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Was will Google denn damit?

Für 3,2 Milliarden Dollar kauft Google eine Firma, die Thermostate und Rauchmelder herstellt – Nest Labs. Diese Firma stellt besonders schicke Thermostate her. Kein Wunder: der Gründer Tony Fadell war mitverantwortlich für das Design des iPod und des ersten iPhone. Aber es geht bei dem Deal nicht (nur) um „Acqu-hire“ (Kunstwort aus kaufen – acquire und anheuern – hire), das wäre wohl etwas viel Geld. Es geht wohl um das, worum es Google immer geht, um Daten, um Big Data.

Nest-Thermostate erfassen eine Menge an Informationen über das, was in einem Haushalt geschieht. Sie merken, wann ein Mensch die Temperatur hoch- oder runterregelt. Eingebaute Sensoren ermitteln Temperatur, Aktivität, Luftfeuchtigkeit und Helligkeit. Der Apparat soll möglichst alles über einen Haushalt wissen – um es für die Temperaturregelung zu benutzen. So kann der Thermostat erkennen, ob jemand zu Hause ist oder in welchem Raum sich jemand aufhält. Und Google könnte in Zukunft wissen, in welchem Zimmer sich Nest-Besitzer aufhalten und (in gewissem Rahmen) was Sie dort tun: schalten Sie den Fernseher ein oder öffnen Sie die Kühlschranktür könnte ein Sensor des Thermostaten dies erkennen, die Lebensgewohnheiten der Nest-Kunden könnten erfasst werden.

Eine App zur Steuerung der Nest-Geräte gibt es auch. Das heißt, die total vernetzte Zukunft mit IP-Adressen für jedes Gerät rückt näher. Laut Nest werden die erfassten Daten nur zur Verbesserung von Produkten und Diensten benutzt. Eine Weitergabe der Daten an Google wird aber nicht ausdrücklich verneint.

Nest-Thermostate sind in den Staaten der Renner, Verkaufszahlen von 50 000 Stück pro Monat gab es schon Anfang 2013. In Europa gibt es die Luxusthermostate (Stückpreis 250 $) noch nicht zu kaufen. Aber intelligente Thermostate, die sich über eine Smartphone-App steuern lassen (und dafür natürlich eine IP-Adresse benötigen), gibt es bei uns auch.

Beispiel gefällig? Tado wirbt mit dem Spruch „Die Heizungs-App. Erkennt, wo du bist.“ eQ3 empfiehlt „MAX! Heizungssteuerung via Smartphone und Internet“ und bei alphaEOS kann man „das System bequem von unterwegs bedienen“. Das ist alles gut und schön, solange kein anderer mithört und mit Daten aus anderen Datenquellen verknüpft. Wer will schon ein gläserner Bürger sein?