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Wie erfreut man sich dauerhaft an seinem RAID-System? (Teil 2)

Das auch RAID-Systeme nicht vor Ausfällen und damit verbundenen Datenverlust gefeit sind, wird vielen erst dann klar, wenn trotz der Versprechen der Hersteller das System plötzlich doch steht. Und bei dem Versuch das System wieder zum Laufen zu bringen, versagen nicht wenige wegen der großen Komplexität der Systeme. Spätestens wenn man versucht selbständig das System zu reparieren und verlorene Daten zu recovern wird jedem klar, dass es sich nicht nur einfach um mehrere hintereinander geschaltete Festplatten handelt. Dass dabei viel schief gehen kann und die Gefahr eines endgültigen Datenverlusts droht, haben wir letzte Woche bereits beleuchtet.

Hier folgt der zweite Teil der Tipps, (Teil 1 finden Sie hier) wie man sich bei RAID-Ausfall richtig verhält und sich dauerhaft an seinem System erfreut:

7. Denken Sie daran die Festplatten zu nummerieren. Die Festplatten eines RAID-Systems haben eine bestimmte Position innerhalb des Arrays. Nummerieren Sie die Platten in der Reihenfolge der RAID-Kette, um die physikalische Position jedes einzelnen Geräts rekonstruieren zu können oder wenn Sie beabsichtigen die Platten an einen Datenrettungsdienstleister zu schicken. Heutzutage haben die individuellen RAID-Festplatten einen reservierten Platz, der die versteckten RAID-Informationen enthält, sodass eine Nummerierung eigentlich nicht mehr notwendig ist. Dabei spielt es keine Rolle, in welchen konkreten Slot Sie das Laufwerk innerhalb des Systems hineinstecken. Selbst wenn die Laufwerke nach dem Zufallsprinzip herausgenommen werden und dann in einer veränderten Reinfolge in die Slots gesteckt werden würden, sollte das Setup dadurch nicht beeinträchtigt werden, wenn die gespeicherten RAID-Informationen immer noch intakt sind ( … leider ist das in vielen Fällen nicht der Fall, da der betreffende Speicherplatz an dieser Stelle beschädigt ist oder überschrieben wurde).

8. Verwenden Sie keine Reparatur-Dienstprogramme im Fall von Datenkorruption bei RAID-Systemen. Controller-Probleme oder Stromausfälle können das Dateisystem korrumpieren oder Daten nicht mehr ansprechbar machen. Starten Sie keine Utility-Programme, um das Volume zu reparieren, weil diese Dienstprogramme Schreibvorgänge durchführen und so weitere Schäden an der logischen Datenstruktur verursachen können. Eine Datenwiederherstellung wird so noch schwieriger als zuvor.

9. Vorsicht vor „Standard-Einstellungen“. Die meisten Anwender nutzen ihr System mit den vorkonfigurierten Standard-Einstellungen. Allerdings können einige Spezialisten diese Optionen ändern, um das System noch sicherer zu machen, als es ursprünglich angelegt war, beispielsweise indem sie auf einem bestehenden RAID 5-System ein RAID 6 implementieren. Wenn es dann zu einem Fehler kommt, versuchen die Nutzer in der Regel verschiedene Methoden, um das System wieder zum Laufen zu bekommen, einschließlich der Wiederherstellung der Standardeinstellungen.. In der Konsequenz startet dieser Vorgang ein RAID 5 Setup mit dem Überschreiben des RAID 6 und verursacht damit einen Datenverlust.

10. Schalten Sie das System im Notfall sofort aus! Im Falle eines Datenverlusts durch versehentliches Löschen, drücken Sie sofort den „Aus-Schalter“. Diese „nicht-konventionelle“ Methode ist hier notwendig, weil das normale Herunterfahren des Systems dazu führen würde, dass Festplattensektoren überschrieben werden und zwar dort, wo eventuell wichtige Informationen zur Wiederherstellung der Daten vorhanden sind. Wenn eine Festplatte ungewöhnliche Geräusche macht, sollte man das gleiche Verfahren anwenden. Hier ist das Ziel, den physikalischen Schaden, der durch mechanischen Defekt entsteht, zu begrenzen. (In der Regel „produziert“ ein Head-Crash Furchen auf der Festplatte, indem die Magnetschicht an der Stelle wo der Schreib-/Lesekopf auf der Platte aufsetzt komplett abgetragen wird.)

