist, wie gut das Gerät im Aushalten von Fremdpartikeln ist. So sind als aktuelles Beispiele für das Rating z.B. das iPhone 7 mit ‚IP67‘, während das Samsung Galaxy S7 mit ‚IP68‘ bewertet ist.

Die erste Ziffer bei diesem Rating bezeichnet dabei die Wirksamkeit gegen das Eindringen von Staub und Schmutz. Beide Smartphones haben somit eine Bewertung von „6“ und das bedeutet, dass sie einen „vollständigen Schutz gegen Kontakt“ im Anschluss an einen intensiven 8 Stunden langen Labortest haben.

Die zweite Ziffer bezieht sich nur auf das Niveau des Schutzes gegen Wassermoleküle, die in das Gerät gelangen können. Das iPhone 7 hat eine Wassereintritts-Schutzklasse von ‚7‘ (keine Verbindung zum Produktnamen!) Es kann dabei bis zu 30 Minuten lang 1 Meter unter Wasser durchhalten. Das Samsung Galaxy S7 andererseits  hat eine ‚8‘ Bewertung, was bedeutet, dass es bis zu einer Tiefe von 1,5 Metern für die  gleiche Zeit „eingetaucht“ werden kann.

Sie können sich in diesem Artikel einen detaillierteren Überblick über die Bewertungen verschaffen, aber zusammengefasst kann man sagen, dass es beiden Smartphones ziemlich gut gelingt, das Eindringen von Wasser unter den genannten Bedingungen zu verhindern.

Es ist hierbei wichtig zu berücksichtigen, dass diese Werte unter kontrollierten Laborbedingungen ermittelt wurden und dieser Umszand deshalb nicht ignoriert werden sollten. Das hat allerdings einige Technik-Video-Blogger nicht davon abgehalten die Grenzen dieser Tests auszuloten, um festzustellen, was physikalisch möglich ist. (Wir raten allerdings davon ab, diese Tests zu Hause nachzumachen!)

Unterschiede in der Wasserqualität

Es ist außerdem erwähnenswert, dass sich diese IP-Ratings nur auf Süßwasser beziehen. Dass bedeutet, dass das Fallenlassen eines Smartphones ins Meer und in einen mit gechlortem Wasser gefüllten Swimming-Pool weitere Schäden verursachen können. Salzwasser ist besonders schlecht und die wissenschaftliche Erklärung dafür ist wie folgt: Es ist ein viel besserer Elektrizitätsleiter aufgrund der Anzahl der Natrium- und Chlor-Ionen, die es enthält. Das bedeutet, dass bei vielen elektrischen Strömen, die durch Ihr mobiles Gerät fließen, hier eine weit höhere Wahrscheinlichkeit eines Schadens auftritt, wenn die internen Komponenten und Verbindungen mit Salzwasser in Berührung kommen.

Wir schätzen, dass etwa 3 von 4 Smartphones, die in unsere Datenrettungs-Labore kommen, unter Wasserschäden leiden und dabei sehen unsere erfahrenen Ingenieure regelmäßig Exemplare, die ins Meer gefallen sind. Wenn diese Handies dann untersucht werden, zeigt sich in der Regel (und wie erwartet), dass Schlüsselkomponenten aufgrund der Korrosion und der erhöhten elektrischen Leitfähigkeit durch das Salzwasser verheerende Schäden aufweisen. In allen Fällen sind spezielle Techniken erforderlich, um das Gerät zu reinigen, die Schäden zu umgehen und schließlich an die Daten zu gelangen.

Was wenn mein Smartphone beschädigt ist?

Wenn der schlimmste Fall eingetreten ist und Sie vermuten, dass Ihr Smartphone einen Wasserschaden erlitten hat, kann es trotzdem möglich sein, dass die Daten darauf gerettet werden können. Es empfiehlt sich, das Gerät sofort auszuschalten und nicht aufzuladen. Wenn Sie können – sorry, iPhone-Nutzer, Ihr nicht – dann ist es am besten, die Batterie zu entfernen. Sie könnten versuchen das Gerät gründlich zu trocknen, bevor Sie versuchen, es wieder einzuschalten, aber wir halten es für ratsamer, hier einen professionellen Datenrettungsdienstleister zu kontaktieren sobald ein solcher Fall eingetreten ist. Diese können Ihnen auch je nach konkreter Situation die besten Ratschläge geben, welche Schritte einzuleiten sind, um die Chancen einer Wiederherstellung von Daten zu maximieren.

Lassen Sie Vorsicht walten

Unser Rat? Verwenden Sie Ihr „wasserbeständiges“ Smartphone genauso wie Sie es taten als dieses Feature noch gar kein Thema war. Obwohl es also technisch jetzt möglich ist, einen Anruf in der Dusche anzunehmen, vermeiden Sie lieber diese Situationen und dabei auch das Risiko, Ihr Gerät zu beschädigen und möglicherweise Ihre Daten zu verlieren.

Bildnachweis: Nacho Bilbao/ https://unsplash.com/@nachoscense/ CCO licence (https://www.pexels.com/photo/diving-snorkling-goggles-swimming-30906/)