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Watson ist lernfähig

Es war ein großer Erfolg, als vor drei Jahren das System Watson des IBM-Konzerns in der amerikanischen Quizshow Jeopardy! zwei menschliche Mitstreiter besiegte. Bei dem Quiz galt es, gesprochene – auch mehrdeutige – Fragen korrekt zu beantworten. Das Computersystem war damals noch so groß wie eine Garage, aber es war klar, dass sich das ändern würde. Heute ist es 24 Mal schneller, 2.400 Prozent leistungsfähiger und hat die Größe eines Desktop-PCs.

Es geht natürlich nicht um Spielereien, sondern um Cognitive Computing Software mit entsprechenden Services und Anwendungen. Lernende Systeme sollen die immer größer werdenden Datenmengen genauer analysieren und bessere Antworten auf die unterschiedlichsten Fragestellungen finden.

Und warum das Ganze? In Zeiten von Big Data (eine Boeing 747 produziert beispielsweise auf einem Inlandsflug 240 TByte an Daten) ist die Analyse anfallender Daten hochkomplex. Watson ist ein System, das polystrukturierte (= strukturierte, unstrukturierte sowie maschinengenerierte) Daten und menschliche Sprache verarbeiten kann, es kombiniert die Erzeugung und Bewertung von Hypothesen – und ist lernfähig.

Zum Einsatz kommen soll das System zum Beispiel im Gesundheits- und Finanzwesen.

Fachleute beobachteten, dass eine von fünf Diagnosen, die von Ärzten gestellt wurde, falsch oder unvollständig ist – den Ärzten fehlte schlicht das nötige Wissen. Dabei wären alle für die korrekte Diagnosestellung nötigen Informationen verfügbar, der behandelnde Arzt ist aber häufig zeitlich nicht in der Lage, alle Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Jeden Tag veröffentlichen Medizinische Fachzeitschriften neue Forschungsergebnisse und Behandlungsmethoden. Krankengeschichten von Patienten enthalten wichtige Hinweise, elektronischen Krankenakten beinhalten eine Menge an Informationen. Watson könnte Ärzten helfen, Wissenslücken zu schließen. IBM hofft auf große Fortschritte zum Beispiel in der Krebsmedizin.

Finanzdienstleister stehen vor ähnlichen Problemen, die Informationsmenge, die für Entscheidungen zu Rate gezogen werden sollte, ist gewaltig, täglich werden Tausende von Seiten mit Finanznachrichten veröffentlicht. Auch hier könnte Watson aus dem Überangebot kundenrelevante Informationen herausfiltern.

Selbst in Afrika will IBM mit Watson tätig werden. Wissenschaftler und Unternehmer sollen für die Weiterentwicklung des Kontinents Zugang zu kognitiven Computertechnologien bekommen. Um Lösungen für Bereiche wie Gesundheit und Bildung, Wasserversorgung, Mobilität oder Landwirtschaft zu entwickeln, will der Konzern 100 Millionen US-Dollar investieren.

Bildquelle: IBM