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Wie migriert man Petabytes an Daten in die Cloud?

Cloud

Die “Cloud” ist in aller Munde. Was aber bedeutet dieser „wolkige“ Begriff?

Der Begriff stammt aus der IT-Welt, in der bei Netzwerkdiagrammen nicht näher spezifizierte Bereiche mit einer stilisierten Wolke dargestellt werden. Wenn heutzutage Inhalte in der Cloud gespeichert werden, weiß nur der Anbieter dieser Dienstleistung, auf welchen Servern in welchen Rechenzentren die Daten liegen. Die Software, die für die Speicherung zuständig ist, entscheidet selbstständig, welche Hardware sie nutzt – häufig genutzte Daten eher auf schnellen SSDs, selten genutztes wie Backups auf langsameren aber günstigeren HDDs – und wo sie die Daten ablegt. Für manche Zwecke ist es auch praktikabel, die Metadaten einer Datei auf einer schnellen Speicherplatten abzulegen, während die dazugehörenden hochauflösende Grafiken oder Videos ihren Platz auf einem langsameren Speichermedium finden. Es ist daher unter Umständen nicht ganz einfach, eine Datei exakt zu lokalisieren, man muss im „Nebel“ der Wolke stochern, um sie zu finden.

Es gibt eine Menge guter Gründe, die für eine Datenspeicherung in der Cloud sprechen. Wer auf die Cloud setzt, muss keine Speichersysteme, -medien und zuständige Administratoren vorhalten. Ein weiterer direkter Vorteil ist die Möglichkeit, bei Bedarf schnell und unkompliziert zusätzlichen Speicherplatz bereitgestellt zu bekommen. Und für die Sicherheit ist ebenfalls gesorgt: zeitnahe Backups sorgen im Problemfall für eine schnelle Datenwiederherstellung. Die Frage, in welchem Maße und zu welchen Kosten der Anbieter diese Dienste bereitstellt, sollte aber in jedem Fall vor Abschluss eines Vertrages geklärt werden.

Ein wichtiger Punkt – neben der Vertrauenswürdigkeit des Providers, dessen Serverfarmen möglichst einem rechtssicheren Land stehen sollten – ist die Datenleitung. Normalerweise läuft der Datenverkehr übers Internet, weshalb eine stabile und schnelle Verbindung unerlässlich ist. Auch auf die Sicherheit sollte Wert gelegt werden. Eine End-to-End-Verschlüsselung zum Up- und Download sollte ebenso selbstverständlich sein wie eine hochwertige Verschlüsselung der Daten auf den Servern des Anbieters.

Wie gelangen die Daten von Ihrem Rechenzentrum zum zukünftigen Speicherort in der Cloud?

Die erste Möglichkeit, die schon angesprochen wurde: ganz einfach via Internet. Für überschaubare Datenmengen ist das ein gangbarer Weg, der aber schnell an seine Grenzen kommt. Ein TB Daten, die über eine normale T1-Verbindung mit fast 1,5 Mbit/s übertragen werden soll, benötigt gut zweieinhalb Monate, um am Ziel anzukommen. Damit kann sich niemand zufrieden geben, sodass die Cloud-Provider unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten anbieten. Spezielle Tools beschleunigen den Transport der Daten, Datenkomprimierung sorgt für geringeres Datenvolumen.

Der Weg der Datenpakete wird normalerweise im Internet ohne Regeln über weniger ausgelastete Verbindungen aufgebaut und kann schon mal von Stuttgart nach Hamburg über Hongkong und New York führen. Eine direktere Netzverbindung verkürzt diese Wege erheblich. Angeboten werden auch Bündelung von Internetzugängen oder direkte Verbindungen zum Rechenzentrum.

Was aber soll ich tun, wenn auch eine Standleitung nicht genügt? Sollen einige Petabyte übertragen werden, dauert das auch bei schnellster Verbindung eine gefühlte Ewigkeit – mit entsprechenden Kosten. Für extrem große Datenmengen braucht es intelligente Lösungen.

Amazon beispielsweise bietet seinen Kunden einen Abholservice. Dabei wird ein Hochleistungs-Speicher, der in einem Überseecontainer installiert ist, mit Hilfe eines Sattelzuges – Snowmobile genannt – direkt an den Standort des Kunden gebracht. Der 100 PB fassende Speicherriese wird mit einer Hochgeschwindigkeitsleitung an das Firmennetzwerk angeschlossen. Der gesamte Speicher des Snowmobiles kann im besten Fall in etwa zehn Tagen gefüllt werden. Der volle Speicher wird abgeholt und zum nächsten Amazon-Rechenzentrum gebracht, wo die Daten in die Cloud hochgeladen werden.

Es liegt nahe, dass diesem Beispiel andere Anbieter folgen werden.

Bildnachweis: Erich Westendarp  / pixelio.de