9 Juni 2015

IT-Administrationsfehler werden immer noch unterschätzt

Komplexe Storage-Umgebungen in Unternehmen erfordern noch gründlichere Backup-Protokolle und mehr Investitionen in technische Sicherheitsmaßnahmen

Böblingen, 9. Juni 2015 – Menschliches Versagen wird immer wieder als eine der Hauptursachen für Datenverlust genannt. Doch bezieht sich das in den meisten Fällen auf die Anwender. Allerdings zeigen Erkenntnisse von Kroll Ontrack, Experte für Datenrettung und E-Discovery, dass durch die stetig wachsende Komplexität von IT-Systemen und Netzwerken und die stark zunehmenden Datenmengen auch Fehler von Administratoren Ursache für Datenverluste und Netzwerkausfälle sein können.

„In den immer weiter verbreiteten virtuellen IT-Umgebungen herrscht eine starke Komplexität vor“, erläutert Peter Böhret, Managing Director Kroll Ontack GmbH. „Diese stellt in Verbindung mit den rapide zunehmenden Datenmengen, die sich durch Unternehmensnetzwerke bewegen, hohe Ansprüche an die IT-Administratoren und erfordert effektive Datenverwaltungsrichtlinien. Nichtsdestotrotz ist Irren menschlich – und ein versehentliches Löschen oder ein fehlerhaftes Backup kann in einem schwerwiegenden Datenverlust resultieren. Schlimmstenfalls gehen dabei Kunden- oder Unternehmensdaten verloren, ohne dass es jemand merkt, oder die IT-Abteilung kann nicht mehr auf wichtige Beweise zugreifen, um ein Sicherheitsereignis zu diagnostizieren.“

Eine jüngst durchgeführte Studie von EMC hat gezeigt, dass Unternehmen weltweit jedes Jahr mehr als eine Million US-Dollar durch Datenverluste verlieren. Und mehr als ein Viertel (26 Prozent) dieser Datenverluste ist auf menschliches Versagen zurückzuführen. Das bedeutet also, dass es bei einer Sicherheitsverletzung durchaus passieren kann, dass Unternehmen durch ein fehlerhaftes Backup keine Event-Log-Informationen darüber haben, wo der Ursprung des Angriffs liegt. Zusätzlich kann eine verwundbare Informationssicherheitslandschaft in Verbindung mit unabsichtlicher Löschung von Servern für Unternehmen, die strenge gesetzliche Auflagen erfüllen müssen, den Verlust von Auditbelegen bedeuten. Dies würde wiederum Strafen oder gar Gerichtsverfahren nach sich ziehen – beide unnötig und teuer.

Dr. Richard Scott, Director Information Security, Kroll Ontrack, fügt hinzu: „Viele Unternehmen setzen einfach nicht genügend Ressourcen ein, um Bedrohungen und Risiken zu verstehen und entsprechende Richtlinien umzusetzen. Wenn dann noch kleine Unachtsamkeiten hinzukommen, entsteht schnell ein kapitales Sicherheitsleck oder sogar ein Datenverlust. Daher sollten sich die Verantwortlichen über die fundamentalen Vorsichtsmaßnahmen klar werden: regelmäßige Hardware-Upgrades, umfangreiches Testen und Validieren von IT-Netzwerkprozessen, Investitionen in gute und erfahrene Experten sowie die Zusammenarbeit mit einem Datenrettungsexperten.“

Im Folgenden sind die häufigsten IT-Fehler aufgelistet, die laut Kroll Ontrack zu einem Datenverlust und Sicherheitslücken führen können:

