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Wie die Daten der Space Shuttle Columbia Katastrophe überlebten

Jon Edwards hat bereits viele Katastrophen mitbekommen, allerdings war er glücklicherweise niemals dabei. Als Senior-Ingenieur bei Kroll Ontrack hat er Daten von Geräten wiederhergestellt, die die schlimmsten Situationen mitgemacht haben. Überschwemmungen, Brände, Autounfälle – Edwards dachte, er hätte schon alles gesehen. Aber nichts konnte ihn darauf vorbereiten, was seine herausforderndste und bedeutendste Aufgabe werden würde – die Datenrettung von einer geschmolzenen Festplatte, die sechs Monate früher quasi vom Himmel herunter gefallen war.

Dieses ungewöhnliche Teil war ein Überbleibsel des schrecklichen Endes der letzten Mission des Space Shuttle Columbia, die 2003 beim Landeanflug auf die Erde nach einer zweiwöchigen Reise im All auseinanderbrach. Ein Teil des Hardschaum-Isoliermaterials brach von der Trägerrakete und zerstörte den linken Flügel des Shuttles. Beim Landeanflug waren die physikalischen Kräfte dann so stark das die gesamte Raumfähre über Texas und Louisiana auseinanderbrach.

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Zerstörte Festplatte der Raumfähre Columbia

Als Edwards die Festplatte übergeben wurde, war er zunächst sehr skeptisch. Sie war verstümmelt, versengt und sah aus, als wären ein paar Metall-Stücke zusammengeklebt. Die Dichtung, die die Festplatte von Staub und Schmutz abschirmt, war ebenfalls geschmolzen. Das machte die Festplatte anfällig für Staubpartikel, die die Oberfläche der Datenplatten abschleifen und damit die Chance zunichtemachen könnten jemals wieder an die Daten des Unglücks heranzukommen.

Die „Bergung“ der Daten sah so zunächst wenig vielversprechend aus, aber dem Spezialisten kam ein glücklicher Umstand zugute. Die drehenden Platten aus Metall, die bei einer Festplatte die eigentlichen Daten speichern, waren nicht zerstört. Die enthaltenen Platten waren zwar aufgeschlitzt und gesteinigt worden, aber es gab zum Glück keine Schäden auf der Seite, wo die Daten geschrieben werden. Warum waren die Daten nur auf einer Seite der Scheibe? Weil die NASA-Computer mit einem alten Betriebssystem liefen, dem DOS-System, dass seine Daten nicht über mehrere Laufwerke streut wie das andere Betriebssysteme tun.

Die Scheiben wurden gereinigt und dann in einer neuen Festplattenmechanik eingebaut. Zwar dauerte dieser Prozess ein paar Tage, aber der „Datenbergungsversuch“ war schließlich erfolgreich. 99 Prozent der Daten konnten wieder hergestellt werden.

Diese bemerkenswerte Datenwiederherstellung erlaubte den NASA-Forschern herauszufinden, warum Ketchup oder Schlagsahne aus Metallbüchsen zunächst wie eine Flüssigkeit aussehen, wenn sie sich verteilen, um nach einiger Zeit immer fester zu werden. Dieser physikalische Prozess – genannt Shear Thinning (Scherverdünnung/Strukturviskosität) – tritt dann auf, wenn ein Teil der Substanz, wie z.B. der Sahneschaum sich verdünnt und zwischen dem festeren Teilen der Sahne leicht fließt.

Die Mitglieder des Space Shuttle Fluges hatten vor der Katastrophe im All mehrere wichtige Experimente zur Analyse von Shear Tinning Theorien durchgeführt. Einige der gesammelten Information aus den Experimenten befanden sich auch auf der von Kroll Ontrack geretteten Festplatte.

Diese Erkenntnisse, die durch die Kroll Ontrack Wiederherstellung erst möglich wurden, können in der April Ausgabe der Physical Review E, einem namhaften Physik-Fachmagazin, nachgelesen werden.

Bildnachweis: Flickr / Kurt Raschke

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