8 September 2015

Verschlüsselung als Herausforderung für Datenretter

Ohne Schlüssel ist eine Wiederherstellung unmöglich

Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden sind Verschlüsselungs-Lösungen wieder stark auf dem Vormarsch. Doch steigt damit auch das Risiko, bei einem Datenverlust nicht mehr auf die enthaltenen Informationen zugreifen zu können. Kroll Ontrack, Experte für Datenrettung und E-Discovery, gibt daher Ratschläge, was Anwender und Unternehmen beim Einsatz von Verschlüsselungs-Lösungen beachten müssen, damit eine etwaige Datenrettung nicht zum Fischen im Trüben wird.

Komplettverschlüsselungen wie TrueCrypt, Bitlocker oder die Windows-eigene EFS-Verschlüsselung (Encrypting File System) haben in Zeiten diverser Abhörskandale gerade Hochkonjunktur. Nicht mehr nur IT-affine Anwender, auch Computerlaien nutzen entsprechende Lösungen, um ihre Daten gegen unbefugten Zugriff zu schützen. So hat eine statistische Erhebung des Branchenverbands BITKOM[1] vor einem Jahr ergeben, dass bereits 16 Prozent der deutschen Internetnutzer ihre E-Mails verschlüsseln und 15 Prozent auf eine Verschlüsselung ihrer Daten per Software setzen. Und eine weitere BITKOM-Studie[2] belegt, dass mehr als drei Viertel (76 Prozent) aller deutschen Unternehmen ihre Mails und Daten verschlüsseln. Da diese Studie zudem vom Juni 2013 ist, kann davon ausgegangen werden, dass dieser Wert mittlerweile sogar noch höher ist.

Während aber der vermeintliche Schutz der Datenverschlüsselung den Anwendern ein Gefühl von Sicherheit vermittelt, kann sie sich im Falle eines Datenverlustes als nahezu unüberwindliches Hindernis für eine Datenrettung erweisen. „Derzeit gibt es rund zwei Dutzend Verschlüsselungsverfahren auf dem Markt. Manche sind relativ aktuell, andere haben schon einige Jahre auf dem Buckel, aber alle haben eines gemeinsam – sie basieren auf proprietären Herstellerlösungen“, erklärt Holger Engelland, Leiter des Datenrettungslabors, Kroll Ontrack GmbH. „Kommt es zu einem Datenverlust ist es zwingend notwendig, dass der entsprechende Schlüssel vorhanden ist. Nur so ist eine Datenrettung möglich. Denn wir können nur auf die Daten zugreifen, wenn der Schlüssel vorliegt.“

Daher empfiehlt der Datenrettungsexperte, dass die entsprechenden Schlüssel immer entweder auf einem separaten Datenspeicher – USB-Sticks sind eine Möglichkeit – gesichert werden oder idealerweise auf einem zweiten Gerät liegen sollten. So können die verschlüsselten Daten selbst nach einem massiven Datenverlust immer noch gerettet werden.

Daher empfiehlt der Datenrettungsexperte, dass die entsprechenden Schlüssel immer entweder auf einem separaten Datenspeicher – USB-Sticks sind eine Möglichkeit – gesichert werden oder idealerweise auf einem zweiten Gerät liegen sollten. So können die verschlüsselten Daten selbst nach einem massiven Datenverlust immer noch gerettet werden.

Doch muss bei Flash-Laufwerken berücksichtigt werden, dass hier immer mehr auf dem Markt sind, die Hardware-seitig verschlüsselt sind. Diese sogenannten Self-Encrypting-Drives können, da die Rohdaten bereits beim Schreiben auf die Flashspeicher durch den Controller verschlüsselt werden, bei beschädigtem Controller gar nicht mehr entschlüsselt werden. Die Datenretter sind hier auf den Schlüssel des jeweiligen Herstellers angewiesen, aber nicht alle Hersteller kooperieren mit Datenrettungsanbietern. „Wir versuchen aber, mit vielen Herstellern direkt zusammenzuarbeiten, um auch bei Controllerschäden entsprechend schnell reagieren zu können“, erklärt Holger Engelland.

Nachfolgend ein paar Tipps für eine sichere Datenverschlüsselung:

  • Wenn Sie die Wahl haben, sollten Sie sich immer für eine Software-Verschlüsselung entscheiden. Denn diese verursacht bei einer Datenwiederherstellung deutlich weniger Probleme als eine Hardware-Verschlüsselung.
  • Wenn Sie einen Datenträger mit Hardware-Verschlüsselung einsetzen wollen, sollten Sie einen verwenden, bei dem Sie den Schlüssel selber wählen können. Ansonsten sind Sie darauf angewiesen, dass im Falle eines Datenverlusts der Hersteller mit dem Datenrettungsunternehmen zusammenarbeitet. Und das ist, wie oben bereits erwähnt, nicht immer selbstverständlich.
  • Egal ob Software- oder Hardware-Verschlüsselung, Sie sollten auf jeden Fall die Schlüssel sicher aufbewahren. Sichern Sie sie auf USB-Sticks, in der Cloud oder speichern Sie sie auf Ihrem Smartphone – Hauptsache Sie speichern sie nicht auf dem Laufwerk, auf dem sich die Verschlüsselung befindet. In diesem Zuge sollten Sie auch beachten, dass verschiedene Partitionen auf einem Laufwerk nicht vor Datenverlust schützen. Wenn ein Laufwerk betroffen ist, können auch mehrere Partitionen gleichzeitig betroffen sein.