  1. Fehlende Dokumentation und Umsetzung von etablierten IT-, Datenhaltungs- und Backupprozeduren: Ein Testserver geht in Betrieb, aber niemand informiert die IT-Abteilung darüber, dass er ab sofort wichtige Daten sammelt, diese aber nicht gesichert werden. Ein anderes Beispiel: Ein erfahrener Mitarbeiter verlässt das Unternehmen – und nimmt sein gesamtes Wissen mit. Dieser Abgang hinterlässt im besten Fall Verwirrung, im schlimmsten Fall eine undokumentierte Masse aus Details über Konfiguration und Benutzung des Systems.
  2. Kein effektives Backup: Eine vor kurzem von Kroll Ontrack durchgeführte Kundenbefragung hat ergeben, dass 61 Prozent der Befragten trotz Backup einen Datenverlust hinnehmen mussten. Entweder funktionierte die Datensicherung nicht richtig, das betroffene Laufwerk war nicht vom Backup abgedeckt oder die Datensicherung war nicht aktuell. Daher sollten IT-Verantwortliche immer darauf achten, ihre Backuprichtlinien zu testen, die korrekten Laufwerke zuzuweisen und die Integrität des Backups sicherzustellen.
  3. Verzögerte Investitionen in Infrastruktur oder Sicherheit: Viele Datenverluste resultieren daraus, dass Unternehmen nicht in Infrastrukturupdates oder Sicherheitsmaßnahmen investiert haben.
  4. Sicherheitsrichtlinien werden nicht eingehalten und/oder Betriebssysteme und Sicherheitssysteme sind nicht aktuell: Selbst der kleinste Fehler bei der IT-Sicherheit kann verheerende Folgen haben, wie z.B. Datenverlust oder hohe Kosten. Administratoren müssen Privilegien daher mit Bedacht zuweisen, entsprechende Passwörter nur an Mitarbeiter geben, die diese dringend benötigen, und Passwörter unbedingt wechseln, wenn ein IT-Administrator das Unternehmen verlässt. Zusätzlich helfen Sicherheitsupdates für das Betriebssystem und Schutzprogramme gegen Malware dabei, die Firmen-IT gegen Cyber-Angriffe zu schützen.
  5. Dateien, die noch in Benutzung sind, werden gelöscht: Immer wieder muss Kroll Ontrack Daten von Tapes oder aus Servernetzwerken wiederherstellen, die irrtümlich für ungenutzt gehalten wurden, aber tatsächlich noch in Benutzung sind.
  6. Kroll Ontrack empfiehlt IT-Abteilungen, sich an die folgenden Ratschläge zu halten, um im Falle eines Datenverlusts die bestmögliche Chance zur effektiven Klärung zu erhalten:

    • Keine Panik: Wenn ein Datenverlust geschieht, sollten Unternehmen auf keinen Fall ein Backup auf das ursprüngliche Quellenlaufwerk zurückspielen – denn dort ereignete sich der Datenverlust. Außerdem sollten sie auch auf dieses Laufwerk keine neuen Daten speichern, denn es könnte korrumpiert oder beschädigt sein.
    • In die eigenen Fähigkeiten und Wissen vertrauen: Die IT-Abteilung muss der Geschäftsführung zur Seite stehen und ihr dabei helfen, keine Entscheidungen zu treffen, die Schaden anrichten anstatt zu helfen. Gerade wenn sie mit einem möglichen Datenverlust konfrontiert sind, muss das betroffene Laufwerk sofort vom System getrennt werden. Denn Daten werden in schneller Folge überschrieben, und das Laufwerk sollte auf keinen Fall formatiert werden, um zu versuchen, den Schaden zu beheben.
    • Vorbereitet sein: Die Mitarbeiter sollten sich an bewährte Prozesse und Handlungsempfehlungen halten und sicher gehen, dass die Dokumentation des Rechenzentrums vollständig ist und regelmäßig aktualisiert wird. Vor allem dürfen die IT-Spezialisten während eines Datenverlusts keine Datenträgerprogramme (CHDSK/FSCK) oder Firmware-Aktualisierungen laufen lassen.
    • Die Umgebung und die Daten kennen: IT-Abteilungen müssen verstehen, was ihre Storage-Umgebungen verkraften können und wie schnell sie sich erholen. Es ist darüber hinaus wichtig, dass sie wissen, welche Daten kritisch oder unersetzbar sind, ob Daten neu eingegeben oder ersetzt werden können und was es kostet, die Daten wieder in Betrieb zu nehmen. Mitarbeiter müssen bei der Priorisierung stets Kosten und Risiken abwägen. Müssen die Systeme schnell wieder zum Laufen gebracht oder müssen die vorhandenen Daten geschützt werden?
    • Im Zweifel lieber einen Datenrettungsexperten fragen: Hersteller oder Verkäufer sind in vielen Fällen ein guter Anlaufpunkt. Jedoch stehen bei ihnen der Wert der Daten und das Potenzial für Datenverlust bei der Wiederinbetriebnahme eines Systems nicht unbedingt an erster Stelle. IT-Abteilungen sollten daher immer einen namhaften Datenretter zu Rate ziehen, wenn ein Datenverlust droht.