11. Machen Sie bitte ein Backup… Wenn Sie planen, Änderungen an einem bestehenden RAID-Design zu machen und wenn Sie nicht absolut sicher sind, was Sie tun, halten Sie auf jeden Fall ein aktuelles und lauffähiges Backup bereit. Arbeiten an einem RAID-System oder Ändern einer bestehenden Konfiguration kann versehentlich zu Datenverlust führen, der durch ein Wiederherstellen per Backup gelöst werden kann.

12. Wie stellt man das System per Backup richtig wieder her? Vermeiden Sie einen Backup-Restore direkt auf dem RAID-System durchzuführen, wo die Daten gelöscht wurden. Wenn das Backup nicht aktualisiert wurde, nicht richtig funktioniert oder das Restore-Verfahren nicht erfolgreich ist, wird die einzige Quelle (das ursprüngliche RAID-System) die überhaupt verwendet werden kann, um Daten wiederherzustellen, überschrieben.

13. Technischer Support vom Hardware-Produzenten. Im Fall eines RAID-Fehlers ist es normal, den technischen Support des Hardware-Anbieters anzurufen. Besonders wenn es sich um fortschrittliche und komplexe Systeme handelt. Denken Sie daran, dass die Aufgabe des Supports ausschließlich ist, das System wieder zu Laufen zu bringen und nicht die Daten zu retten. Die beteiligten Techniker werden das defekte Laufwerk ersetzen und das System so wieder konfigurieren, dass es wieder arbeitet. Und Ihre Daten? Informieren Sie den Hersteller-Support darüber, dass Sie einen Datenrettungsdienstleister einschalten müssen, damit die verlorenen Daten wiederhergestellt werden können. Ansonsten besteht das Risiko, dass die Anlage wieder perfekt funktioniert, aber ohne die Möglichkeit einer Wiederherstellung der vorher gespeicherten Daten.

14. Die Daten sind weg. Sie sind mit Ihren Möglichkeiten am Ende. Was nun?

Zusammengefasst ist die Komplexität einer RAID-Wiederherstellung auf drei wesentliche Faktoren zurückzuführen:

a) RAID ist ein System von mehreren Festplatten, auf welchem Daten in einer Weise geschrieben/organisiert werden, die völlig verschieden zu der bei einer Einzel-Festplatte ist

b) Daten auf RAID-Systemen haben in den meisten Fällen sehr komplexe logische Strukturen, ähnlich der von Datenbanken oder virtuellen Systemen

c) RAID-Systeme der Enterprise-Klasse nutzen sehr komplexe und fortgeschrittene Hardware-Architekturen und proprietäre Hardware

Was folgt daraus? Die Wiederherstellung von Daten ist möglich, aber sehr abhängig von der Auswahl des Datenrettungsdienstleisters. Wenn Sie sich an einen Spezialisten wenden, wählen Sie deshalb einen Anbieter der über einen sehr guten Namen im Markt verfügt und dafür bekannt ist, dass er über das notwendige Knowhow verfügt und in der Lage ist die sehr komplexen RAID-Wiederherstellungen durchzuführen. Viele RAID-Datenrettungsfälle erfordern auch die Entwicklung oder die Anpassung spezieller Werkzeuge für das konkrete Szenario. Dabei wäre es sinnvoll, dass der gewählte Anbieter ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum unterhält, um auch wirklich die passenden Werkzeuge für die Datenrettung bereit zu stellen. Schließlich sollte Ihr Datenretter auch 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche für Sie ansprechbar sein, da es sich in der Regel um wichtige geschäftskritische Unternehmensdaten handelt und Sie den Betrieb so schnell wie möglich wieder aufnehmen müssen, um keine großen Ausfallzeiten und damit Kosten zu produzieren.

Bildquelle: Tim Reckmann/ pixelio.de