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Was wäre James Bond ohne seine Spielzeuge?

Datenlöschung

Eine totale und nichtwiederherstellbare Vernichtung von Daten ist heutzutage nicht einfach, wie die Spione der GCHQ, des englischen NSA-Äquivalents, mit der Überwachung des Durchbohrens der Festplatten der Guardian Tageszeitung anschaulich unter Beweis gestellt haben. Die Festplatten enthielten Daten der NSA die durch Edward Snowden gestohlen wurden. Das Durchbohren ist immer noch eine beliebte Methode Daten endgültig zu zerstören. Aber ist es effektiv? Abgesehen von der Tatsache, dass Daten einfach kopiert und in einer fast unendlichen Menge an andere physische Orten gespeichert werden können (zum Beispiel, wenn Sie Daten hochladen und sie online hosten), ist es eigentlich umstritten, ob das Durchbohren der Platten wirksam ist. James Bond hätte das sicher mit mehr Finesse gemacht, um sicherzugehen, dass Daten zerstört und nicht wiederherstellbar sind (und natürlich mit Stil!). Wir werden Ihnen hier ein paar Ideen liefern, wie man das hinbekommt — aber fangen wir am Anfang an.

 

Ein Speichergerät physikalisch zu zerstören ist die beste Garantie dafür, dass die Daten den Besitzer nicht wieder heimsuchen. Es entfällt das Risiko eines Datenlecks, der technisch möglich ist, wenn das Löschen automatisch durchgeführt wird oder wenn hochentwickelte Data-Recovery-Ausrüstung eingesetzt wird (Werkzeuge dieses Kalibers sind nicht im Handel erhältlich, aber wir können nicht ausschließen, dass sie es doch eines Tages sein werden oder dass einige Institutionen nicht doch bereits über sie verfügen). Allerdings gibt es einen Nachteil bei dieser Methode – Sie werden nicht mehr in der Lage sein, das Speichermedium erneut nutzen zu können. Anders als wenn eine Festplatte mit einer Datenlöschsoftware von ihrem Inhalt befreit wird, kann eine physikalisch vernichtete Platte nur noch recycelt werden. In manchen Fällen kann das dennoch die beste Wahl sein.

Wann sollten Sie in Erwägung ziehen Ihren Festplattenspeicher physikalisch zu zerstören?

  1. Sie können Daten nur auf einem funktionsfähigen Speichergerät überschreiben – beschädigte Geräte, die nicht eingeschaltet werden können, können auch nicht gesichert werden (die Daten darauf sind immer noch lesbar).
  2. Wenn einige Sektoren auf Ihrer Festplatte beschädigt sind.
  3. Wenn Sie beabsichtigen Maschinen von Ihrem Unternehmen in den Ruhestand zu schicken und ins Recycling zu geben – diese Festplatten sollten das Firmengelände niemals ungesichert verlassen.
  4. Beim Umgang mit veralteten Speichermedien, wie Magnetbändern und Kassetten, alten Festplatten mit schlechter Datendichte und alten SSDs.
  5. Daten per Software-Tools zu eliminieren benötigt seine Zeit, so dass, wenn der Job schnell erledigt werden soll, eine physikalische Zerstörung die bessere Wahl sein kann.

Sobald Sie sich entschieden haben, dass Sie Ihre Festplatten physisch zerstören wollen, haben Sie mehrere Optionen zur Auswahl. Beginnend mit dem Durchbohren der Scheibe mittels einer normalen Bohrmaschine, durch Entmagnetisierung, Chemie-Einsatz (mit hochkonzentrierten Chemikalien, die die Magnetschicht der Platte angreifen) und Ionisierung, bis hin zu Erhitzen und Zerkleinern. Einige dieser Verfahren sind dabei für uns besonders beachtenswert.

Wir erwähnen das Durchbohren der Platte als eines der beliebtesten Methoden zur Datenvernichtung. Zurzeit gibt es keine Möglichkeit, um Daten von einer Platte, die auf diese Weise zerstört wurde, auszulesen. Aber Sicherheitsexperten empfehlen die Verwendung von verschiedenen Methoden, um sich von vertraulichen und hochsensiblen Daten zu befreien — das Durchbohren ist nur eine mechanische Methode der Zerstörung, aber die Plattenteile können möglicherweise doch noch unbeschädigte Daten enthalten die auf die Layer geschrieben wurden. Deshalb könnten möglicherweise diese Daten doch wiederherstellbar sein.

Erhitzen — um Daten mit hohen Temperaturen zu löschen, müssen Sie sicherstellen, dass die Temperatur den Curie-Punkt erreicht (das ist der Ehemann von Marie Curie, der Namensgeber dieses Begriffs wurde) von dem bestimmten Material aus dem die magnetische Schicht des Speichermediums gemacht ist. Leider sind die verwendeten Materialien streng bewachte Geheimnisse der Hersteller, aber man kann vermuten, dass eine Temperatur von 700 bis 1200 Grad Celsius ausreicht, um Daten zu zerstören. Das bedeutet, dass Sie keine Daten zerstören indem Sie eine Festplatten-Scheibe in ein Lagerfeuer werfen (Holz brennt nämlich bereits bei 50 Grad Celsius). Sie benötigen spezielle Ausrüstung, um die Mindesttemperatur zum Zerstören der Daten zu erreichen.

Entmagnetisierung — Entmagnetisierungsgeräte (bekannt als Degausser) sind Werkzeuge, die Daten unter Verwendung eines elektromagnetischen Impulses von bis zu 1,8 Tesla löschen (nach dem Internationalen Einheitensystem SI; in älteren Systemen wäre es ein Äquivalent von 18000 Gauss). Der Degausser erzeugt einen Impuls, der magnetische Induktion abgibt, die dann dauerhaft elektromagnetischen Ladungen von der Oberfläche der Platte entfernt. Natürlich ist dieses Verfahren nur wirksam für magnetische Datenspeicher — für Flash-Speicher eignet es sich nicht, obwohl die Elektronik einiger dieser Geräte angegriffen wird (trotzdem wird es immer noch möglich sein, die Daten auszulesen).

Natürlich könnten Sie immer noch die ausgefeilteren Methoden überspringen und gleich brutale Gewalt einsetzen, um die Platten zu zerkleinern, zermahlen oder zerhacken. Es gibt Werkzeuge, die Ihre gesamte Festplatte zu Staub machen – ohne dabei vorher die Scheibe aus der Festplatte herauszunehmen. Schauen Sie sich dieses Video an, um sich einen Eindruck zu machen wie einfach es ist Hardware in Konfetti zu verwandeln (nicht für schwache Nerven). Allerdings bezweifeln wir, dass James Bond solche Methoden anwenden würde – diese Brutalität ist eher geeignet für die Feinde des Geheimdienstes Ihrer Majestät.

Wir sind hier fast fertig. Fast. Im nächsten Teil dieser Reihe gehen wir auf die Jagd. Bleiben Sie dran, um herauszufinden, ob Sie Jäger sind oder die Beute. Bis dann…