SSDs und Flashspeicher verteilen die Zugriffe auf die einzelnen Speicherzellen (wear levelling) – wodurch der Nutzer es gar nicht in der Hand hat, alles zu löschen. Was kann man dagegen tun?

Antwort: Die sicherste Methode für einen Nutzer einer SSD-Festplatte oder eines Flashspeichers einem potentiellen Datenleck – also einer Wiederherstellung seiner Daten durch Unbefugte vorzubeugen, ist es, bereits vom ersten Einsatz der SSD die Platte oder den Speicher zu verschlüsseln. Wenn der Datenträger nach Ablauf seiner Lebensdauer dann entsorgt werden soll, reicht das Löschen des Schlüssels, sodass niemand mehr auf die Daten zugreifen kann.

Der Einsatz der sogenannten Secure Erase Funktionalität, die in modernen SSD-Festplatten eingebaut ist, reicht dagegen nicht aus. Grund dafür ist die Tatsache, dass auch diese Technologie zwar auf die User Data Area und SSD Reserve Areas zugreifen kann, aber nicht auf die sogenannten Retired Blocks. Hier werden Datenblöcke abgelegt, die vom Controller als „Bad“ markiert wurden, weil z.B. eine einzige Speicherzelle ausgefallen ist. Problem hier: Es können bis zu 1 MB an Daten in diesem Bereich vorhanden sein. Also im schlimmsten Fall Adressen, Kreditkartendaten, Kontoauszüge etc.

Aus der Sicht der Datenretter: Wie hat sich Ihr Geschäft durch SSDs und Co. verändert?

Antwort: Wir beobachten bereits seit einigen Jahren einen deutlichen Zuwachs an Datenrettungsaufträgen von SSD-Festplatten und Flash-basierten Speichern. Da immer mehr dieser Produkte auf den Markt kommen, wächst auch bei uns der Anteil dieser Aufträge kontinuierlich. Anders als bei herkömmlichen HDDs ist der Aufwand hier höher, da es einige technische Herausforderungen gibt, die es schwieriger machen Daten erfolgreich wiederherzustellen: Eine Vielzahl unterschiedlicher Controllertypen, die darüber hinaus auch verschiedene Hersteller-Verschlüsselungen aufweisen, sodass sich der Zugriff auf den Speicher wie auf die Daten sich mitunter als recht schwierig erweist.

Aus diesem Grund investieren wir stark in die technologische Forschung und Entwicklung sowie in die Zusammenarbeit mit den Herstellern von SSD-Festplatten und Flashspeichern um unseren Kunden stets die modernsten Datenrettungsmethoden anbieten zu können.

Sind SSDs Ihrer Erfahrung  nach unempfindlicher als herkömmliche Magnetfestplatten?

Antwort: Wenn man sich auf die reine physikalische Unempfindlichkeit gegenüber Stößen, Stürzen oder mechanischen Zerstörungen bezieht, ist das sicherlich so zu sehen. Ausfälle von SSD infolge von mechanischen Problemen sehen wir bei diesen Medientypen deshalb fast nie.

Allerdings bedeutet das nicht, dass SSDs oder Flash-Medien in der Praxis weniger Probleme machen. Die Gründe liegen hier nur anderswo: Ausfälle von SSDs durch Defekte an den Controllern oder ausgefallene Speicherchips sind hier am häufigsten zu nennen. Für uns bedeutet das in der Konsequenz, dass unsere Datenrettungsingenieure versuchen mit baugleichen Controllern und passender Firmware einen Zugang zu den verbauten Speicherchips wiederherzustellen.