6 November 2013

Datenrettung: Die Büchse der Pandora

Unsachgemäße Öffnung von defekten Festplatten mindert die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Datenrettung

BÖBLINGEN – 06. November 2013 – Eine Untersuchung aus den Laboren von Kroll Ontrack, Spezialist für Datenrettung und Information Management, hat ergeben, dass Speichermedien häufig falsch behandelt werden, bevor die Betroffenen nach professioneller Hilfe suchen. Mehr als zehn Prozent der weltweit über 50.000 zur Datenrettung eingeschickten Massenspeicher sind vorher schon einmal unsachgemäß geöffnet worden. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Datenrettung um fast die Hälfte. Auch scheinen die Betroffenen unbelehrbar: Die Zahlen aus den beiden Vorjahren zeigen dasselbe Ergebnis.

Martin Hiller, Manager Cleanroom Engineering, Kroll Ontrack, kommentiert diese beunruhigende Entwicklung: „Nachdem die Datenrettung bei Festplatten mit physikalischen Schäden deutlich aufwendiger ist als bei logischen Fehlern, kann eine unsachgemäße Öffnung des Laufwerks großen Schaden anrichten – besonders durch mikroskopisch kleine Schmutzpartikel. Daher sollte ein defekter Massenspeicher nur an professionell zertifizierten Reinraumarbeitsplätzen mit einem Laminar-Air-Flow-System erfolgen.“

Bei durchschnittlichen Umdrehungen von 5.400 bis 15.000 pro Minute kann bereits ein einziges Staubkorn, das zwischen Kopf und Magnetscheibe gerät, einen sogenannten „Headcrash“ verursachen. Mit Headcrash wird der Kontakt zwischen Lese-Schreib-Kopf und Magnetscheibe bezeichnet. An der Stelle des Crashs können die Daten nur noch mit extrem hohem Aufwand ausgelesen werden – wenn überhaupt.

Zertifizierte Reinheit

In einem professionellen Reinraum zur Datenrettung werden die einzelnen Arbeitsplätze durch einen vertikalen laminaren Luftstrom staubfrei gehalten. Selbst die kleinsten Partikel werden mittels spezieller Luftfilter, sogenannter HEPA Filter (High Efficiency Particulate Air Filters), aufgefangen. Diese Filter können Partikel bis zu einem Durchmesser von 0,5 Mikrometern erfassen (zum Vergleich: ein menschliches Haar ist zwischen 40 und 120 Mikrometer dick). Bei Kroll Ontrack erfüllen alle Reinraumarbeitsplätze die ISO 14644-1 Class 5 Norm.

Weltweit größtes Ersatzteillager

Insgesamt haben 75 Prozent der an Kroll Ontrack zur Datenrettung geschickten Laufwerke physikalische Beschädigungen, während gerade einmal ein Viertel von einem logischen Fehler betroffen ist. Aus diesem Grund hat jeder der 24 weltweiten Standorte ein umfangreiches Ersatzteile-Sortiment, um defekte Komponenten ersetzen zu können.

„Mit mehr als 150.000 Ersatzteilen an allen Standorten insgesamt hat Kroll Ontrack eines der größten Ersatzteil-Sortimente weltweit“, so Peter Böhret, Managing Director Kroll Ontrack Deutschland und Vice President European Data Recovery. „Dabei kann jeder Standort dank unseres intelligenten Inventur-Systems jederzeit sehen, wo welches Ersatzteil vorrätig ist und es dann vom nächsten Lager anfordern. So können wir unseren Kunden umfassenden Support für alle Speichermedien und eine schnelle Datenrettung bieten.“

Image ist alles

Wenn ein beschädigtes Laufwerk technisch wieder in Stand gesetzt wurde, muss ein 1:1-Image der Daten erstellt werden. Es wird immer nur an dem Abbild der Daten gearbeitet, nie mit den Originaldaten.

Dabei verbinden die Reinraum-Spezialisten von Kroll Ontrack das zu rettende Laufwerk mit einem System aus proprietären Werkzeugen. Das Image wird dabei durch die spezielle Server-Architektur so erstellt, dass das Originallaufwerk nicht weiter beschädigt wird. Alle Daten werden für den Zeitraum der Datenrettung in einem hochsicheren Rechenzentrum abgelegt, das sich direkt am jeweiligen Standort von Kroll Ontrack befindet. Vor der endgültigen Wiederherstellung der Daten werden die Ergebnisse in einem übersichtlichen File-Report (Ontrack Verifile Report) dargestellt. Diese web-basierte Anwendung listet für den Kunden auf, welche Dateien wiederhergestellt werden können. So kann er genau sehen, ob bzw. welche Daten gerettet werden können, bevor er den Auftrag zur Datenrettung erteilt.